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Lebensmittelinfektionen: Säureblocker erhöhen Infektionsrisiko bei Menschen

    PPI-euro[Campylobacter-Infektionen und Verordnungen von Säureblockern zeigen einen statistischen Zusammenhang; Grafik (1)] Bilthoven/Utrecht (aho) – Campylobacter-Bakterien sind gefürchtete Erreger von Lebensmittelinfektionen, die in der Umwelt und bei vielen Wild-, Haus– und Nutztieren verbreitet sind, so dass sich Menschen in vielfältiger Weise infizieren können. Die europäische Geflügelwirtschaft unternimmt deshalb große Anstrengungen, den Erreger in den Geflügelbeständen und auf Geflügelfleisch zurückzudrängen. Und tatsächlich sind in den Niederlanden zwischen 2002 uns 2011 die Funde von Campylobacter auf Geflügelfleisch deutlich zurückgegangen. Trotzdem stiegen zur Verwunderung der Fachwelt in den Niederlanden die Fälle von Campylobacter-Lebensmittelinfektionen bei Menschen zwischen 2003 und 2011 deutlich an. Wissenschaftler des „Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu“ in Bilthoven und der Universität Utrecht sind diesem Phänomen nachgegangen und liefern im Online-Journal „Eurosurveillance“ eine mögliche Erklärung (1).

    Die Wissenschaftler konnten mit statistischen Methoden einen Zusammenhang von Campylobacteriose-Fällen beim Menschen und der Verordnungshäufigkeit von Protonen-Pumpen-Hemmern aufzeigen (1). Protonenpumpenhemmer (Protonenpumpeninhibitoren (PPI)) sind Arzneimittel, welche die Sekretion von Magensäure hemmen. Eingesetzt werden Protonenpumpenhemmeren unter anderem im Rahmen der Behandlung von Refluxkrankheit, Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren. Protonenpumpenhemmer (PPI) sind zweifelsfrei die effektivsten Arzneistoffe zur Hemmung der Magensäuresekretion. Daher sind sie bei der Behandlung von Säure-assoziierten Erkrankungen für Humanmediziner Mittel der ersten Wahl (2).

    Da die Magensäure eine Bakterien-tötende Wirkung hat, kann diese Barriere gewöhnlich nur durch hohe Keimzahlen überwunden werden. Patienten, die Medikamente mit Magensäure-blockierender Wirkung einnehmen, haben alleine deshalb ein höheres Risiko für eine Infektion, weil erheblich weniger Keime ausreichen, eine Infektion auszulösen. Auf die erhöhte Infektionsgefahr wird tatsächlich in den Produktinformationen der Arzneimittel hingewiesen.

    Die Studienautoren regen an, diesen Zusammenhang auch für andere Magen-Darm-Infektionen zu untersuchen (1).

    Rasant steigende Verordungszahlen trotz kritischer Stimmen

    Die Verordnungshäufigkeit von PPI hat in Deutschland zwischen 1997 und 2006 von 200 Mio. Tagesdosen auf 1163 Mio. Tagesdosen zugenommen, ohne dass es dafür eine Erklärung durch Zunahme der entsprechenden Krankheiten gibt (4). Im Jahr 2009 waren es nahezu zwei Milliarden Tagesdosen (7). Humanmediziner sehen diesen großflächigen Einsatz von Protonenpumpenhemmern (PPI) durchaus kritisch: „Protonenpumpenhemmer (PPI) werden weltweit aufgrund von Fehlindikationen zu häufig und in zu hohen Dosen verschrieben. Hierbei können PPI selbst die Symptome erzeugen, die sie eigentlich behandeln sollen (3)“. „Die Minderung der Säurebarriere des Magens kann zu einem moderaten bis deutlich erhöhten Risiko für gastrointestinale Infektionen wie bakterielle Dünndarmfehlbesiedlungen, bakterielle Diarrhöen, Infektionen mit Salmonellen, Campylobacter, Clostridium difficile und Parasiten (z.B. Giardia lamblia) … führen“ (3). Laut der Fachzeitschrift „Archives of Internal Medicine“ steigern PPI bei Klinikpatienten das Risiko für eine Infektion mit dem Krankenhauskeim Clostridium difficile um 74 Prozent (5). In einer zweiten Untersuchung an Patienten, die wegen dieser Erreger behandelt wurden, erhöhten die Säureblocker die Wahrscheinlichkeit für eine Rückkehr der Bakterien deutlich (6). Mediziner der Unversität von Swansea (UK) sehen einen klaren Zusammenhang zwischen PPI-Verordnungen und steigenden Campylobacter- und Salmonellen-Infektionen (8).

    Lesen Sie auch:

    (1) Bouwknegt M, van Pelt W, Kubbinga ME, Weda M, Havelaar AH.
    Potential association between the recent increase in campylobacteriosis incidence in the Netherlands and proton-pump inhibitor use – an ecological study.
    Euro Surveill. 2014;19(32):pii=20873. Available online: http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=20873

    (2) Schubert-Zsilavecz M.
    Magensäureblocker im breiten Einsatz
    Pharmazeutische Zeitung online; Ausgabe 32/2013

    (3) Frieling T.
    GERD: Langzeitnebenwirkungen einer lebenslangen Einnahme von Protonenpumpenhemmern
    J Gastroenterol Hepatol Erkr 2011; 9 (4): 7–13.

    (4) Schwabe, U., und Paffrath, D.
    Arzneiverordnungs-Report 2007. Springer, Berlin, Heidelberg, New York. Mössner, J.: S. 669.

    (5) Howell MD, Novack V, Grgurich P, Soulliard D, Novack L, Pencina M, Talmor D.
    Iatrogenic Gastric Acid Suppression and the Risk of Nosocomial Clostridium difficile Infection
    Arch Intern Med. 2010;170(9):784-790. doi:10.1001/archinternmed.2010.89.

    (6) Linsky A, Gupta K, Lawler EV, Fonda JR, Hermos JA.
    Proton Pump Inhibitors and Risk for Recurrent Clostridium difficile Infection
    Arch Intern Med. 2010;170(9):772-778. doi:10.1001/archinternmed.2010.73.

    (7) Mössner, J
    Protonenpumpenhemmer: Langzeittherapie gut abwägen
    Dtsch Arztebl 2010; 107(37): A-1764

    (8) Brophy S, Jones KH, Rahman MA, Zhou SM, John A, Atkinson MD, Francis N, Lyons RA, Dunstan F.
    Incidence of Campylobacter and Salmonella infections following first prescription for PPI: a cohort study using routine data.
    Am J Gastroenterol. 2013 Jul;108(7):1094-100. doi: 10.1038/ajg.2013.30. Epub 2013 Apr 16.

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