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Antibiotika in der Tiermast fördert Entwicklung von Problemkeimen

Seit einigen Jahren mehren sich die Berichte aus dem In- und Ausland über Infektionen mit Enterokokken, die gegen Glykopeptid-Antibiotika nicht mehr empfindlich sind. Eine Ursache für diese Entwicklung ist vermutlich der Einsatz von Glykopeptiden in der Viehzucht, wo sie als Futterzusatz eingesetzt werden, um die Gewichtszunahme der Tiere zu beschleunigen.

Enterokokken sind immer Bestandteil der Darmflora. Unter bestimmten Umständen können sie als Erreger von Krankenhausinfektionen auftreten, besonders bei Patienten mit geschwächter Immunabwehr und anderen schweren Grundleiden oder unter Intensivbetreuung in der Notfallmedizin. Bei diesen Patiernten machen Enterokokken etwa 12 % der Erreger von septischen Allgemeininfektionen aus.

Noch vor 15 Jahren gab es bei der antibiotischen Behandlung von Enterokokkeninfektionen keine Resistenzprobleme; es wurde meist eine Kombination aus Ampicillin und einem Aminoglykosid eingesetzt. Vor allem bei abwehrgeschwächten Patienten hat jedoch eine Enterokokkenart (E. faecium) an Bedeutung gewonnen, die zunehmend eine Resistenz gegen Ampicillin entwickelt. In diesem Fall – oder wenn der Patient an einer Penicillinallergie leidet -sind Glykopeptid-Antibiotika normalerweise Mittel der Wahl. Immer häufiger auftretende Glykopeptid-Resistenzen – zunächst in den USA und Frankreich, heute weltweit – berauben die Medizin aber dieser wirksamen Alternativwaffe.

Die Resistenz beruht auf der Übertragung von zusätzlichen Genen für einen bestimmten Mechanismus, der die Zelle vor den Glykopeptiden schützt. Tritt diese Resistenz zusätzlich zu der gegen Ampicillin auf, ist die antibiotische Behandlung der Enterokokken-Sepsis ernsthaft gefährdet, da solche Erregerstämme oft sehr schnell auch gegen andere Antibiotika der zweiten Wahl eine Resistenz entwickeln. Enterokokkenstämme mit Resistenzen gegen Ampicillin, Aminoglykoside und Glykopeptide sind echte Problemkeime, die kaum noch therapeutische Möglichkeiten lassen. Aus den USA und Kanada ist über Ausbrüche (lokale Epidemien) von Krankenhausinfektionen mit glykopeptidresistenten Enterokokken berichtet worden – auch mit Todesfällen.

In Deutschland sind solche Stämme bei Krankenhausinfektionen noch selten. Das Auftreten der Glykopeptid-Resistenz erfordert aber gezielte Untersuchungen zu den Reservoiren der Resistenzgene und ihrer Verbreitungswege, um rechtzeitig Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung treffen zu können. In Untersuchungen des Robert Koch-Institutes wurde festgestellt, daß etwa 10 % der Probanden außerhalb der Krankenhäuser glykopeptidresistente Enterokokken in der Darmflora aufweisen; ebenso findet man diese Keime in Proben aus städtischen Kläranlagen. Die Befunde waren Anlaß, nach einem Reservoir außerhalb des Bereiches der Humanmedizin zu suchen – bestimmte Vertreter der Glykopeptidantibiotika werden nämlich auch als Wachstumsstimulatoren in der Tierernährung eingesetzt.

Glykopeptidresistente Enterokokken wurden entsprechend häufig bei Schweinen und Hühnern in Mastbetrieben gefunden, die ein Glykopeptid als Futtermittelzusatz einsetzen. Enterokokken, die von Legehennen (bei denen keine Glykopeptide verwendet werden) oder von Wildschweinen im Nationalpark Hochharz isoliert wurden, sind hingegen durchgehend empfindlich gegen Glykopeptide.

Der Mensch nimmt glykopeptidresistente Enterokokken über kontaminierte Nahrungsmittel auf (positiver Nachweis bei fünf von 13 untersuchten Hackfleisch-Proben von 13 Herstellern sowie im Auftauwasser von Hähnchen und Puten). In all diesen Fällen wurde das gleiche Resistenzgen nachgewiesen, wie es auch bei Enterokokken-Stämmen aus Infektionen beim Menschen gefunden worden war.

Diese Ergebnisse legen nahe, daß die Anwendung von Glykopeptid-Antibiotika als Futterzusatz in der Tierzucht ein wesentliches Reservoir für die Glykopeptid-Resistenz schafft. Für diese Antibiotika werden weitere Anwendungen bzw. Neuzulassungen gegenwärtig geprüft. Das sollte Anlaß sein, erneut darüber nachzudenken, ob der Einsatz von „künstlichen“ Futterzusatzstoffen nötig ist und welche Ersatzmöglichkeiten es gibt.

Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts 7.2.1995

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