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40. Lebensmittelchemikertag: Lebensmittelsicherheit im Zeitalter der Mediengesellschaft

(idw) „Der Dioxin-Fall vom Januar 2011 hat es deutlich gezeigt: Auch wenn
eine Kontamination mit einem sicherlich unerwünschten Schadstoff in einem
Futter- bzw. Lebensmittel weit unterhalb einer toxikologisch relevanten
Grenze liegt und selbst das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in
einer schriftlichen Stellungnahme im Internet für alle sichtbar darlegt,
dass keine gesundheitliche Relevanz aus einer Kontamination besteht, sind
diese Feststellungen nicht notwendigerweise ein Grund, die öffentliche
Diskussion darüber einzustellen“, so Professor Dr. Ulrich Nöhle,
Lebensmittelchemiker an der TU Braunschweig. In einem öffentlichen
Abendvortrag im AudiMax der Universität Halle-Wittenberg spricht er am 12.
September 2011 zum Thema „Zwischen Technikglaube und Paradiessehnsucht –
Lebensmittel zwischen allen Stühlen?“. Anlass für den Vortrag ist der 40.
Lebensmittelchemikertag der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, einer
Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

„Je nach „medialer Auslastung“ mit auflagensteigernden Berichten bzw.
Quotenthemen beschäftigen wir uns über mehrere Wochen mit kritischen
Fragen über eigentlich unkritische Zustände“, sagte Nöhle im Vorfeld. Die
Folge davon sei zwangsläufig, dass auch politisch Verantwortliche
Maßnahmen einleiten, die wenig später nach Vorliegen wissenschaftlicher
Erkenntnisse so nicht mehr angemessen seien und korrigiert würden. Dieses
führe zu einer Verunsicherung der Verbraucher begleitet in der Regel von
einem erheblichen betriebswirtschaftlichen Schaden der Hersteller bzw. des
Handels.

Auch der EHEC-Fall vom Mai 2011 führte zu einer Dauerverunsicherung der
Verbraucher, der Hersteller, des Handels und letztlich der Medien selbst.
Im Achtstundentakt wurden von allen Seiten einschließlich selbst ernannter
Experten neue Vermutungen der Quellen und Ausbreitungswege von EHEC
genannt und verbreitet – oft ohne klare Recherche nur basierend auf
Vermutungen, die selbst einen hessischen Bach einschlossen.

Gerade im Zeitalter der schnellen Datenübermittlung darf der Vorteil der
Geschwindigkeit der Verfügbarkeit von Informationen nicht zulasten der
Exaktheit der Inhalte gehen. Sorgfältige Analytik, abgesicherte
Recherchen, richtige Berechnungen und Bewertungen der Ergebnisse in
Verbindung mit klar abgestimmten Stellungnahmen der fachlich und politisch
Verantwortlichen sind und bleiben die Grundpfeiler der Sicherheit bei
Lebens- und Futtermitteln.

Der Geschwindigkeitsvorteil unserer vernetzten Datenwelt sollte vielmehr
genutzt werden, um möglichst effizient Rohdaten zu sammeln und zusammen zu
führen. Deshalb müsste die Vorschrift, meldepflichtige Erkrankungen u.a.
per Fax (hier gemeint anhand des EHEC-Falles 2011) mit einem Zeitverzug
von bis zu zwei Wochen weiterzuleiten, gepaart mit Kompetenzrangeleien
zwischen Bundes- und Landesbehörden, zwischen Bundesbehörden untereinander
und durchkreuzt von politischen Aussagen aller Beteiligten überdacht und
ggf. neu organisiert werden.

Unter dem Aspekt globalisierender Warenströme ist insbesondere dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass in der Zukunft mit deutlich zunehmender Tendenz
Lebensmittel, Futtermittel, Bedarfsgegenstände, Spielzeug, Textilien und
low-tech Konsumgüter aus Entwicklungs- und Schwellenländern stammen
werden. Inwieweit speziell für diese Fälle eine föderal organisierte
Überwachung auf Landesebene globale Warenströme angemessen überwachen
kann, ist kritisch zu diskutieren.

Weitere Informationen zu Ort und Zeit des Vortrags und des gesamten
Lebensmittelchemikertages unter www.gdch.de/lchtag2011.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 30.000
Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften
weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen. Mit fast 3.000
Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte
Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen
Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der
Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr
als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden,
Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen
treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in
Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

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