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Impfen statt Keulen? Moderne Diagnostik und innovative Impfstoffe eröffnen Möglichkeiten für neue Bekämpfungsstrategien

[Bild: „Die Entwicklungen in der molekularen Diagnostik von Tierseuchenerregern können als revolutionär bezeichnet werden“, urteilte Dr. Timm Harder, Friedrich-Löffler-Institut, Insel Riems.]

(BfT) – Die Akademie für Tiergesundheit hatte in diesem Frühjahr nationale und internationale Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Veterinärmedizin, Öffentlichkeit und Landwirtschaft nach Wiesbaden-Naurod eingeladen, um einen Überblick über den aktuellen Stand und neue Entwicklungen in der europäischen Seuchenpolitik zu geben sowie neue Strategien zur Bekämpfung von Tierseuchen zu diskutieren.

Angesichts der massiven Keulungen in den vergangenen Seuchenzügen stand die Notwendigkeit neue Wege zu beschreiten für die Experten außer Frage. Auch die dafür benötigten Instrumente – in Form moderner Impfstoffe und neuer diagnostischer Methoden – stehen jetzt zur Verfügung. Noch aber verhindern zu viele Restriktionen, dass diese Möglichkeiten ausgenutzt werden können.

Alternativen zur Keulung

Auf europäischer Ebene wird nach Wegen gesucht, im akuten Seuchenfall auch bei hochkontagiösen Tierseuchen von einer Impfung Gebrauch machen zu können. Als wirksames wissenschaftliches Instrument für die Seuchenbekämpfung wurde die Diagnostik mit ihren geradezu „revolutionären“ Entwicklungen genannt. Es steht heute eine Vielzahl von Analytikverfahren zur Verfügung, mit denen man sehr zielgerichtet und sehr schnell auf Erregersuche gehen kann. Daneben tragen auch verbesserte Kommunikationssysteme zur erfolgreichen Seuchenbekämpfung bei. Die Übertragung von Daten in „Echtzeit“ und die Etablierung von Monitoring- und Surveillance-Datenbanken erlauben standardisierte epidemiologische Auswertungen, andere Informationssysteme ermöglichen Vorhersagen zum Verlauf von Tierseuchen oder die Beurteilung verschiedener Bekämpfungsoptionen. Diese Modelle sind deshalb so wichtig, weil Strategien zur Seuchenbekämpfung nicht „ausprobiert“ werden können.

So wurden am Beispiel der Klassischen Schweinepest verschiedene Bekämpfungsszenarien sowie deren Kosten und Erfolge unter Berücksichtigung praktischer Erkenntnisse berechnet. Sowohl im Sinne einer möglichst effektiven Eindämmung eines Seuchengeschehens als auch aus wirtschaftlicher Sicht zeigte sich hier das Szenario mit Notimpfung gegenüber dem ausschließlich auf Keulung basierenden konventionellen Bekämpfungsszenario als gleichwertig oder sogar überlegen.

Ja, aber ….

Neue Wege in der Seuchenbekämpfung sind nur auf internationaler Ebene und mit einem breiten Konsens der beteiligten Partner möglich. Eine Befragung bei den EU-Staaten zur Akzeptanz von neuen Impf-/Diagnostikstrategien in Notfallsituationen sowie ein EU-Strategiepapier wurden vorgestellt. Demnach herrscht grundsätzlich Übereinstimmung, dass die Notimpfung mit anschließender weiterer Nutzung der Tiere eine sinnvolle Alternative zur Keulung darstellt. Das Umfrageergebnis machte aber auch deutlich, dass dem zustimmenden „Ja“ sehr häufig ein eingrenzendes „aber“ folgt. Bedenken seitens der Mitgliedstaaten wurden hauptsächlich hinsichtlich Sicherheit der Impfstoffe, Zulassungsfragen und Wirtschaftlichkeit sowie der Handelbarkeit geimpfter Tiere und deren Erzeugnisse geäußert.

Der Dialog läuft

Die abschließende Podiumsdiskussion zeigte, dass eine Änderung der Bekämpfungsstrategie grundsätzlich auf Zustimmung stößt unter der Vorgabe, dass die Vermarktung gesunder, geimpfter Tiere möglich ist. Einigkeit herrschte darüber, dass eine Antwort auf die Frage „Impfen statt Keulen?“ in Friedenszeiten, also möglichst schnell, gefunden werden muss.

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