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BARFen – aber richtig! Bundestierärztekammer warnt vor Fehlern bei der „angesagten“ Rohfütterung

hund_knochen_01Berlin (BTK) – „Bio“ ist in, keine Frage. Und was für die menschliche Ernährung gilt, das gilt für seinen besten Freund in besonderem Maße. So verwundert es kaum, dass seit einigen Jahren das sogenannte BARFen, also die Biologisch‐Artgerechte RohFütterung (ganz korrekt Bones And Raw Foods) von Hunden ziemlich angesagt ist und mittlerweile von immer mehr Hundehaltern als das Non‐Plus‐Ultra gepriesen wird. Doch ist das auch aus tierärztlicher Sicht wirklich der Königsweg?

„Einen Hund mit selbst zusammengestelltem Futter ausgewogen zu ernähren ist natürlich möglich. Doch erfordert dies auch eine intensive Beschäftigung mit dem Thema: Der unterschiedliche Gehalt an für den Hund notwendigen Nährstoffen in den einzelnen Futtermitteln muss berücksichtigt und ausgeglichen werden. Das ist selbst mit handelsüblichen Ergänzungen nicht ganz einfach, da der Energie‐ und Nährstoffbedarf von Alter, allgemeinem Gesundheitsstatus, körperlicher Belastung und weiteren Faktoren abhängig ist. Passt die Zusammenstellung nicht, besteht die Gefahr einer Unter‐ oder Überversorgung“, erklärt Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer.
Um die wirklich bedarfsgerechte Versorgung mit Energie, Eiweiß, ungesättigten Fettsäuren, Mineralstoffen und Vitaminen zu gewährleisten, reicht es also nicht, dem Hund rohes Fleisch, Knochen und Gemüse vorzusetzen. Hauptbestandteil von Fleisch ist Eiweiß, doch sind Mineralstoffe wie Kalzium, Natrium und verschiedene Spurenelemente nicht bedarfsdeckend enthalten. Ein Kalziummangel kann zu Störungen des Knochenstoffwechsels führen, ein Jodmangel beeinträchtigt die Schilddrüsenfunktion, ebenso wie eine Jod‐Überversorgung bei Fütterung von Schlund. Auch die für die Verdauung nötigen Ballaststoffe, die in pflanzlichen Fasern enthalten sind, müssen durch entsprechende Futterkomponenten zugesetzt werden.

Unbedingt beachtet werden sollte auch, dass bei der Fütterung von rohem Fleisch die Gefahr der Übertragung krankheitsauslösender Viren, Bakterien oder Parasiten besteht. Tiedemann: „So kann vor allem rohes Geflügelfleisch Träger von Salmonellen und Campylobacter‐Bakterien sein, die auch für den Menschen gefährlich sind. Durch rohes Schweinefleisch können die viralen Erreger der Aujeszkyschen Krankheit übertragen werden, die für den Hund immer tödlich ist.“ Deutschland ist seit 2003 zwar offiziell frei von der sogenannten Pseudo‐Wut, doch sollte rohes Schweinefleisch dennoch nicht gefüttert werden.

Vorsichtig muss man auch mit der Verfütterung von Knochen sein, die ja beim BARFen einen bedeutenden Anteil des Futters ausmachen. Ein Zuviel an Knochen führt leicht zu schweren Verstopfungen. Splitternde Knochen oder scharfkantige Knochenstücke haben oft Verletzungen im Maul und Rachenraum oder im Magen‐ und Darm‐Trakt zur Folge.

Wer also Hund oder Katze „biologisch‐artgerecht“ (wobei sich über diesen Begriff durchaus auch streiten lässt!) füttern will, sollte sich auf jedem Fall vom Tierarzt beraten lassen! Nur so kann eine dem Alter, dem Gesundheitszustand und der körperlichen Beanspruchung des Tieres angemessene optimale Ernährung gewährleistet werden.

7 Kommentare, Kommentar oder Ping

  1. Brigitte

    Ein Tierarzt kann selten eine Futterberatung vornehmen. Dies läßt in den meisten Fällen weder die Zeit zu, noch läßt es die Ausbildung zu. Das ist keine Schande.
    Eine Schande ist es allerdings, wenn Tierärzte ganz verhement gegen Rohfütterung wettern, wahre Horrorszenarien in den schillerndsten Farben darbieten und im selben Atemzug auf das Futter verweisen, welches sie in ihrer Praxis vertreiben und welches einen nicht unerheblichen Teil des Umsatzes ausmacht.
    Wer sich an das Thema „Rohfütterung“ herantrauen möchte, sollte sich für seinen Hund bei einem Ernährungsberater für Hunde informieren und einen – auf den Hund abgestimmten Ernährungsplan – erstellen lassen.
    Es gibt hervorragende Literatur zum Thema, wie z.B. „Das BARF-Buch“ von Nadine Wolf.
    Und wer wissen möchte, was es mit dem Fertigfutter so auf sich hat, der sollte sich das sehr gut recherchierte Buch „Katzen würden Mäuse kaufen“ zu Gemüte führen.

  2. Der von BRIGITTE geschriebene Beitrag ist völlig richtig, präziser und richtiger hätte ich es nicht schreiben können. Mögen es viele Hundehalter beherzigen!

  3. U. B.

    Wer seinen Hund roh füttern möchte, kann das auch von mir aus gerne tun. Allerdings sollten auch die Roh-Fütterer etwas mehr Toleranz an den Tag legen, wenn es Menschen gibt, die diese Fütterung nicht praktizieren möchten, weil sie es sich entweder nicht zutrauen oder aber es einfach nicht in den Alltag integriert bekommen.

    Diese Diskussion zwischen Fertigfutter-Fütterern und Roh-Fütterern erinnert doch sehr stark an die leidige Diskussion zwischen Fleischkonsumenten und Vegetariern/Veganern.

    Jeder bitte so, wie er mag!

    Und warum hat der Tierarzt kein Recht, mit Futter Geld zu verdienen? Ernährungsberater verdienen doch auch mit dem Anpreisen der Rohfütterung Geld.

  4. Tierärzte und Tier-Ernährungsberater können auch sehr gut zusammen arbeiten.
    Dann kann der Tierarzt eine Futterberatung guten Gewissens in kompetente Hände geben und sogar BARF-Vorträge in der eigenen Praxis anbieten – das geht und funktioniert sogar prächtig.
    Umgekehrt kann der Tier-Ernährungsberater Tiere, bei denen es angeraten ist, zum Tierarzt des Vertrauens schicken.

    So kann man Hand in Hand zusammen arbeiten, die unterschiedlichen Ausbildungen und Erfahrungen können sich super ergänzen – Fütterungsfehler werden vermieden, Tierärzte können sich auf ihr Hauptgebiet konzentrieren und Ernährungsberater wissen, wohin sie ihre Kunden schicken können.

    Einfach über den eigenen Tellerrand schauen und aufeinander zugehen – win-win-Situation für alle Beteiligten und vor allem für die, um die es letztendlich geht – die Tiere!

  5. Dass der Titel dieses Artikels „Barfen – aber richtig“ lautet, ist dabei sicher ein lustiger Zufall – oder?

    Siehe hier:

    https://www.facebook.com/TierarztpraxisHerzogstrasse/posts/1106415139452048

  1. www.asgard.gr.jp - Dez 10th, 2016

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