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Boden / Volierenhaltung |
Käfighaltung |
Steigerung um |
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| Staub, mg / m3 | 8,9 - 16,9 | 1,9 | 4,7 - 8,9 |
| Pilze, KBE* / m3 | 7500 - 75000 | 2700 | 2,8 - 27,8 |
| Bakterien KBE* / m3 | 280.000 1 Mio | 56000 | 5,0 17,9 |
| Endotoxine, ng / m3 | 361 - 367 | 19 | 19,0 - 19,3 |
| Ammoniak, mg / m3 | 12,9 - 32,3 | 3,2 | 4,0 - 10,1 |
| Kohlendioxyd, mg / m3 | 1649 - 3075 | 1681 | 1,0 - 1,8 |
* KBE = koloniebildende Einheiten
In der Auslaufhaltung sind die Exkremente der Hühner gänzlich unkontrollierbar. Da die Tiere auch bei größerem Flächenangebot ihren Kot nicht gleichmäßig über den Auslauf verteilen, finden sich insbesondere in Stallnähe (Siegmann, 1992) Areale, die völlig kotverätzt sind. Von hier aus versickert der Kot im Boden und gefährdet so das Grundwasser oder gelangt mit dem nächsten Regen im nächsten Bächlein (Meierhans u. Menzi, 1995). Auch bei Mastschweinen in Weidehaltung wird ein Eintrag von Phosphaten und Stickstoffverbindungen in tiefere Bodenschichten beobachtet (Brandt, 1995). Hingegen kann der Gesetzgeber über die Düngeverordnung die Ausbringung des Kotes in der Intensiv - und Bodenhaltung regulieren.
Mehr Futter und Exkremente pro Ei
Durch die ausgiebige Bewegung und ungeregelte Stalltemperaturen entsteht in der Auslaufhaltung pro produziertem Ei ein Futtermehrbedarf von etwa 20% (Grashorn, 1993; Tüller, 1996) und hieraus resultierend ein Mehrbedarf an Fremdenergie z.B. für die Futterherstellung und einen um 20% erhöhten Flächenbedarf für die notwendige Mehrproduktion an Futter. Die niedrige Leistung schlägt sich auch in relativ höheren Stickstoff - und Phosphoremissionen in Kot nieder, was die Ökobilanz zusätzlich belastet (Grashorn, 1993). Der Aufwuchs (Gras, Kraut) im Auslauf, der durch die Überdümgung durch den Hühnerkot in seiner Zusammensetzung verändert oder mehr oder weniger volständig weggeätzt wird, hat für die Ernährung der Tiere keine Bedeutung. Käfer und Regenwürmer, die auf dem Speiseplan stehen sind eher ein Gesundheitsrisiko (siehe oben) als kalkulierbare Proteinquelle für die Tiere.
Flächenverbrauch
Stünde jeder Legehenne entsprechend der geplanten EU - Ökoverordnung 10 Quadratmeter Auslauf zur Verfügung, ließe sich der Krankheitsdruck etwas senken. Aber schon bei der Umstellung der deutschen Eierproduktion nach 2007 auf Boden - und Auslaufhaltung wird allein für die Umstellung eines größeren deutschen Eierproduzenten eine Fläche von mehr als 10.000 Hektar benötigz. Diese Fläche steht zur Zeit in Deutschland am Markt nicht zur Verfügung. Hierzu kämen noch Ackerflächen für den Getreide - und Futteranbau. Da im ökologischen Landbau z.B. beim Weizen im Vergleich zum konventionellen Landbau mit um 40% geringeren Hektaerträgen gerechnet werden muß, entstünde durch die ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen ein entsprechend größerer Flächenverbrauch. Aber wohin mit den Menschen, Wäldern,Naherholungsgebieten, schützenswerten Feuchtbiotopen? Wo in Zukunft Industriegüter, nachwachsende Rohstoffe und andere Lebensmittel produzieren? Absurd! Realitätsfern!
Besserer Geschmack?
Bei einem Eiertestessen, welches vom WDR und der Landwirtschaftskammer Rheinland veranstaltet wurde, schnitten Käfigeier im Vergleich zu Eiern aus der Auslaufhaltung geschmacklich und bei den Kriterien Schalenqualität, Dotterfarbe und Beschaffenheit des Eiklars deutlich besser ab. Offensichtlich hat die Haltungsform kaum einen Einfluß auf Qualität und Geschmack (DGS, 1995).
Sind Ökoeier gesünder?
Nach Untersuchungen des Institutes für Kleintierzucht in Celle ist der Verschmutzungsgrad bei Eischalen aus der Freilandhaltung etwa fünfmal so hoch wie bei Eiern aus der Käfighaltung. Noch krasser ist der hygienische Unterschied bei den Keimzahlen: Während Käfigeier mit bis zu 240 coliformen Keimen behaftet sind, erreichen Eier aus der Bodenhaltung 4,7 Millionen Keime. Freilandeier gelangten in dieser Untersuchung mit bis zu 8,2 Millionen coliformen Keimen pro Ei unangefochten auf den Spitzenplatz. Eine hohe Keimbesiedelung der Schalenoberfläche führt auch zu einer Keimbesiedlung von Eiweiß und Dotter (Matthes, 1983, Tabelle 1).
Tabelle 2: Häufigkeit der Kontamination von Hühnereiern aus Auslauf-, Boden- und Bodenhaltung mit Schmutzkeimen wie Escherichia coli, Proteus u. a. (Matthes, 1983)
| Auslaufhaltung | Bodenhaltung | Käfighaltung | |
| Schalenoberfläche | 53,0% | 28,1% | 11,3% |
| Innere Eischale (Keimpenetration) |
5,0% | 2,5% | 0,0% |
| Eidotter | 3,1% | 0,6% | 0,0% |
Dies belegt, daß die Bevorzugung von Eiern aus Freiland - und Bodenhaltung aus Hygiene - und Gesundheitsgründen nicht haltbar ist. Prof. Siegmann (1992) vom Institut für Geflügel der tierärztlichen Hochschule Hannover urteilt in einem Fachbuch: "Der Käufer von Freilandeiern erhält für einen höheren Preis eine lebensmittelhygienisch schlechtere Qualität". Die Bodenhaltung wirkt sich im Bezug auf die Salmonellenbekämpfung nachteilig aus. Rund zwei Drittel der wegen Salmonellenbefall gereinigten und desinfizierten Betriebe (in der Schweiz) mußten bei der Schlußkontrolle bemängelt werden, da immer noch Salmonellen gefunden wurden. Alte Ställe lassen sich kaum mit vernünftigem Aufwand desinfizieren (Hoop, 1995).
Wie sicher sind Ökoeier?
Das die beliebten Ökoeier zumeist in Kleinbetrieben unter 250 Tieren produziert werden, unterliegen diese Betriebe in der Bundesrepublik nicht der Hühner - Salmonellen - Verordnung. Somit entfallen für diese Kleinbetriebe die Impfpflicht gegen Salmonellen nach § 2, die betriebseigenen Kontrollen nach § 3, die Mitteilungspflicht an die Behörden nach § 4, die amtlichen Untersuchungen nach § 5 und die behördlichen Schutz - und Hygienemaßnahmen nach §§ 6 - 10 nach der Hühner - Salmonellen - Verordnung. Somit sind kleine Auslaufhaltungen Risikohaltungen! Nach einer Schweizer Untersuchungen stellen einmal mit Salmonellen infizierte Freilandlegehennen eine andauernde Verbrauchergefährdung da, da diese Tiere die Infektion nicht überwinden und immer wieder Eier legen, die mit Salmonellen belastet sind. Insbesondere bei "verlegten Eiern", die erst nach einigen Tagen gefunden werden, kommt es insbesondere bei warmem Sommerwetter zu einer Massenvermehrung von Salmonellen (Müller u. Ma., 1994), die dann auch in das Eiinnere gelangen können. Und so ist nach britischen Untersuchungen der Verarbeitung von Freilandeiern im Haushalt ein bedeutender Risikofaktor für eine Salmonelleninfektion (Parry SM et. al., 2002).
Arzneimittelrecycling
Weitere Probleme ergeben sich dadurch, daß Arzneimittel mit dem Kot oder auch direkt in die Einstreu oder den Auslauf gelangen. Mit dem Scharren und Picken nehmen die Hühner Arzneimittelreste wieder auf. So können Arzneimittelrückstände noch nach Wochen nachgewiesen werden (Woernle, 1984; Friedrich, 1985; TGD Bayern, 1986 u. 1988; Hafez u. Ma., 1988, Tabelle 2). Es treten auch Rückstände bei Tieren auf, die nicht einer Behandlung unterworfen wurden, da diese Tiere ebenso ungewollt Arzneimittelreste aus der Einstreu aufnehmen.
Da die Wartezeiten für Arzneimittel durch Versuche an Batteriehennen festgelegt wurden, dürften die Arzneimittelwartezeiten in der Boden - und Auslaufhaltung durch den "Recyclingeffekt" völlig unzureichend sein und müssen für diese Haltungsform neu festgelegt werden. Ob Antibiotikarückstände in Lebensmitteln (Eiern) in der Darmflora des Konsumenten resistente Bakterien erzeugen können, ist bisher nicht eindeutig belegt. Einige wenige Versuche mit Versuchspersonen und Versuchstieren brachten bisher keine eindeutigen Ergebnisse (Löscher, 1996). Wenn Parasiten und Krankheitserreger immer wieder mit Arzneimittelmengen, die unterhalb einer therapeutisch wirksamen Konzentration liegen, in Kontakt kommen, ist eine Resistenzbildung bei Bakterien (Salmonellen), Würmern und Coccidien vorprogrammiert (Löscher u. Ma., 1994).
Tabelle 3: Unterschiede in der Dauer der Ausscheidung von Arzneimittelrückständen über das Ei bei Legehennen in Käfig- bzw. Bodenhaltung (Hafez u. Ma., 1988; Friedrich u. Ma., 1985: TGD Bayern, unveröffentlchte Daten, 1986 u. 1988).
| Wirkstoff, Konzentration |
Behandlungsdauer | Nachweisdauer von Arzneimittel- rücktänden im Ei in Tagen nach Behandlungsende |
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| Käfig | Boden | ||
| Meticlorpindol 102 mg / kg Futter |
14 Tage (14.-16. Woche) |
nicht nachweisbar | 28 nach Legebeginn |
| Meticlorpindol 2 mg / kg Futter |
29 Tage | 2 | 4 |
| Nicarbazin 129 mg / kg Futter |
6 Tage | 28 | über 60 |
| Nicarbazin 2 mg / kg Futter |
29 Tage | 16 | über 60 |
| Tetracyclin 500 mg / l Wasser |
7 Tage | 26 | 37 |
| Enrofloxacin 50 mg / l Wasser |
4 Tage | 8 | über 46 |
Reinen Wein einschenken!
Da viele Bundesbürger völlig vom Landleben entfremdet sind und eine Vorstellung von Landwirtschaft haben, die eher an "science fiktion" oder "Disneyland" erinnert, sind viele von ihnen der Mogelpackung von den "gesunden Eiern von glücklichen Hühnern" aufgesessen. Freilandeier werden mystifiziert und gelten als "gesund. Um dieser Logik zu folgen, wird - oft in Unkenntnis der tatsächlichen Risiken - auf einfachste Hygienemaßnahmen verzichtet, die sich über Generationen aus der Erfahrung mit Lebensmittelrisiken entwickelt haben. Eine seriöse Verbraucherberatung muß auf bestehende Rückstands - und Hygienerisiken hinweisen, so daß sich insbesondere empfindliche und infektionsgefährdete Risikogruppen, die ganz bewußt die "gesunden Freilandeier" bevorzugen (Rheumatiker, Diabetiker, Transplantierte, alte Menschen, HIV-Infizierte, Kleinkinder), durch einen hygienischen Umgang mit Eiern schützen können.
Fazit: Kompromisse bei der Hennenhaltung und ein reduzierter Eierkonsum sind unausweichlich. Ob aber die vielen kleinen Hennenhalter die hohen Investitionskosten in eine technisch komplizierte und
aufwendige Volierenhaltung verkraften können, ist mehr als fraglich. Der Konsument muß in Zukunft aus Gründen des Tierschutzes eine qualifizierte Versorgung der Tiere mit modernen
Arzneimitteln und eine damit verbundene höhere Belastung mit Rückständen akzeptieren. Unkalkulierbar aber ist das Verbraucherverhalten. Er dürfte bei sinkenden Realeinkommen und
mehr als 4 Millionen Arbeitslosen eher das 10-Cent-Ei von Aldi kaufen. Läßt sich der Verbraucher in absehbarer Zeit ändern? Karl Marx ist schon einmal gescheitert.
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