von
Birgit Drescher
(VetMedLabor-Fortbildungsreihe "Gastrointestinalerkrankungen bei Hund und
Katze" im Winter 1997/1998 )
Durchfall ist charakterisiert durch Zunahme des Wassergehaltes (normal 60 80 %) im Kot auf 70 90 %, erhöhtes Kotvolumen (Wassergehalt, unverdaute Bestandteile) und durch gesteigerten Kotabsatz.
Der Wassergehalt wird hauptsächlich bestimmt durch die Menge osmotisch aktiver Substanzen im Inhalt. Sie werden entweder nicht absorbiert aufgrund eines Überangebotes, bei exokriner Pankreasinsuffizienz, Mangel an Enzymen im Bürstensaum, Mangel an Gallensäuren, Aufnahme schwer absorbierbarer Ionen oder osmotisch aktive Substanzen gelangen vermehrt ins Darmlumen bei Störung der Schleimhautpermeabilität oder aktiver Ionensekretion. Dabei sind einzeln oder in Kombination die Pathomechanismen Maldigestion, Malabsorption, Hypersekretion und Motilitätsstörungen des Dünndarmes sowie die erhöhte Permeabilität des Dickdarmes beteiligt.
Maldigestion: Der Chymus wird ungenügend verdaut, weil die für die Verdauung notwendigen Enzyme und Hilfsstoffe im Darm nicht oder nur in unzureichender Menge vorhanden sind oder nicht aktiviert wurden. Die Folge ist, daß osmotisch wirksame Substanzen im Darm Wasser an sich binden und so einen osmotischen Durchfall verursachen.
Malabsorption: Durch gestörte Resorptionsverhältnisse, meist bedingt durch eine reduzierte Resorptionsfläche, kann der Darminhalt nicht resorbiert werden. Schon eine Zerstörung des Bürstensaumes der Enterozyten bedingt eine markante Reduktion der resorptiven Oberfläche. Des weiteren kann Malabsorption auch eine Folge einer reduzierten Funktion von Enterozyten sein, wie dies bei Infektionen mit EPEC (enteropathogene E. coli-Stämme), Kryptosporidien und Giardien der Fall sein kann.
Klinische Hinweise für das Maldigestion-Malabsorptionssyndrom sind Abmagerung, chronischer Durchfall bei schier unstillbarem Hunger, stumpfes Fell, voluminöse, gelblich, oft makroskopisch erkennbar fettig glänzende, unverdaute Futterpartikel enthaltende und übel fade riechende Stühle.
Hypersekretion geht mit einer Verstärkung der sekretorischen Vorgänge der Darmepithelien einher. Dabei sind von größter Bedeutung die von Bakterien abgegebenen Enterotoxine (enterotoxische E. coli, Salmonelle, Klebsiellen, Yersinien und Campylobacterarten), welche die cAMP-abhängigen Transportsysteme aktivieren, wodurch vermehrt Wasser ins Darmlumen abgegeben wird.
Bei den Motilitätsstörungen erzeugen in der Pathogenese von Durchfällen sowohl Hypermotorik (infolge relativen Enzymmangels und ungenügender Resorption) als auch Hypomotorik (infolge Fehlgärungen) einen osmotischen Durchfall, der i.d.R. als sekundäre Durchfallursache entsteht.
Eine erhöhte Permeabilität des Dickdarmes entsteht im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen, die mit einer Erhöhung des hydrostatischen Druckes in der Darmschleimhaut einhergehen. Daraus resultiert ein Flüssigkeitsverlust entlang dem Druckgradienten ins Darmlumen hinein. Des weiteren können Durchfallerkrankungen mit starker Erhöhung der Darmwandpermeabilität und Exsudation von Plasmaproteinen ins Darmlumen im Zusammenhang mit immunbedingten zellulären Infiltraten beobachtet werden, die als Proteinverlust-Enteropathien bezeichnet wwerden und Parallelen zum Morbus Crohn des Menschen aufweisen.
Folglich richtet sich das klinische Bild der erhöhten Permeabilität nach der jeweiligen Ursache und ist von daher sehr heterogen.
Überfütterung
Aufnahme von zuviel Futter oder zu vielen Kohlenhydraten
plötzlicher Futterwechsel
längere Nahrungskarenz gefolgt von anschließender übermäßiger Futteraufnahme
zu hoher Milchzuckergehalt des Futters (Milch und Milchprodukte)
absoluter oder relativer Laktasemangel
zu hohe Rohrzuckergehalte
zu fettreiches Futter
Futter mit schwerverdaulichen Kohlenhydraten (nicht aufgeschlossene Stärke, kristalline
Stärke) oder Proteinen (Milz, Sehnen)
verdorbenes Futter, Unrat
zu kaltes Futter
Magnesiumsulfat, Schwermetalle, Insektizide, Arzneimittelunverträglichkeit (Salicylsäure, Digitalis, Ibuprofen)
Parvoviren
Coronaviren
Staupeviren
Leptospiren
Salmonellen
Clostridium perfringens
E. coli u.a.
Spul-, Haken- und Peitschenwürmer
Kokzidien
Giardien
Giardieninfektion
Dysbakterie, "bacterial overgrowth"
Lymphangiektasie
spezifische Dünndarmenteritiden (lymphoplasmazelluläre Enteritis, eosinophile Enteritis,
granulomatöse Enteritis)
exokrine Pankreasinsuffizienz
Pankreatitis
Clostridium perfringens
Peitschenwürmer (Hunde aus Zwingerhaltung!)
Spezifische Kolitiden: lymphoplasmazelluläre, eosinophile, histiozytäre (Boxer) Kolitis
1. Anamnese:
Fütterung
Zufütterung
Futterwechsel
Umwelt und Herkunft
Lebensumstände (Zwinger, Gruppenhaltung, Tierheim)
Entwurmungsstatus
Freßverhalten (Unratfresser)
Bisherige Maßnahmen und Behandlungsmethoden
Dauer und Entwicklung der klinischen Symptomatik
Zuordnung der Diarrhoe nach Tabelle*)
*) Zuordnung der Diarrhoe:
| Symptom | Dünndarm | Dickdarm |
| Appetit | erhöht: Maldigestion | - |
| vermindert: Malabsorption | - | |
| Reaktion auf Futterentzug | Besserung bei Malabsorption, Maldigestion, Allergie | - |
| Gewichtsverlust- bis | + bis +++ | + |
| Kotabsatz | normal bis häufig | häufig |
| (2 4 x/Tag) | (> 4x/Tag) | |
| Kotvolumen | vermehrt | vermindert |
| Kotkonsistenz | dünn-wässrig | breiig, geleeartig |
| Blutbeimengungen | Melaena | frisches Blut |
| Schleim | - | + |
| Stuhldrang (Tenesmus) | - | + |
| Vomitus | + | +/- |
| Flatulenz | + | - |
| Darmgeräusche (Borborygmus) | + | - |
| Fettgehalt | oft erhöht | - |
| Unverdaute Futterbestandteile | + | - |
Körpertemperatur
Zustand der Schleimhäute
Kreislaufsituation
Aszites (ballotierbare Flüssigkeitsansammlung)
Dehydratation
Gewichtsverlust
palpierbare Umfangsvermehrung im Bereich des Abdomens
rektale Untersuchung:
- palpierbare Umfangsvermehrung im Kolon
- rauhe, zerklüftete Mukosa
- Prostatavergrößerung
- Eosinophilie - Parasitenbefall
- eosinophile Gastroenteritis
- Neutropenie - Frühstadien von Virusinfektionen (Parvovirose, H.c.c.)
- TLI-Test (Trypsin-like-Immunoreactivity)
bestimmt die Trypsinaktivität im Serum und gibt Auskunft über eine exokrine Pankreasinsuffizienz sowie eine akute Pankreatitis- Folsäure- und Vitamin B12-Bestimmung:
Folsäure wird von speziellen Bakterien des proximalen Jejunums gebildet, Vitamin B12 von solchen des distalen Jejunums und Ileums. Bei bakterieller Überwucherung des Darmes ergeben sich entsprechend erhöhte Folsäure- bzw. Vitamin B12-Serumwerte- Kotuntersuchung
- parasitologische Kotuntersuchung auf Endoparasiten (Nematoden, Hakenwürmer, Peitschenwürmer, Zestoden, Kokzidien durch Flotationsmethoden; Kryptosporidien und Giardien jeweils durch spezifische ELISA-Antigentests)
- bakteriologische Kotuntersuchung auf darmpathogene Keime (Salmonellen, E. coli, Campylobacter, Klebsiellen, Yersinien, Staphylokokken)
- Verdauungstest durch
- Bestimmung von Chymotrypsin und
- mikroskopische Untersuchung auf Fettsäurenadeln, Neutralfett, Stärke und Eiweiß im Kot
- Lysozymbestimmung als Marker für entzündliche Prozesse
- Screening von Leber (Bilirubin, GPT, AP, GGT, GOT, GLDH, Cholesterin) und Pankreas (Glukose, a-Amylase, Lipase)
- Röntgenologische und/oder ultrasonografische Untersuchungen zur Abklärung der zu berücksichtigenden Differentialdiagnosen Ileus, Peritonitis, Pankreatitis und Milztorsion.
1. Röntgenkontrastuntersuchung
2. Virologische und bakteriologische Untersuchungen
3. Endoskopische Untersuchung und Biopsie
4. Proktoskopische Untersuchung und Biopsie
Die Therapie richtet sich nach der Schwere und der Dauer der Erkrankung.
Stufe 1:
In akuten Fällen von Diarrhoe, die ohne allgemeine klinische Symptome einhergehen, genügt:
Stufe 2:
Bei länger bestehendem Durchfall oder Brechdurchfall: Infusionstherapie
| Flüssigkeitsbedarf | |
| Erhaltungsbedarf (Verdopplung bei jungen Hunden, kl. Rassen, Fieber und hoher Umgebungstemperatur) |
40 60 ml/kg u. Tag |
| + | |
| bestehendes Defizit (nach Dehydrierungsgrad s.u.) | 50 150 ml/kg |
| + | |
| andauernde Verluste (Durchfall, Erbrechen) | bis 200 ml/kg und Tag |
| D E H Y D R I E R U N G | |||
| leicht (5 8 %) |
mittelgradig (8 12 %) |
hochgradig (12 15 %) |
|
| Allgemeinbefinden | wenig gestört | gestört | Apathie, schwankender Gang, beginnender hypovolämischer Schock |
| Wasseraufnahme | vorhanden | verringert | nicht vorhanden |
| Hautturgor | leicht vermindert | vermindert | deutlich vermindert |
| Maulschleimhaut | feucht | trocken | trocken, zyanotisch |
| Bulbi | eingesunken | ||
| Kapillarfüllungszeit | < 2 Sek. | 2 3 Sek. | > 3 Sek. + Tachykardie |
| Akren | warm | kühl | kühl |
| Körperoberfläche | warm | kühl | kühl |
3. Infusionslösungen
1. Elektrolytlösungen
| Ringer-Laktat | Volumenersatz (Ausgleich von bestehenden Defiziten und andauernden Verlusten) |
| 1/3 Elektrolytlösung mit 5 % Glukose |
Deckung des Erhaltungsbedarfes (ca. 50 ml/kg u. Tag) |
2. Plasmaersatzstoffe
| Dextran | max. 15 20 ml/kg und Tag (bei Überdosierung Beeinträchtigung der Blutgerinnung) |
| Gelatine | ca. 1/3 bis ¼ der Gesamtinfusionsmenge |
| Stärke | max. 10 20 ml/kg und Tag |
3. korrigierende Lösungen
| Natriumbikarbonat | HCO3 (mmol) = KM x 0,3 x Basendefizit Basendefizit = HCO3(Soll) HCO3 (IST) 1 mmol HCO3 = 1 ml einer 8,4%igen HCO3-Lsg. (CAVE: bei Überdosierung Alkalose!) |
| Kalium | max. 3 bis 5 mmol/kg und Tag unter Kreislaufkontrolle Normalwert: 3,6 5,8 mmol/l |
Erbrechen ist ein komplexer zentral gesteuerter Reflexakt, bei dem Pharynx, Oesophagus, Magen, Zwerchfell- und Bauchmuskulatur koordiniert werden. Erbrechen ist ein wichtiges und häufiges Begleitsymptom vieler Erkrankungen.
1. Schutzfunktion: Magen- und/oder Darmentlastung
2. Physiologische Funktion: Fütterung der Welpen
CAVE: Pferde, Nagetiere und Kaninchen können nicht erbrechen, d.h. z.B. schlechtes Futter muß den MDT passieren!
Unruhe, Umherlaufen, ängstlicher Ausdruck, vermehrte Speichelproduktion, Belecken der Lippen, Schluckbewegungen, Abnahme des Magentonus, Retroperistaltik im Darm, Zurückbeförderung von Darminhalt in den Magen;
Würgen, Schreien bei Katzen; Pylorus wird verschlossen, mehrmaliges Einatmen bei geschlossener Glottis und Zwerchfellkontraktur synchron mit den interkostalen und abdominalen exspiratorischen Muskeln à intrathorakaler Druck wird vermindert und gleichzeitig der intraabdominale erhöht
durch Relaxieren der Zwerchfellmuskulatur und des Oesophagussphinkters. Die Entleerung wird von rhythmischen Kontraktionen der Bauchmuskulatur bewirkt. Unter glucksenden Geräuschen wird der Mageninhalt an den i.d.R. vorher verschlossenen Choanen vorbei nach außen befördert. CAVE: brachyzephale Hunde erbrechen häufig durch die Nase à Komplikationen in Choanen- und Nasenhöhlen!
DD: Regurgitieren
ist im Gegensatz zum Erbrechen ein passiver Reflux von im Oesophagus liegen
gebliebenem oder aufgestautem Futter und/oder Speichel. Der Reflux erfolgt unter dem
Einfluß der Schwerkraft und wird durch eine eventuelle intrathorakale Drucksteigerung
unterstützt. Im weiteren ist der Rachenreflex mitbeteiligt. Regurgitieren ist ein
weitgehend spezifisches Symptom, welches Oesophagusobstruktionen und Motilitätsstörungen
begleitet. Das regurgitierte Material enthält i.d.R. weder angedautes Futter, noch
Magensekrete oder Galle. Regurgitiertes Material, das längere Zeit im Oesophagus gelegen
hat, ist bakteriell zersetzt und z.T. übelriechend. Ist die Ursache des Regurgitierens
ein Reflux von Mageninhalt in den Oesophagus, der infolge eines unverschlossenen unteren
Oesophagussphinkters eintritt, so lassen sich Erbrechen und Regurgitieren aufgrund des
ph-Wertes des ausgeworfenen Materials nicht mehr unterscheiden. Im weiteren können
Erbrechen und Regurgitieren gleichzeitig vorkommen, falls infolge des Erbrechens die
Oesophagusmotilität beeinträchtigt wird.
Unterscheide:
Kurzzeitiges nach der Erfüllung seines Zweckes sistierendes akutes
Erbrechen ist harmlos (Ursache: Unratfressen, Haarballen im Magen, Futter- oder
Medikamentenunverträglichkeit)!
Über 48 Stunden anhaltendes, häufiges (mehr als 2x täglich) schweres Erbrechen,
meist verbunden mit Allgemeinstörungen und Anorexie, führt durch die damit verbundenen
Homöostasestörungen (Flüssigkeits- und Elektrolytverluste) zu einem Circulus vitiosus,
der die Grundkrankheit verschlimmert und/oder verwischt!
ERGO: Die Tierärztin/der Tierarzt hat somit alles daran zu setzen, sinnlos
gewordenes und schädigendes Erbrechen zu unterbinden sowie durch die Beseitigung der
auslösenden Ursache die Grundkrankheit zu behandeln.
Das Erbrechen steht unter Kontrolle von zwei symmetrisch in der Formatio reticularis des Hirnstammes gelegenen Brechzentren. In ihrer unmittelbaren Nähe befinden sich die Atem- und Speichelzentren sowie verschiedene Hirnnervenkerne, die beim Ablauf des Erbrechens eine Rolle spielen. Das Brechzentrum integriert die Impulse, welche ihm aus verschiedenen Gebieten des Körpers zugeleitet werden. Erregt durch diese verschiedenartigen Impulse löst das Brechzentrum das Erbrechen aus und koordiniert die dabei ablaufenden komplexen Vorgänge direkt und indirekt unter Zuhilfenahme anderer Zentren wie beispielsweise dem Atemzentrum.
Laryngitis, paroxysmales Husten
Gastritis, Enteritis, Kolitis
Magenulzera
Pankreatitis
Hepatitis
Nephritis, Pyelonephritis
Prostatitis
Metritis-Pyometra-Komplex
Peritonitis
Blutungen nach Organruptur
2a. kortikal, thalamisch, hypothalamisch oder vestibulär ausgelöstes Erbrechen:
2b. Reize aus den Chemorezeptor-Triggerzonen (CTZ), die in der Area postrema auf dem Boden des 4. Hirnventrikels gelegen sind. Sie empfangen vagal oder weniger häufig sympathisch übermittelte viszerale Afferenzen von:
1. Stufe:
gründliche Anamnese*
Allgemeinuntersuchung mit besonders gründlicher Abdomenpalpation
Grundlaborwerte:
- Hämatokrit
- Plasmaproteinspiegel
- Harnstoff
- Blutglukose
- Serum-Na+ und K+Beurteilung, ob harmloses oder schwerwiegendes Erbrechen vorliegt.
Patienten, die aufgrund der Anamnese (häufiges Unratfressen, Haarballenneigung, Futter- oder Medikamentenunverträglichkeit) keine klinischen Allgemeinstörungen wie Apathie, Austrocknung, Abmagerung, Untertemperatur oder Fieber zeigen und in deren Gebrochenem weder Blut- noch Gallebeimengungen zu finden sind, können mit Diät, Elektrolytlösungen und Antiemetika in die Obhut des Besitzers gegeben werden.
CAVE: Wird schaumiger Schleim verbunden mit Würgen und/oder Husten ausgeworfen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß es sich um expektoriertes Material aus dem Atmungstrakt handelt, was im Zusammenhang mit Bronchitis und/oder Lungenödem (Herzinsuffizienz) auftreten kann.
*Anamnestische Informationen, die zur Eruierung der Lokalisation oder des Mechanismus der Ursache des Erbrechens besonders wertvoll sein können:
projektilartiges, mehr oder weniger anstrengungsloses Erbrechen bei Pylorusobstruktion;
Erbrechen verbunden mit Schmerzäußerungen bei schweren Veränderungen im Abdomen,
sekundären Oesophagus- oder Pharynxschleimhautläsionen (Verätzungen)
Futter angedaut oder nicht angedaut
Futter sauer riechend
nur Schleim
Schaum- oder Gallebeimengungen
Erbrochenes enthält Knochen, Parasiten, frisches Blut, kaffeesatzartig verändertes Blut
Kotbeschaffenheit (Melaena)
2. Stufe: Im Falle von:
1. anhaltendem und häufigem Erbrechen
2. Allgemeinstörungen (Apathie, Schwäche, Temperatur > 40 °C, Exsikkose, kapilläre Füllungszeit > 3 Sekunden, blasse bis schmutzig-rote Schleimhäute (Toxämie, Sepsis), Tachykardie, pochender, kleiner oder schwacher Puls, kühle Gliedmaßen, beschleunigte oder vertiefte Atmung, Anzeichen eines akuten Abdomens)
3. veränderten Grundlaborwerten (s.o.) sowie Gerinnungsstörungen
4. pathologischem Palpationsbefund (Masse palpierbar, schmerzhaftes Abdomen)
5. neurologischem Befund
muß die Untersuchung fortgesetzt werden durch
- Vertiefung bzw. Absicherung der anamnestischen Angaben
- kritische Bewertung und u.U. Wiederholung der klinischen Untersuchung
- weitere Labordaten:
Blutstatus mit Differentialblutbild
Chemogramm (z.B. Großer Check-up)
Harnstatus
Gastrinbestimmung
- weiterführende bildgebende Verfahren (Röntgen, Ultraschall)
- Endoskopie, etc.
Befunde bei peripher bedingtem Erbrechen:
Befunde bei zentral bedingtem Erbrechen:
3. Stufe:
- Bauchhöhlenpunktion (Parazentese) bei Verdacht auf Perforation
eines abdominellen Organs
- Bauchhöhlenspülung (peritoneale Lavage) bei Peritonitis, Blutungen etc.
- Probelaparatomie
Behandlungsziele:
1. Korrektur der Folgen des Erbrechens (Austrocknung, Säurebasenverschiebung, Elektrolytverluste)
2. Unterbrechung des anhaltendes Erbrechens und somit des Circulus vitiosus mit Antiemetika
3. Behebung der Ursachen bzw. der Grundkrankheit
Behandlungsmaßnahmen:
1. Flüssigkeitsersatz
Cave: Ab 5 bis 6 % Austrocknung bezogen auf das Körpergewicht entsteht eine Abnahme des Hautturgors und ein Anstieg des Hämatokrits. Um die für die nächsten 24 Stunden benötigte Flüssigkeitsmenge zu erhalten, addiert man zum festgestellten Flüssigkeitsdefizit die durch das Erbrechen und die Grundkrankheit verursachten laufenden Verluste und den normalen Flüssigkeitsbedarf wie folgt:
1a. Infusionsmenge:
| KG x Austrocknungsgrad (5 %) 10 kg Hund x 5 % = | 0,5 l |
| + laufende Verluste + 1 x Erbrechen = | 0,1 l |
| + Tagesbedarf (= 50 ml/kg KG) = | 0,5 l |
| 1,1 l |
1b. Infusionsgeschwindigkeit
richtet sich nach der Schockgefährdung:
- Bei stark ausgetrockneten Patienten kann in der ersten Stunde zustandsabhängig 50 100 ml/kg KG infundiert werden, den verbleibenden errechneten Rest verteilt man dann auf 23 Stunden gleichmäßig.
- Kontrolle: Der Anstieg des Hämatokritwertes und die Zunahme des Plasmaproteinspiegels verlaufen bei Austrocknung üblicherweise parallel und entsprechen der Hämokonzentration und dem Austrocknungsgrad.
- Bei Ausbleiben des Anstiegs von Hämatokrit und Plasmaproteinspiegel ist an einen Blutverlust zu denken.
- Bei Ausbleiben des Anstiegs des Hämatokritwertes, jedoch Zunahme des Plasmaproteinspiegels ist an eine Anämie oder Hämolyse zu denken.
- Eine geringgradige (moderate) Austrocknung mit einem sehr hohen Plasmaproteinspiegel kann durch eine mit Hyperglobulinämie einhergehende Grundkrankheit verbunden sein (Infektionskrankheiten, Entzündungen, Leberparenchymschäden, Plasmozytom).
1c. Wahl der Infusionsflüssigkeit
richtet sich nach:
- der Qualität des Erbrochenen
- den zu erwartenden direkten und indirekten Elektrolytverlusten
- der Ursache des Erbrechens
- den Symptomen
- den Laborbefunden
Da in den meisten Praxen die Möglichkeit der sofortigen labordiagnostischen Bestimmung von möglichen Säurebasenverschiebungen nicht gegeben ist, sollte man von folgenden Überlegungen ausgehen:
a) Das Erbrochene ist bei den im folgenden aufgeführten Grundkrankheiten i.d.R. sauer, d.h. es gehen v.a. Protonen, Chlorid- und Kaliumionen verloren und es entwickelt sich eine metabolische Alkalose:
Um bei anhaltendem Erbrechen von saurem Mageninhalt dem Trend zu einer metabolischen Alkalose entgegenzuwirken, bevorzugt man zum Ersatz der verlorenen Flüssigkeit mit K+ angereicherte Ringer- und 0,9%ige NaCl-Lösungen.
Kontraindiziert sind deshalb hier ebenso wie bei Leberinsuffizienz alkalinisierende Lösungen wie Ringerlaktat!
b) Durch das Erbrechen von Darminhalt kommt es durch die Bikarbonatverluste zu einer metabolischen Azidose wie auch bei den folgenden Grundkrankheiten:
Das Plasmachlorid ist normal bis erhöht, der K+-Spiegel oft erniedrigt (< 3,5 mmol/l). Dies äußert sich klinisch in Muskelschwäche oder Ileus. Zur Hypokaliämie kommt es, da die verlorenen Magen- und Darmsekrete verglichen mit Blutplasma ausnahmslos kaliumreich sind und i.d.R. über die Nahrung kein K+ mehr aufgenommen wird. K+ geht bei exsikkotischen Tieren vermehrt über die Nieren verloren, wodurch sich nach etwa 48 Stunden eine bedeutende Kaliumverarmung einstellen kann. Diese wiederum beeinträchtigt das Harnkonzentrierungsvermögen der Nieren und kann damit die Austrocknung noch weiter verstärken.
Zur Korrektur der Austrocknung, des Kaliumdefizits und der metabolischen Azidose verwendet man
oder
CAVE: Anreicherung mit K+ ausschließlich nach Sicherstellung einer uneingeschränkten Nierenfunktion!
2. Antiemetika
Einteilung der Antiemetika:
- Anticholinergika (Ind.: Reisekrankheiten)
- H1-Antihistaminika (Ind.: Reisekrankheiten, hirnorganisches
und postoperatives Erbrechen bzw. OP-Vorbereitung, nicht bei metabolischem und durch
Arzneimittel induziertem Erbrechen!),
- Neuroleptika (Chlorpromazin, Acepromazin, Triflupromazin, Perphenazin,
Droperidol, Haloperidol; Ind.: hirnorganisches, metabolisches, Arzneimittel- und
Toxin-induziertes Erbrechen)
- Dopamin-D2-Antagonisten (Metoclopramid (Paspertinâ
) und Domperidon (Motiliumâ ); Ind.: metabolisches und
AM-induziertes Erbrechen, Antagonisierung von Apomorphin-induziertem Erbrechen, Reizmagen,
Motilitätsstörungen im oberen Gastrointestinaltrakt, Refluxösophagitis, u.a.; cave:
Domperidon passiert nicht die intakte Blut-Hirnschranke, folglich auch keine
Nebenwirkungen wie Tremor oder Sedation!)
[ Dosierung bei Hund und Katze:
0,1 bis 0,3 mg/kg Metoclopramid 3 x täglich oral, rektal, i.m., s.c., oder i.v.
0,3 bis 0,5 mg/kg Domperidon 3 x täglich oral]
- H2-Antihistaminikum: Cimetidin (Tagametâ hemmt durch reversible Blockade von H2-Rezeptoren an den Belegzellen die basale und stimulierte Säure- und Pepsinsekretion sowie in geringem Maße auch die Pankreassekretion; Ind.: Magen- und Duodenalulzera, akute Pankreatitis)
[ Dosierung beim Hund: 5 10 mg/kg oral alle 6 bis 8 h oder 5 mg/kg i.v. zweimal täglich
Dosierung bei der Katze: 2,5 mg/kg oral alle 12 h]- Hemmstoffe der Protonenpumpe: Omeprazol (Antraâ ) u.a. reichern sich bei sauren pH-Werten in den Parietalzellen der Magenschleimhaut an und hemmen dort irreversibel die H+/K+-ATPase. Dadurch wird die basale und stimulierte Säuresekretion blockiert. Ind.: Magen- und Duodenalulzera, Refluxösophagitis, Zusatztherapie zur Antibiose bei durch Helicobacter pylori verursachten rezidivierenden Gastritiden und Magenulzera; Dos.: 0,5 1,0 mg/kg oral.
- Bariumsulfat als Bariumbrei verabreicht ist ein altbewährtes und kostengünstiges Mittel, welches v.a. durch Magenreizung bewirktes Erbrechen stoppt.