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Rinder- und Schafkokzidiose: Bei vielen Landwirten besteht Unkenntnis +++ Verseuchung wird zunehmen

Berlin (aho) – Dr. Hans Peter Heckert, Leiter der Ambulanz, Diagnostischer Dienst am Rind vom Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin beantwortet aktuelle Fragen um die Kokzidiose beim Rind.

1. Wie bewerten Sie das Vorkommen der Kokzidiose in deutschen Rinder- und Schafbeständen?
Innerhalb der bekämpfungswürdigen Endoparasitosen der Rinder nimmt die Kokzidiose eine besondere Stellung ein. Es gibt Gebiete in der Bundesrepublik, wo die Kokzidiose ein nur schwer beherrschbares Problem in der täglichen tierärztlichen Praxis darstellt. Dies lag in der Vergangenheit insbesondere an dem Umstand, dass gut wirksame Medikamente fehlten und die klinischen Symptome nicht immer deutlich ausgeprägt auftreten. Neuere Studien in verschiedenen Bundesländern zeigen allerdings, dass das Problem offensichtlich viel häufiger vorkommt.

2. Hat sich im Bereich Kokzidiose in den letzten Jahren eine bestimmte Entwicklung abgezeichnet?
In den letzten zehn Jahren hat die Kokzidiose zunehmend an Bedeutung erlangt. Verschiedene Kokzidienarten haben deutlich zugenommen und führen offensichtlich auch zu klinischen Erscheinungen.

3. Was ist Ihrer Meinung nach die Hauptursache für die rasante Verbreitung der Kokzidiose in Deutschland?
Uneingeschränkter Tierhandel, viele Vektoren und das bei vielen Rinderhaltern gering ausgeprägte Hygieneverhalten sowie die mangelnde Bereitschaft Prophylaxe-Maßnahmen durchzuführen, haben Vorschub geleistet.

4. Gibt es regionale Unterschiede?
Niederungs- u. Feuchtgebiete sind besonders stark von der Weidekokzidiose betroffen. Die Stallkokzidiose tritt mehr oder weniger unabhängig hiervon auf

5. Ist den Landwirten und Tierärzten die Gefahr bewusst?
Wahrend die Weidekokzidiose zu offensichtlichen Krankheitserscheinungen bei erstsömmrigen Rindern führt, wird die Stallkokzidiose gerade bei jüngeren Kälbern häufig nicht entsprechend wahrgenommen oder es werden andere Ursachen für die Krankheitserscheinungen vermutet. Während sicher vielen Tierärzten das Problem je nach Region bewusst ist, besteht bei den Landwirten häufig Unkenntnis.

6. Wie können Betriebe Kokzidien erkennen?
Das Erkennen der Kokzidiose ist beim Auftreten der Krankheitserscheinungen leicht.
Die Leitsymptome sollten eine Verdachtsdiagnose zur Folge haben. Die endgültige Diagnose ergibt sieh aus der Kotprobendiagnostik. Dabei ist zu bedenken, dass das Ergebnis einer korrekten Interpretation unterzogen wird. So ist auch das vereinzelte
Auftreten von Oozysten im Zusammenhang mit klinischen Erscheinungen ausreichend. Andererseits findet man auch Oozysten bei gesunden Tieren in geringer Menge.

7. Was kann der Betrieb bei Kokzidien tun?
Zunächst muss erwähnt werden, dass die früher häufig durchgeführte Sulfonamid-Therapie nur schlechte Wirkung auf Bestandsebene gezeigt hat. Inzwischen sind gut wirksame Präparate im Handel verfügbar, die aus der Gruppe der Triazinone abgeleitet sind. Zusätzlich sind aber zum Gelingen der Bekämpfung eine Vielzahl von begleitenden Maßnahmen erforderlich, die vorwiegend vom Tierhalter durchgeführt werden müssen. Hierzu zahlen Managementmaßnahmen ebenso wie Hygieneprogramme.

8. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der Kokzidiose?
Zur Behandlung der Rinderkokzidiose stehen seit neuerer Zeit zwei Produkte zur Verfügung. Hierbei handelt es sieh um den Wirkstoff Diclazuril ( Vecoxan®, JANSSEN ANIMAL HEALTH) und Toltrazuril (Baycox® bovis, BAYER). Diese müssen unterschiedlich nach Zweck eingesetzt werden. Wahrend Baycox® bovis mehr zur Therapie eingesetzt wird, besteht der Vorteil von Vecoxan® im metaphylaktischen Einsatz, der in der Regel für den Betrieb kostengünstiger ist.

9. Wo sind die Vorteile einer metaphylaktischen Behandlung?
Die Metaphylaxe ist kostengünstiger, sie ist als fester Bestandteil aller Gesundheitsmaßnahmen im Betrieb durchführbar und ist auch für das Tier schonender, da deutliche Krankheitserscheinungen unterbunden werden. Die Tiere immunisieren sich unter dieser Maßnahme. Die Metaphylaxe halt den lnfektionsdruck gering.

10. Ist eine therapeutische Behandlung bei Kokzidiose überhaupt sinnvoll?
Aus den eben genannten Antworten bedarf es einer kritischen Frage nach dem Sinn einer ausschließlichen Therapie. Das Problem besteht auch im Hinblick auf Reinfektionen, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen und von den Haltungsbedingungen bzw. Verseuchungsgrad der Weide beeinflusst werden.

11. Auf welche Punkte muss bei der Medikamentenauswahl und bei der Behandlung geachtet werden?
Die Auswahl der einzusetzenden Präparate ergibt sich aus der Indikationsstellung und den Zulassungsbeschränkungen. Toltrazuril darf nur bei Tieren bis zu 80 kg KGW eingesetzt werden und hat keine Zulassung für Tiere, deren Fleisch oder Milch für den menschlichen Verzehr bestimmt ist. Diclazuril weist diese Einschränkungen nicht auf.

12. Wie bewerten Sie die Wirkstoffe Diclazuril und Toltrazuril hinsichtlich ihres Einsatzes bei Rinderkokzidiose?
Aus dem eben Gesagten ergibt sich natürlich eine unbesorgtere Anwendung von Diclazuril, das insbesondere zum metaphylaktischen Einsatz kommen sollte.

13. Kann die Kokzidiose mit ausschließlich medikamentösen Behandlungsmaßnahmen bekämpft und eingedämmt werden?
Die ausschließliche medikamentelle Bekämpfung reicht in der Regel nicht aus. Hygienemaßnahmen sind absolut notwendig. Die Anwendung eines Oozysten-wirksamen Desinfektionsmittels zu Flächen- und Gerätedesinfektion ist genau so wichtig wie ein Hygiene- und Managementprogramm bei der Weidepflege.

14. Was macht die Kokzidiose so schwer zugänglich?
Da nur wenige zugelassene Desinfektionsmittel bei Kokzidiose wirksam sind, muss der Tierarzt die Landwirte entsprechend beraten. Ausschließlich auf Kresolbasis bestehende Mittel haben einen Sinn. Die Oozysten sind nämlich äußerst widerstandsfähig und können im Stall bis zu 18 Monaten überleben.

15. Was denken Sie, haben wir in Zukunft hinsichtlich Kokzidiose zu erwarten?
Die Verseuchung der Flachen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, da das Oberflächenwasser häufig kontaminiert ist. So kommen die Oozysten immer wieder in den entsprechenden Kreislauf. Auch das fehlende Bewusstsein bei den Landwirten stellt ein Problem dar. Durch entsprechende Fortbildungsmaßnahmen kann dieser Missstand beseitigt werden. Anderenfalls wird das Problem dennoch, zumindest vorläufig, in manchen Regionen deutlich zunehmen.

Weitere Informationen finden Sie auf der AHO-Sonderseite „Rinder- und Schafkokzidiose: Ein Problem ungeahnter Tragweite“.

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