Leberegel - Behandlung Animal Health-Online Survey
  

Einzeltier, Herde, Umwelt

Dr. Manfred Stein, Gyhum

Eine qualifizierte Leberegelbekämpfung kann nur an Hand einer exakten Diagnose erfolgen. Hierzu werden Labor -, Sektions - und Schlachtbefunde herangezogen. Ziel muß es sein, den Befall mit großen Leberegeln frühzeitig zu diagnostizieren und mit Arzneimitteln zu behandeln. Hierdurch werden die Leberschäden und Leistungsdepressionen auf ein Minimum begrenzt. Zudem wird so die Entwicklung erwachsener Leberegel in den Gallengängen verhindert, die durch Leberegeleier die Weiden wieder kontaminieren.

Gleichzeitig muß der Einsatz von Arzneimitteln durch weidehygienische Maßnahmen ergänzt werden. Befallene Feuchtstellen, Weiden und Gewässer. Bäche sollen durch Auszäunen (1,5 m Abstand) für Rinder und Schafe unzugänglich gemacht werden. Mit Drainagen lassen sich feuchte Weiden sanieren. Diese Maßnahmen stoßen bei naturnahen Haltungsformen in Naturschutzgebieten an Grenzen und machen nicht zuletzt aus Gründen des Tierschutzes regelmäßige Untersuchungen und zusätzliche Behandlungen mit einem Tierarzneimittel erforderlich.

Von kontaminierten Fläche sollte kein Heu gewonnen werden. Sie sollten eher durch Silierung genutzt werden. Mit Leberegeleiern kontaminierte Gülle darf nicht auf feuchte Weiden mit einem Vorkommen der Zwergschlammschnecke "Lymnaea truncatula" ausgebracht werden.

Alle drei Stadien

Die Auswahl geeigneter Arzneimittel gegen den Großen Leberegel ist in Deutschland begrenzt. Das Benzimidazol Albendazol hat in einer Dosierung von 10 mg/kg p.o. nur eine unvollständige Wirkung gegen erwachsene große Leberegel (1) in den Gallengängen. Leberegel unter sechs Wochen werden nur zu ca. 25% abgetötet. Mit Albendazol lassen sich somit keine frühen Krankheitsstadien behandeln und die Ausscheidung von Leberegeleiern wird nicht verhindert.

Das Salizylanilid Oxyclozanid - früher in Deutschland als Diplin am Markt - ist in einigen Ländern Europas weiterhin zur Anwendung an laktierenden Kühen zugelassen. Ein MRL-Wert (Rückstandshöchstwert) entsprechend der EU-Verordnung 2377 / 90 wurde festgelegt, so daß das Produkt zur Behandlung mittels einer behördlichen Ausnahmegenehmigung vom Verbringungsverbot nach § 73 Abs. 2 AMG nach Deutschland eingeführt und auch hier eingesetzt werden könnte. Die Wirksamkeit ist auf die adulten Leberegelstadien in den Gallengängen beschränkt. Junge Leberegel werden nur unbefriedigend erfaßt.

Triclabendazol, ebenfalls eine Substanz aus der Gruppe der Benzimidazole ist unter dem Namen Fasinex®* seit dem Jahr 2000 in Deutschland zugelassen. Es besteht eine gleichzeitige Wirkung gegen adulte und sehr junge Leberegel (2, 4). Fasinex®* eignet sich somit zur Behandlung der akuten und chronischen Fasciolose (3). Triclabendazol kann bei Tieren jeden Alters, auch solchen in schlechtem Allgemeinzustand und auch während der Trächtigkeit verabreicht werden. Triclabendazol ist gut verträglich. Eine einmalige orale Verabreichung von 150 - 200 mg Triclabendazol/kg Körpergewicht (entsprechend einer mehr als 10-fachen Überdosierung) kann zu unsicherem Gang, Benommenheit und reduzierter Futteraufnahme führen. Diese Erscheinungen sind nicht schwerwiegend und verschwinden nach 1 bis 5 Tagen. Die Wartezeit beträgt für eßbare Gewebe 50 Tage. Tiere, deren Milch für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, sind von der Behandlung auszuschließen.

Je früher desto besser

Es wird empfohlen, Schafe und Rinder beim oder kurz nach dem Aufstallen zu behandeln. Die Anwendung vor dem Weideaustrieb ist empfehlenswert, um die Verseuchung der Weide mit Leberegeleiern zu verhindern. Zukauftiere aus Endemiegebieten sind während der Quarantäne zu behandeln. Wird eine akute Leberegelerkrankung bei Rindern oder Schafen festgestellt, empfiehlt es sich, die ganze Herde zu behandeln. Wie entscheidend eine frühzeitige Behandlung ist, belegen Untersuchungen mit Schafen. Den Tieren wurden 200 Metazerkarien verabreicht und dann in der 2 oder 4 und in der 6 oder 8 Woche behandelt. Die Ergebnisse (Abb. 1) belegen, daß die Schafe die höchsten Gewichtszunahmen bei einer frühzeitigen Behandlung in der 2 oder 4 Woche hatten.


Vergleichbare Ergebnisse (Abb. 2) sind für Rinder dokumentiert.


Beide Versuche belegen, daß durch eine frühzeitige Behandlung einer Infektion bei gleichen Behandlungskosten deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden. Eine frühzeitige Behandlung ist in Deutschland nur mit dem Produkt Fasinex® (Novartis) zu realisieren.

Labordiagnostisch

Zu den Standard-Indikatoren im Blutplasma bei Erkrankungen der Leber zählt das Enzym Glutamat-Dehydrogenase (GLDH) und bei Erkrankung der Gallengänge das Enzym Gamma-Glutamyl-Transferase (G-GT). Die Schafe wurden mit Fasciola hepatica wöchentlich 10 bis 2 Wochen vor der Behandlung infiziert. Gruppe 1 wurde mit FASINEX® 10mg/kg oral zwei Wochen nach der letzten Infektion behandelt, Gruppe 2 wurde mit Closantel (keine Zulassung mehr in der EU) 10mg/kg oral behandelt, Gruppe 3 wurde nicht behandelt, Gruppe 4 wurde nicht infiziert. Die Enzymaktivität wurde im Plasma wöchentlich gemessen.


Abb.: 3


Abb.: 4

In der mit FASINEX® behandelten Gruppe konnte Woche für Woche eine verringerte Aktivität von G-GT und GLDH im Blutplasma festgestellt werden! Nach der Behandlung der infizierten Schafe mit FASINEX® sank die Aktivität von G-GT und GLDH auf ein normales Level wie bei den nicht infizierten Tieren. Das bedeutet, dass die Fasciolose geheilt werden konnte. In der Gruppe der infizierten Schafe, die mit Closantel behandelt wurden, fielen die Werte anfangs ebenfalls drastisch, stiegen dann jedoch wieder an und näherten sich den Werten der infizierten Tiere an, die nicht behandelt wurden. Die Untersuchungen zeigen, dass eine gute klinische Wirksamkeit nur erreicht werden kann, wenn alle drei Stadien des grossen Leberegels erfasst werden.

Literatur

    (1) Kaplan, R. M. (1994): Liver flukes in cattle: control based on seasonal transmission dynamics Compend. contin. Educ. Pract. Vet. 16, 687-693
    (2) McKellar, Q.A. u. L.D.B. Kinabo (1991): The pharmacology of flukicidal drugs Br. Vet. J. 147, 306-314
    (3) Ungemach, F.R. (1999): Anthelmintika in: W. Löscher, F.R. Ungemach u. R. Kroker: Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren. 4. Aufl. Verlag Parey, Berlin und Hamburg. S. 247-277
    (4) Boray JC, Crowfoot PD, Strong MB et al: Treatment of immature and mature Faciola hepatica infections in sheep with triclabendazole. Vet Rec 113: 315-317, 1983

*Fasinex® 10% Für Tiere: Rinder, Schafe Wirkstoff: Triclabendazol Zusammensetzung 100 ml Suspension enthalten arzneilich wirksame Bestandteile: 10 g Triclabendazol; Wirksame Bestandteile: 0,11 g Methyl-4-hydroxybenzoat, 0,04 g Propyl-4-hydroxybenzoat, 0,10 g Benzoesäure; Sonstige Bestandteile: Mikrokristalline Cellulose, Povidon, Natriummonohydrogenphosphat-Dihydrat, Gereinigtes Wasser Anwendungsgebiete: Zur Behandlung akuter, subakuter und chronischer Fasciolose, verursacht durch frühe unreife, unreife und reife Stadien des Leberegels Fasciola hepatica. Gegenanzeigen: Nicht bei Tieren anwenden, deren Milch für den menschlichen Verzehr vorgesehen ist oder in der Trockenperiode und bei trächtigen Färsen bzw. Jungschafen innerhalb von 2 Monaten vor dem Geburtstermin. Nebenwirkungen: Vereinzelt können während starker Sonneneinstrahlung bei Rindern Entzündungen der unpigmentierten Haut nach Behandlung mit Triclabendazol auftreten. Wartezeit: Rind: Eßbares Gewebe: 50 Tage Schaf: Eßbares Gewebe: 50 Tage. Nicht bei Tieren anwenden, deren Milch für den menschlichen Verzehr vorgesehen ist oder in der Trockenperiode und bei trächtigen Färsen bzw. Jungschafen innerhalb von 2 Monaten vor dem Geburtstermin. Verschreibungspflichtig

  
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