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Mäuse: Hantavirusinfektion des Typs Dobrova in Deutschland

(aho) – Die Weltgesundheitsorganisation stuft Hantaviren als zunehmende gesundheitliche Bedrohung für den Menschen ein, ähnlich anderen gefährlichen Keimen wie den Aids-, Ebola- und Marburg-Viren. Als Hantaviren wird eine Gruppe von Viren bezeichnet, die erstmals am Fluß Hanta in Korea während des Krieges in den fünfziger Jahren bei mehr als 3000 Soldaten identifiziert wurden. Hantaviren waren aber auch die Ursache des sogenannten Schlammfiebers, an dem 1942 mehr als 10 000 finnische und deutsche Soldaten erkrankten. Zur Zeit sind in China und Korea jährlich bis zu 150 000 Zivilpersonen Opfer von Infektionen mit diesen Viren, deren Subtypen – benannt nach dem Ort der ersten Beobachtung (Hanta, Puumala, Seoul, Dobrava, Sin Nombre oder Tula) inzwischen auch in Südosteuropa und in Deutschland anzutreffen sind. Die letzte bekannt gewordene Seuche trat bei Soldaten im Bosnienkrieg auf.

Übertragen werden die Viren durch Mäuse, wobei jeder Virustyp von einer anderen Mäuseart über deren Ausscheidungen verbreitet wird. Deshalb treten Hantavirusinfektionen bevorzugt bei Personen auf, die im Freien leben wie Soldaten, oder bei Arbeitern in Land- und Forstwirtschaft. Erkrankungen zeigen sich als Nierenversagen (In der Fachsprache als „haemorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) bezeichnet.Das heißt die Kranken haben plötzlich hohes Fieber und klagen über starke Rücken-, Kopf-, und Bauchschmerzen. Es kommt zur Vergrößerung der Leber und zum Versagen der Nierenfunktion. Wegen des geringen Bekanntheitsgrades von Hantavirusinfektionen unter Ärzten in Europa werden die Erkrankungen sogar mit Blinddarm- und mit Leberentzündung verwechselt oder als „Nierenversagen unklarer Herkunft“ oder schwere Grippe verkannt. An Hantaviren zu denken, führt auf die Spur der richtigen Diagnose. Wissenschaftler der Charité um Helga Meisel vom „Institut für Virologie“ haben jetzt in der Zeitschrift „European Journal of Clinical Microbiology and Infectious Diseases“ ((Eur J Clin Microbiol Infect Dis 17 [1998] 884-885) den ersten Fall einer Hantavirusinfektion des Typs Dobrova in Deutschland publiziert. Bisher war nur der harmlosere Typ Puumala bekannt. Infektionen mit Typ Debrova, der vor allem in Südosteuropa durch die Gelbhalsmaus verbreitet wird, verlaufen in etwa 10 % der Fälle tödlich. Eine ursächliche Behandlung existiert nicht.

In der Charité wurden im letzten Sommer Blutproben eines 19 Jahre alten Mannes aus einer ländlichen Region Ostdeutschlands untersucht. Der Mann war mit Fieber von 39 Grad Celsius, Schüttelfrost, Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen sowie schwerem Durchfall und Übelkeit in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Sehr rasch entwickelte sich ein akutes Nierenversagen, das erst nach Tagen beherrscht werden konnte. Der Patient überlebte und konnte zwei Wochen später entlassen werden, nachdem seine Beschwerden mit Ausnahme einer Vergrößerung der Leber verschwunden waren. Im Labor waren zunächst Antikörper gegen Hantaviren im Blut des Kranken nachgewiesen worden. Weitere Spezialtests ergaben dann, daß es sich um den Typ Dobrova der Hantaviren handelte. Die speziellen Nachweisverfahren dürfen nur in Labors der Sicherheitsstufe III (von IV möglichen) erbracht werden. Ein solches Labor, das den Umgang mit den potentiell höchst gefährlichen Viren erlaubt, existiert seit kurzem am Institut für Virologie der Charité. Es ist bisher das einzige in Deutschland, das Tests zum Nachweis von Hantaviren durchführt, und steht selbstverständlich, wie Frau Dr. Meisel sagt, jedem Arzt, bzw. jedem Krankenhaus, das einen entsprechenden Verdacht hegt, zur Verfügung. Tatsächlich wird die Möglichkeit der Diagnostik an der Charité schon von zahlreichen auswärtigen Ärzten genutzt. Dabei haben sich bisher alle Hantavirusinfektionen, die diagnostiziert werden konnten ( bisher etwa ein Dutzend) als vom Typ Dobrova erwiesen.

Ökologische Bedingungen, die die Vermehrung von Mäusen begünstigen, aber auch der Tourismus, dürften zukünftig zu stärkerer Verbreitung dieser bisher noch wenig bekannten Keime beitragen.

Charité; AUS DER MEDIZIN FÜR DIE MEDIEN Nr. 3 / 1999 Pressereferat-Forschung Dr. med. Silvia Schattenfroh Augustenburger Platz 1 13353 Berlin

Anmerkung: Die Arbeit ist soeben erschienen, obwohl die Zitierstelle auf das Jahr 1998 verweist. Das hat verlagstechnische Gründe. (S.Sch.)

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