Echinacea: Wirkungslos in Veterinär- und Humanmedizin
München (aho) – Seit vielen Jahren werden Echinacea-Produkte (Sonnenhut / Echinacea purpurea) sehr erfolgreich zur Stärkung des Immunsystems bei Menschen und Tieren vermarktet. Eine Untersuchung am Institut für Tierschutz, Verhaltenskunde und Tierhygiene der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München sollte klären, ob Echinacea den Immunglobulinstatus von neugeborenen Ferkeln in den ersten Lebenswochen verbessern kann. Eine hohe Immunglobulin-Konzentration (IgG- und IgA) führt zu geringerer Krankheitsanfälligkeit und lässt damit Rückschlüsse auf das Befinden der Tiere zu. Zudem sollte der Einfluss einer Echinacea-Fütterung auf die Entwicklung der Ferkel nach dem Absetzen untersucht werden. Die Ferkel wurden am 22. Tag von der Mutter getrennt. Danach wurde der Wurf in zwei Gruppen eingeteilt. Der Versuchsgruppe wurde bis zum 77. Lebenstag Echinacea verfüttert, die andere Gruppe diente als Kontrollgruppe, die kein Echinacea erhielt. Für den Versuch wurden nur die oberirdischen Teile der Pflanze als Grünmehl verwendet, da sich die Wurzel als Futtermittel nicht eignet.
Die Ergebnisse waren ernüchternd. Sie zeigten keinen Einfluss von Echinacea auf die IgG-Immunglobulin-Konzentration. Zudem brachte die Echinacea-Fütterung viele Nachteile mit sich. In der 1% Echinacea-Pelletfütterung konnte ein negativer Effekt von Echinacea auf den IgA-Status ermittelt werden. Nach Meinung der untersuchenden Tierärztin wäre es möglich, dass es sich hier um einen Langzeiteffekt bei der Anwendung Echinacea purpurea handelt. Die Gewichtszunahmen der Ferkel entwickelten sich bei einem hohen Gehalt (5%) an Echinacea schlechter, was durch den bitteren Geschmack begründet sein kann. Ebenso konnten die Konzentration des Stresshormons Kortisol um den Absetzzeitpunkt nicht durch Echinacea beeinflusst werden.
Abschließend folgert die untersuchende Tierärztin, dass Echinacea purpurea unter den getesteten Bedingungen (optimale Haltung der Ferkel) keine positiven Auswirkungen auf den Immunglobulinstatus bei Ferkeln in den ersten Lebenswochen hat. Somit scheint Echinacea nicht sinnbringend in der Ferkelaufzucht eingesetzt werden zu können (1).
Zu ähnlichen Ergebnissen kamen bereits Veterinärmediziner der Iowa State University in Ames (USA). Auch hier gelang es nicht, dass Immunsystem von Ferkeln mit dem angeblichen Immunsystemstimulans Echinacea anzuregen. In Vergleich zu einer Kontrollgruppe konnte Echinacea den Krankheitsverlauf bei mit dem PRRS-Virus infizierten Ferkeln nicht beeinflussen. Es konnten keine Unterschiede bei den Tageszunahmen, Futterverwertung und der Immunantwort festgestellt werden. (2)
Echinacea-Präparationen scheinen auch bei Menschen den Verlauf einer Erkältung im Vergleich zu einer Placebobehandlung nicht zu beeinflussen (4). In einer placebokontrollierten randomisierten Studie unter der Leitung von Bruce Barrett von der Universität in Wisconsin, USA, erhielten 148 Studenten mit einer beginnenden Erkältung entweder Kapseln mit getrocknetem Extrakt von Echinacea purpurea (oberirdische Teile mit Wurzel) und Echinacea angustifolia (nur Wurzel) oder ein Placebo.
Bei Kindern zwischen zwei und elf Jahren scheint die Behandlung von Infektionen der oberen Atemwege mit Echinacea purpurea wirkungslos zu sein (3). Dies ist das Ergebnis einer randomisierten placebokontrollierten Studie, in der Daten von 407 Kindern ausgewertet wurden. Ein Kind wurde innerhalb von vier Monaten maximal dreimal mit Echinacea oder Placebo aufgrund einer Infektion des oberen Respirationstraktes behandelt. So konnten 337 Echinacea- und 370 Placebobehandlungen miteinander verglichen werden. Zwischen den beiden Therapiearmen wurde hinsichtlich der Krankheitsdauer und -schwere kein Unterschied festgestellt, fasst der Studienleiter, James Taylor vom Child Health Institute der University of Washington in Seattle, USA, die Ergebnisse zusammen.
Auch der Krankheitsverlauf war bei allen untersuchten Kindern vergleichbar. Lediglich Hautausschläge traten bei den mit Echinacea behandelten Probanden häufiger (7,1 Prozent) auf als bei Placebobehandlung (2,7 Prozent). Andere unerwünschte Wirkungen wie Juckreiz, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerz und Schwindel waren in der Echinacea-Gruppe zwar häufiger, der Unterschied war aber nicht signifikant.
Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die ein Verbot der Echinacea-Präparate wegen bewiesener Unwirksamkeit und erheblicher Nebenwirkungen (massive anaphylaktische Reaktionen) fordern.
Quellen:
(1) Lang, Eva Einfluss einer Echinacea-Fütterung auf Immunstatus und Verhalten bei Ferkeln in den ersten Lebenswochen Inaugural-Dissertation; Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, 2004
(2) Hermann JR, Honeyman MS, Zimmerman JJ, Thacker BJ, Holden PJ, Chang CC. Effect of dietary Echinacea purpurea on viremia and performance in porcine reproductive and respiratory syndrome virus-infected nursery pigs. J Anim Sci. 2003 Sep;81(9):2139-44
(3) Taylor JA, Weber W, Standish L, Quinn H, Goesling J, McGann M, Calabrese C: Efficacy and safety of Echinacea in treating upper respiratory tract infections in children. JAMA 2003; 290: 2824-2830.
(4) Bruce P. Barrett, Roger L. Brown, Kristin Locken, Rob Maberry, James A. Bobula, and Donn D’Alessio Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial Ann Intern Med 2002; 939-946, 1001-1002
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