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Vergammeltes Rindfleisch

Baden-Baden (lme) – In Deutschland ist nach Recherchen des SWR-Wissenschaftsmagazins „Odysso“ verdorbenes Rindfleisch illegal auf den Markt gelangt. Das Fleisch wurde durch den Keim Clostridium estertheticum verdorben. Wie viel Gammelfleisch auf den Markt gekommen ist, lässt sich daher derzeit noch nicht abschätzen.

Clostridium estertheticum wurde Ende der 80er Jahre erstmals beschrieben und als Verursacher der sogenannten „blown-pack spoilage“ identifiziert. Dies bezeichnet im englischen Sprachgebrauch den Verderb vakuumverpackter, gekühlter Fleischwaren unter Produktion von zum Teil erheblichen Mengen Gas, was zum Aufblähen der Verpackung (Bombage) führt. Zudem treten starke unangenehme Gerüche auf, die von dem üblichen leicht säuerlichen Geruch von vakuumverpacktem Fleisch deutlich abweichen und als schwefelig oder faulig beschrieben werden. Bezeichnend für den Verderb mit psychrophilen Clostridien ist außerdem, dass die betroffene Ware in der Regel keiner Unterbrechung der Kühlhaltung ausgesetzt war, wie es bei morphologisch ähnlichen Fällen von Verderb durch kältetolerante Vertreter der Enterobac-teriaceae meist der Fall ist. Der Eintrag von C. estertheticum in vakuumverpackte Fleischwaren erfolgt sehr wahrscheinlich im Schlachthof durch Kontamination der Schlachtkörper mit Sporen. Als Hauptkontaminationsquelle wurden Tierhäute identifiziert. Auch in Kot- und Bodenproben konnten die Organismen nachgewiesen wer-den, und es wird angenommen, dass sie ursprünglich aus der Umgebung der Schlachttiere vom Boden, dem Futter oder Pflanzenoberflächen stammen (1).

„Wir haben ganz klare Hinweise dafür, dass dieses Fleisch wieder in den Verkehr gelangt, dass umverpackt und umettiketiert wird“, erklärt der Mikrobiologe Prof. Manfred Gareis vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Kulmbach gegenüber „Odysso“.

Noch ist ungeklärt, ob von diesem speziellen Clostridien-Keim Gesundheitsgefahren ausgehen. Das Bundes-Verbraucherschutzministerium hat aufgrund der SWR-Recherchen eine Risikobewertung in Auftrag gegeben, deren endgültige Ergebnisse noch ausstehen. In einer ersten Einschätzung heißt es: „Sollte (…) ein Verzehr stattfinden, so ist nach der Einschätzung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) das Risiko einer gesundheitlichen Beeinträchtigung für den Menschen als unwahrscheinlich anzusehen.“ Da aber viele Clostridien-Arten starke Gifte bilden, mahnt Fleischexperte Gareis, das Bakterium nicht zu unterschätzen, so das Magazin in einer Vorabinformation.

(1) Ziegler, E., Hechelmann, H.-G., Gareis, M.
Keime, die aus der Kälte kommen: Clostridium estertheticum in vakuumverpacktem Rindfleisch
43. Kulmbacher Woche, 6.-7. Mai 2008

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  1. Uba Nezer

    Hallo Dr. Stein,

    das in SWR beschriebene „Problem“ ist seit über 20 Jahren bekannt; seitdem es vakuumverpacktes Fleisch gibt. Zudem einen Filmbeitrag auf der Basis einer Doktorarbeit zu drehen, also mit veralteten Daten einen Skandal zu konstruieren, ist mehr als peinlich: für die Journalisten und das MRI Kulmbach. Die Doktorandin oder das MRI hätten spätestens seit Bekanntwerden der Daten die Behörden informieren müssen – und nicht erst drei Jahre später in der Sommerpause.
    Schmierenjournalismus. Das Ihr Portal das aufgreift ist bedauerlich!

    Uba

Reply to “Vergammeltes Rindfleisch”

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