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Importhunde: Vorwürfe gegen das Tierheim Münster haben sich erhärtet

Darmstadt / Münster (aho) – Das Tierheim Münster (Hessen) steht weiter im Fokus des Kreis-Veterinäramts Darmstadt. Die Beweise verdichteten sich, dass die Münsterer Tierschützer spanische Hunde illegal einführten und gewinnbringend weitervermittelten und dazu falsche Pässe benutzten, erklärte Amtstierärztin Christa Wilczek jetzt dem „Darmstädter Echo“.

Auch von Verstößen gegen die Binnenmarkt-Tierseuchenschutzverordnung und gegen Anordnungen des Veterinäramts ist weiterhin die Rede. „Die Ermittlungen sind noch nicht fertig“, sagte die Veterinärin der Zeitung im Interview. Sie habe aber Zeugen an der Hand, die zur Aussage bereit wären.

Tierheimleiterin Beate Laudien hat laut Bericht bislang alle Vorwürfe der Behörde als falsch bezeichnet. Für eine Stellungsnahme verweist sie auf Rechtsanwalt Thomas Amann von der Frankfurter Kanzlei Kudera und Partner. Der spracht gegenüber der Zeitung von einem Imageschaden für das Münsterer Heim, da ehrenamtliche Tierschützer, die sich im guten Glauben für das Wohl der Tiere engagieren, nun wegen vermeintlicher Fehler in der bürokratischen Abwicklung dem Vorwurf einer Ordnungswidrigkeit ausgesetzt sehen. Und das, obwohl „vor einem Bußgeldbescheid wegen einer Ordnungswidrigkeit die Verantwortlichen gehört werden müssten“. Amman versteht nicht, warum das für die Beteiligten belastende Verfahren so lange dauert: „Was gibt es da noch groß zu ermitteln, wenn alle Vorwürfe schon im Raum stehen?“ Zunächst gelte es aber abzuwarten, „ob und wie die Behörde vor dem Hintergrund des Informationsgehaltes einer Einlassung die Angelegenheit weiter verfolgt“.

Ganz anders sieht das die Amtstierärztin: Nach ihrer Darstellung hat die Durchsuchung des Tierheims mit Erlaubnis des Amtsgerichts Dieburg weiteres möglicherweise belastendes Material gebracht: Beschlagnahmt wurden Unterlagen mit gesundheitlichen Tests der Hunde, Tieraufnahme- und Abgabeverträge sowie Krankheitsbefunde.

Amtstierärztin Christa Wilczek geht nach wie vor davon aus, dass spanische Hunde als deutsche Tiere deklariert und vermittelt worden sind. Auch seien einige Tiere krank an ihre neuen Familien abgegeben worden, heißt es in der Zeitung.

Über mögliche Strafanzeigen sagte sie nichts, statt dessen warb sie um Verständnis für ihr Engagement: „Ich habe nichts gegen südländische Tiere, jeder kann sich einen Hund in Spanien holen.“

Nicht akzeptabel sei aber, dass ein öffentliches Tierheim in Deutschland sich zur Börse für ausländische Hunde entwickele. Schließlich arbeite die Einrichtung mit öffentlichem Geld.

Ihren Vorwurf des Hundehandels begründet Wilczek gegenüber der Zeitung damit, dass „in gezielter, organisierter Art und Weise Tiere in deutlicher Anzahl ins Heim gelangen und dort weiterverkauft werden.“ Der Preis von 200 Euro pro Hund übersteigt jedoch kaum die Tarife anderer Tierheime.

„Fast am schlimmsten an der ganzen Sache“ findet Wilczek, dass im Tierschutz „unheimlich mit Emotionen gearbeitet wird“. Mit Blick auf den Hundeimport aus Spanien wird sie in der Zeitung mit der Forderung zitiert: „Wir müssen von diesem furchtbaren Rettungsdenken wegkommen.“ Denn das verharmlose auch mögliche Gefahren: Mit dem Import „tausender spanischer Hunde deutschlandweit“ nehmen Krankheiten wie die Leishmaniose stark zu. Als Zoonose sei sie auf Menschen übertragbar.

„Das ist es, was ich anprangere: Tierschutz muss realistisch sein und Tierheime müssen eine ehrliche Arbeit leisten“, so Wilczek gegenüber der Zeitung. Deshalb sei es unumgänglich, dass Hundefreunde erfahren, ob ihr neuer Schützling möglicherweise aus dem Ausland stammt – was aber im Münsterer Heim bisweilen versäumt worden sei.

Und es gibt noch ein Problem: Einige spanische Hunde zeigen nach Angaben Wilczeks in Deutschland oft Verhaltensstörungen. „Die Tiere sind nicht mit Menschen sozialisiert worden, sondern im Rudel“. Hier angekommen, erlitten sie einen Kulturschock. Alles sei ungewohnt, und sie kauerten sich in eine Ecke, weil sie kein Leben im Haus kennen. „Die Tiere sind gestresst und erleben ein von Menschen verursachtes Leid. Diesen Wesen ist leider kaum zu helfen.“

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