Leberegel - Entwicklungszyklus Animal Health-Online Survey
  

Entwicklung des großen Leberegels in Umwelt, Schnecke, Rind und Schaf

Von Dr. Manfred Stein, Gyhum

Der Entwicklungskreislauf des großen Leberegels (Fasciola hepatica) dauert insgesamt etwa 20 Wochen und umfaßt Entwicklungsstadien in der Umwelt, im Zwischenwirt "Schnecke" und im Endwirt. Der Parasit kann als Endwirt neben Rindern und Schafen auch Menschen, Pferde, Ziegen, Wildtiere, Wildkaninchen und Schweine befallen. Diese Tiere können daher als Überträger fungieren. Die Infektion der Rinder und Schafe erfolgt überwiegend im Sommer und Herbst auf der Weide, kann aber auch durch belastetes Futter im Stall erfolgen.


Abb.: Entwicklungszyklus des Leberegels (Fasciola hepatica).

Die von einem erwachsenen (adulten) Leberegel im Gallengangsystem des Endwirtes (Rinder, Schafe) abgelegten Eier gelangen mit dem Kot in die Umwelt. Fasciola hepatica ist ein Saugwurm, 2,5 bis 3 cm lang und 1,3 cm breit, braun, Lorbeerblatt-förmig.


Abb.: Ei von Fasciola hepatica, 140 x 80µm, goldgelb, granuliert, Deckel

Die Eier überleben in Jauche, Kot und Gülle zwei bis sechs Monate. In Stapelmist, der sich auf 50 °C erhitzt, weniger als zwei Wochen. In Gewässern, Tümpeln und anderen Wasseransammlungen wie versumpfte Senken, ausgetretene Stellen um Tränken, Radspuren und grasüberwucherten Trittsiegeln findet die Entwicklung zur Wimpernlarve (Mirazidium) statt. Dazu werden eine Mindesttemperatur von 10°C (Optimum 16-20°C) sowie ausreichend Feuchtigkeit benötigt. Bei Umgebungstemperaturen von 12 °C dauert sie zwei Monate. Bei 25 °C sind zwei Wochen ausreichend. Die Wimpernlarven schlüpfen bei Licht.


Abb.: Infektionsrisiko "Feuchtstelle"

Das Mirazidium findet schwimmend ihren Zwischenwirt, die amphibisch lebende Zwergschlammschnecke "Lymnaea truncatula". Sie ist meistens kleiner als 1 cm und an den Uferzonen seichter, meist stehender oder nur langsam fließender Gewässer häufig anzutreffen.


Abb.: Miracidium

Die Zwergschlammschnecke kann aber auch Trockenperioden monatelang überleben. Herrschen sommerliche Umgebungstemperaturen und steht ausreichend Feuchtigkeit zur Verfügung, so kann die Schneckenpopulation explosionsartig zunehmen: aus einer geschlechtsreifen Schnecke können unter optimalen Bedingungen bis zu 100.000 junge Schnecken pro Jahr hervorgehen. Die Schnecke kann überwintern und über ein Jahr leben.

   
Abb.: Redie u. Zerkarie

In der Schnecke entwickelt es sich zur Sporozyste weiter. In der Sporozyste bilden sich ein oder mehrere Redien, die ihrerseits Tochterredien oder gleich Zerkarien (Schwanzlarven) gebären. Diese Entwicklung dauert etwa 2 Monate und kann in einer Schnecke bis zu 2.000 Zerkarien hervorbringen.


Abbildung: Zwergschlammschnecke "Lymnaea truncatula"

Die Zerkarien verlassen aktiv die Zwergschlammschnecke und heften sich dicht unter der Wasseroberfläche an Pflanzen oder anderen festen Unterlagen an. Dabei geht der Schwanz verloren. Das so entstandene Stadium ist die infektiöse Metazerkarie. Diese Dauerstadium des Leberegels sind äußerst robust. Auf der Weide werden diese erst durch Temperaturen von unter - 20º C außer Gefecht gesetzt. In Silage können sie wochenlang, in Grünfutter oder Heu sogar mehrere Monate überleben.


Abb.: Metazerkarie

Im Endwirt (Rind, Schaf) entwickeln sich nach dem Fressen infizierten Futters im Darm aus den Metazerkarien die jungen Leberegel. Diese treten innerhalb weniger Tage durch die Dünndarmwand in die Bauchhöhle. Von dort aus dringen sie in die Leber ein und wandern dort für sechs bis acht Wochen im Leberparenchym (Lebergewebe) umher. Bei Tieren, wie z.B. Kühen, die schon mehrfach eine Leberegelinfektion durchgemacht haben, dauert die Wanderphase im Lebergewebe deutlich länger als sechs Wochen, so daß es kaum kalkulierbar ist, wann hier geschlechtsreife Leberegel in den Gallengängen vorhanden sind. Dies bedeutet aber auch, daß diese Tiere erst sehr viel später Leberegeleier mit dem Kot ausscheiden und so durch eine Kotuntersuchung auffallen. Am Ende dieser als "Wanderphase" bezeichneten Zeit wandern die nun fast geschlechtsreifen Leberegel in die Gallengänge ein. Dort findet die geschlechtliche Fortpflanzung und die Eiablage statt. Ein Leberegel scheidet pro Tag 8.000 - 25.000 Eier aus, die schubweise und nicht täglich mit dem Kot abgehen. Der Entwicklungszyklus ist so geschlossen.


Abb.: Frühe unreife, unreife, reife Form des Leberegels

  
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