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Dioxin-Freilandeier: „eine unheilige Allianz des Wegschauens und Vertuschens“

Hamburg (aho/lme) – In mehreren Bundesländern sind nach Informationen von „Bild am Sonntag“ (BamS) Freilandeier verkauft worden, die mit überhöhten Mengen des als krebserregend geltenden Giftes Dioxin belastet waren. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Ehlen (CDU) sagte der Zeitung: „Wir befürchten Rückruf- und Vernichtungsaktionen von belasteten Eiern.“ Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne), die sich seit Jahren für die Freilandhaltung von Legehennen einsetzt, fordert die Verantwortlichen zu raschem Handeln auf. Lange habe sie in Brüssel für die Einführung des Dioxin-Grenzwerts gekämpft. Künast zu BamS: „Die Länder müssen kontrollieren, kontrollieren, kontrollieren. Und wenn sie erhöhte Werte feststellen, müssen sie das Produkt vom Markt nehmen. So klar ist das!“

Der Agrarexperte der FDP Goldmann sprach von einer „unheiligen Allianz des Wegschauens und Vertuschens. Es müssen sofort alle Eier aus Freilandhaltung auf Dioxine untersucht und notfalls aus dem Verkehr gezogen werden.“

Auch Vertreter der Öko-Landwirtschaft wissen seit langer Zeit bescheid, haben aber ihre Kunden bisher nicht informiert. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft, räumt ein: „Wir haben es mit einem Umweltproblem zu tun, das uns bewusst ist.“

Für Baden-Württemberg teilt das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg nach Stichproben mit: In den vergangenen vier Jahren enthielten sieben Prozent aller Bio- und Freilandeier, die in den Handel gelangten, zuviel Dioxin. Die EU erlaubt bis zu drei Pikogramm Dioxin pro Gramm Fett, also drei Billionstel Gramm. Dagegen ermittelte das Freiburger Amt, das landesweit kontrolliert, Spitzenwerte von bis zu 16,5 Pikogramm – gemessen in einem Betrieb nördlich von Ulm im Jahr 2003.

In der Stadt Kehl sorgten laut BamS Dioxin-Funde in Freilandeiern zum Jahreswechsel für Wirbel. Die Kontrolleure nahmen dort bei kleineren Betrieben 18 Proben – 8 davon enthielten deutlich überhöhte Giftmengen von 4,3 bis 22,2 Pikogramm Dioxin. Ein betroffener Landwirt verzichtete daraufhin auf den Verkauf seiner Freilandeier. Amtsleiter Roland Renner zu BamS: „Das Problem ist nicht auf Kleinbetriebe beschränkt.“

Offiziell wiegelt das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart ab. Ein Sprecher: „Das sind nur Einzelfälle, das ist ein Randthema.“ Doch hinter den Kulissen herrscht Alarmstimmung. Minister Willi Stächele (CDU) ordnete nach BamS-Informationen ein Kontrollprogramm an. Ein Insider: „In großem Stil werden ab Frühjahr Freilandbetriebe überprüft.“

Aus vielen Bundesländern gibt es keine Befunde, weil dort nicht kontrolliert wird. Doch reicht das Problem weit über Baden-Württemberg hinaus. In Bayern ergaben Messungen, dass in den vergangenen beiden Jahren mehr als 20 Prozent der Freilandeier den Dioxin-Grenzwert der EU überschritten! In Niedersachsen lagen sogar 28 Prozent der Freilandeier über den zulässigen 3 Pikogramm Dioxin!

Die Freilandhühner nehmen die Dioxin-Gifte durch ständiges Picken aus dem Boden auf. Deshalb schneiden Eier von Käfighühnern in allen Tests der Länderbehörden besser ab: Sie liegen nach BamS-Informationen zu mehr als 99 Prozent unter dem EU-Grenzwert. Generell ist die Dioxin-Belastung bei Freilandeiern um das 2,5fache höher als bei Eiern aus Käfighaltung.

Seit 1. Januar gilt der Dioxin-Grenzwert der EU für Nahrungsmittel auch für Freilandeier. Sie waren als einziges Lebensmittel ausgenommen, weil eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten eine bereits beschlossene Regelung außer Kraft setzte.

Nach Recherchen der BamS bei Tierärzten ist die Dioxin-Belastung in Holland und Belgien noch dramatischer als in Deutschland. In der Region Antwerpen wurde bei Freilandeiern ein durchschnittlicher Dioxinwert von 9,9 Pikogramm ermittelt – mehr als dreimal so hoch, wie die EU erlaubt. In den %url4%Niederlanden liegen 26 Prozent der untersuchten Eier über der zulässigen Grenze.%/%

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