Gewerbsmäßiger Betrug: Ex-Bio-Baron kommt mit Bewährungsstrafe davon
Paderborn (aho/lme) – Der ehemalige Bio-Geflügelzüchter und -vermarkter Berthold Franzsander aus dem ostwestfälischen Delbrück wurde heute vom Landgericht Paderborn wegen Betruges in 72 Fällen zu 22 Monaten Haft auf Bewährung und 300 Stunden Sozialarbeit verurteilt. Der ehemals größte Produzent von Biogeflügel in Deutschland hatte mit konventionell erzeugtem Getreide gefütterte Hähnchen als teure Bioware verkauft. Vor Gericht hatte er die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Er sei davon ausgegangen, dass er fünf Prozent konventionelles Fleisch nach den Bio-Regularien zumischen dürfe. Später habe er bewusst in Kauf genommen, dass er damit falsch liege. Dennoch habe er weiterhin konventionell produzierte Geflügelfleisch zugekauft, um seine Kunden beliefern zu können. Zu den Kunden gehörten Biohöfe, Reformhäuser, Naturkostläden, Hersteller von Bio-Babynahrung, aber auch Marken wie BioBio. Und sogar die Landeshauptstadt Wiesbaden orderte bei Franzsander ebenso wie die Landesvertretung Nordrhein-Westfalen in Berlin. Acht Jahre waren aus Delbrück auch Öko-Puten und Bio-Hähnchen an die älteste Braterei auf dem Oktoberfest in München, Ammer, geliefert worden. Zuletzt wurden auf der Wiesn 20.000 angebliche Öko-Hähnchen verspeist.
Von 2005 bis 2008 soll Franzsander im großen Stil konventionell erzeugtes Getreide an seine Tiere verfüttert und rund 265 Tonnen konventionell aufgezogenes Geflügel als teuere Bioware ausgegeben haben. Der Schaden wurde mit 1,3 Millionen Euro angegeben.
Mitarbeiter des Landesamtes für Natur und Umwelt (LANUV) waren bei der Kontrolle einer Futtermittelfirma in Lintel auf Lieferscheine gestoßen, die im fraglichen Zeitraum Lieferungen von 3.400 t an konventionellem Futter dokumentierten. Bei weiteren Kontrollen stieß das LANUV auch auf das konventionell produzierte Geflügelfleisch.
Der Verurteilte gehörte jahrelang zu den größten Biofleisch-Produzenten in Deutschland. Franzsanders Geflügelhandel, die RoBert’s Bio-Geflügel GmbH & Co KG, stellte zum 31. Januar 2009 die Geschäftstätigkeit ein. Franzsander kann noch mit erheblichen zivilrechtlichen Schadensersatzforderungen ehemaliger Kunden konfrontiert werden.
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