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„Schließung überfällig“: Tierhandel unter dem Deckmäntelchen des Tierschutzes

Offenburg / Hornberg (aho) – Nachdem das Dezernat für Ordnung, Gesundheit und Verbraucherschutz im Ortenaukreis der Tierherberge „Pro Animale“ in Hornberg-Reichenbach am 22.07.2008 die Betriebserlaubnis entzogen hat, werden jetzt weitere Details bekannt.

Dezernatsleiter Michael Loritz wurde im Gespräch mit dem Offenbacher Tageblatt nun wesentlich deutlicher als die Pressemitteilung des Landratsamtes.

Die Schließung sei vor allem unausweichlich wegen der „Unzuverlässigkeit der verantwortlichen Person“, die, so sagte er der Zeitung, „nicht in Hornberg sitzt“. Das Büro des gemeinnützigen Vereins „Pro Animale“ liegt in Schweinfurt. Wie lange sich der Verein jedoch noch gemeinnützig nennen darf, ist aufgrund der schweren Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, in Frage gestellt.

Über Jahre hinweg seien Hunde, darunter auch hunderte aus dem asiatischen Raum, gegen die Vorschriften eingeführt und gegen festgesetzte Spenden vermittelt worden, „und das im ganz, ganz großen Stil“, machte Loritz deutlich, dass es für ihn da nicht um Tierschutz, sondern um Tierhandel gehe. Zumal 50 Prozent der Hunde jünger als ein Jahr waren: „Hübsche Welpen, die einen lieb angucken, lassen sich eben besser vermitteln“

Zudem habe man Tieren eine andere Vita gegeben – „da wird eben schnell mal aus einem taiwanesischen Hund ein Fundhund aus Deutschland“, so Loritz gegenüber dem Blatt. Zur Zuverlässigkeit der vorgeschriebenen Impfungen betonte er: „Jemand, der versucht, die Vita von Tieren zu fälschen, dem darf man gar nichts mehr glauben“.

Ungereimtheiten in den Bestandsbüchern hätten zu den Ermittlungen geführt. Als 2004 die EU-Vorschriften zur Einführung von Tieren für Privatpersonen gelockert wurden, sei die Vermittlung von Hunden bei Pro Animale um mehr als das Dreifache in die Höhe geschnellt. „Da hat eine extrem rege Fliegertätigkeit eingesetzt, die mit der privaten Einfuhr von Tieren rein gar nichts mehr zu tun hat“, sprach Loritz von „Aktivisten“ (Pro Animale nennt es „Tierpaten“), die die Tiere aus Spanien, Osteuropa und Asien ins Land brachten, um sie hier gegen Spenden zu „verkaufen“. Mit gemeinnützigem Tierschutz habe dies nichts mehr zu tun.
Die Platzprobleme wären durch die große Anzahl der Tiere, die hier „durchgeschleust wurden“, gravierend geworden, erklärte Loritz dem Blatt.

Die Staatsanwaltschaft Offenburg bestätigte der Zeitung, dass sie nicht nur wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, sondern auch gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt.

Tierärzte erheben schwere Vorwürfe

Die Tierärzte der Region sprechen eine deutliche Sprache zu „Pro Animale“ – jeder einzelne betonte im Gespräch mit dem Offenburger Tageblatt, dass er zu seinen Aussagen stehe, dass er jedoch nicht öffentlich mit Namen genannt werden wolle, weil „Fanatiker gefährlich seien“. „Es ist gut, wenn jemand etwas mit Herz und Verstand tut, doch Fanatiker schalten den Verstand aus“, wird einer der Tierärzte in der Zeitung zitiert. Nach den Recherchen haben sich die Tierärzte in der Tierherberge die Klinke in die Hand gaben. „Die hatten einen florierenden Wechsel, immer der Willigste hat’s gemacht“. Oft seien auch sehr junge Tierärzte mit der Behandlung der Tiere aus Osteuropa schlichtweg überfordert gewesen.

Einig waren sich alle vier Tierärzte, die von der Zeitung zu „Pro Animale“ befragt wurden, zu deren „höchst fragwürdigen Ideologie“. Grundsätzlich gebe es nichts zu sagen gegen die Rudelhaltung von Hunden, „doch es gibt Probleme, wenn dafür kein geschultes Personal zur Verfügung steht“, berichteten zwei Tierarzte dem Offenburger Tageblatt, die angeblich selbst Hunde, die sich gegenseitig zerfleischt hatten, verbluten sahen. Doch solche Dinge seien stets unter den Teppich gekehrt worden. Vor allem aber die Katzenhaltung bei Pro Animale sei „verheerend“ gewesen. Drei Tierärzte im Kinzig-, Gutach- und Elztal berichteten der Zeitung von mehreren vermittelten Katzen, die an unheilbaren, sehr ansteckenden Krankheiten wie „FIP“ oder Parvovirose erkrankt waren und eingeschläfert werden mussten.

„Katzen sind keine Rudeltiere“, einer der Tierärzte sprach gar von einem „Katzen-KZ“. Bei Pro Animale habe man schönfärberisch von „Integration“ geredeten, „in Wirklichkeit war das eine Integration in den Tod“. Alle Tierärzte, die das Offenburger Tageblatt zu „Pro Animale“ befragt hatte, sahen die Schließung der Tierherberge als „überfällig“ an.

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