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Die Strategie der Panikmacher: Künstliche Risiken als Sündenbock

Von Gunnar Sohn

Bonn (www.ne-na.de) – Gut gemeint erweist sich im praktischen Leben nicht selten als das Gegenteil: Als lehrreich gilt in Expertenkreisen das Verbot des Insektizids DDT – 1972 von der US-Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA) vorschnell verboten. DDT stand damals im Verdacht, krebserregend zu sein und den Bruterfolg des Weißkopf-Seeadlers zu beeinträchtigen. „Die für Menschen völlig ungiftige Chlorverbindung war 1939 vom schweizerischen Chemiker Paul Hermann entdeckt worden. Müller wurde dafür nach dem Krieg mit dem Nobelpreis geehrt. Und das völlig zu Recht. Denn DDT hatte sich bei der Landung der Alliierten in Süditalien bei der Bekämpfung von Mücken und Läusen sowie einer durch Mücken verbreiteten Typhus-Epidemie in Neapel eindrucksvoll bewährt und erwies sich später im Kampf gegen die Malaria-Mücken in armen tropischen Ländern als eine Art Wundermittel“, sagte der Frankfurter Wissenschaftsjournalist Edgar Gärtner http://www.gaertner-online.de/ bei der Vorstellung seiner Umweltstudie „Vorsorge oder Willkür?“ (Deutscher Instituts-Verlag) im Bonner Presseclub.

Seit dem DDT-Verbot sollen weltweit rund 50 Millionen Menschen der Malaria zum Opfer gefallen sein. „Bis heute gibt es für DDT keinen vergleichbar wirksamen und für arme Länder bezahlbaren Ersatz. In den wohlhabenden Ländern hingegen wurden DDT und andere chlororganische Pestizide eine Zeit lang von den konkurrierenden Organphosphaten verdrängt und kosteten zahlreichen, an den Umgang mit so gefährlichen Arbeitsmitteln nicht gewöhnten Landarbeitern die Gesundheit, wenn nicht das Leben“, so Gärtner. Wegen der bitteren Erfahrungen mit dem DDT-Verbot sollte es sich eigentlich von selbst verstehen, etwas behutsamer und wissenschaftlich solider mit Stoffverboten in der Umweltpolitik umzugehen. Aber davon sei man weit entfernt, wenn auch heute noch Organisationen wie Greenpeace organische Umweltchemikalien sogar pauschal ächten wollen. Auch bei der EU-Chemikalien-Verordnung REACH gehe es nach Ansicht von Gärtner nicht um ein Verbot besonders gefährlicher Stoffe im Interesse der Gesundheitsvorsorge, sondern um ein als Vorsorge bemänteltes Nachgeben gegenüber einer emotionalen Kampagne. Gärnter erinnerte an die unter Wissenschaftlern bekannte Paracelsus-Regel: „Alle Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.“ Die Angabe der Dosis werde in öffentlichen Hysterie-Kampagnen regelmäßig unterschlagen, sagte der Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer in seinem Vortrag bei der Präsentation des Gärtner-Buches. Als Beispiel erwähnte der Wissenschaftler eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa: „In Muttermilch 300 Gifte nachgewiesen“. Die Nachricht sei vielfach nachgedruckt worden und symptomatisch für die Panikmache hierzulande. „dpa liegt mit der Panik-Botschaft falsch. In der Muttermilch sind nicht nur 300, sondern 3.000, vielleicht sogar 30.000 Schadstoffe enthalten. Es gibt vermutlich keinen Stoff und auch kein Gift der Erde, der oder das nicht auch in Muttermilch enthalten wäre. Die Meldung suggeriert, das wäre gefährlich. Davon kann aber keine Rede sein. Wir schleppen in unserem Körper, wenn auch in minimalen Mengen, fast jede giftige und ungiftige Substanz herum, die man sich nur denken kann. So enthält der Körper eines jeden Mitteleuropäers mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens ein Molekül von Jesus Christus. Teuflische und göttliche Stoffe gibt es in und um uns mehr als genug. Mit den modernen Analysemethoden werden wir sie peu a peu auch alle finden. Das belegt allerdings nicht, das alles immer mehr vergiftet würde“, so Krämer.

Das Prinzip bei Angstkampagnen sei immer das gleiche: „Es wird regelmäßig nur auf die Existenz eines Gefahrstoffes abgestellt, das Wort ,Dosis‘ haben viele Meinungsbildner offenbar noch nie gehört. Lesen Sie doch mal die Zeitschrift Öko-Test: In den Berichten wird vor allem auf die Existenz, nicht auf die Menge eines Giftes abgestellt und die Beziehung von Dosis und Wirkung ignoriert man dabei. Was passiert, wenn sich Verbraucher von solchen Meldungen ins Bockshorn jagen lassen, zeigt der berühmte Schlecker-Babykost-Skandal. Babykost darf in Deutschland keinerlei Pestizide enthalten. Dann wurden aber trotzdem Pestizide nachgewiesen, die Mütter geraten in Panik, rennen auf den Wochenmarkt und machen den Babybrei selbst, nicht wissend, dass unser Marktgemüse eine bis zu 200mal höhere Schadstoffkonzentration aufweist und auch aufweisen darf, als jemals in den beanstandeten Schleckerprodukten nachgewiesen worden ist“, führte Krämer aus. Die Risikowahrnehmung sei in Deutschland enorm verzerrt.

„Natürliche Risiken werden nicht nur eher akzeptiert, sondern auch gewaltig unterschätzt. Viele Menschen geraten in Panik, wenn ein Castor an ihrem Dorf vorüberfährt, fliegen aber ohne zu Murren nach New York und setzen sich dabei über die natürliche Höhenstrahlung einer vielfach höheren Radioaktivitätsdosis aus, als jemals in der Nähe eines Castors gemessen wurde“, so Krämer. Besonders eklatant sei der Unterschied bei natürlichen und künstlichen Faktoren in Nahrungsmitteln: „99,9 Prozent aller Schadstoffe und Gifte in unserer Nahrung sind natürlichen Ursprungs. So sind in Himbeeren 34 verschiedene giftige Aldehyde und Ketone, 32 verschiedene Alkohole, 20 verschiedene Ester, 14 verschiedene Säuren, drei Kohlenwasserstoffe und sieben weitere giftige Verbindungen. Darunter Cumarin, das Leberschäden verursacht. Nach unseren Umweltgesetzen müsste die ,Herstellung‘ von Himbeeren verboten werden“, betonte Krämer. Auch Kartoffeln seien von Natur aus giftig. Sie würden beispielsweise das natürliche Gift Solanin enthalten – da reiche ein halbes Gramm für eine tödliche Wirkung. „Das interessiert die Medien und die Verbraucher aber nicht. Für beide ist eine Nachricht vor allem dann interessant, wenn Menschen als Verursacher dahinterstecken. Medien brauchen Opfer, Medien brauchen Sündenböcke und die Natur ist ein schlechter Sündenbock“, kritisierte Krämer in seiner Rede. Birkel Eiernudeln, Monitor-Fischwürmer, Glycol im Wein, BSE oder Nitrofen. In all diesen Fällen werde in aller Regel unbegründete Panik hervorgerufen. In jeder Hysteriewelle treibe man ein neues Schwein durchs Dorf und verursache damit einen enormen wirtschaftlichen Schaden. „Dabei will ich die mögliche Gefahr durch Risiken wie etwa BSE nicht herunterspielen. Sollten sich die Horrorvisionen gewisser Kritiker bestätigen, was recht unwahrscheinlich ist, werden auch in Deutschland mehrere Dutzend Menschen an der neuen Version der Creutzfeld-Jacob-Krankheit sterben, die sie sich durch Rindfleischessen zugezogen haben. Das ist sicher schlimm genug. Aber allein in Deutschland sterben jedes Jahr über 800 Menschen an verschluckten Fischgräten. Nach den Kriterien, die üblicherweise für industrielle Gefahren gelten, müsste das Fischessen weltweit verboten werden“, sagte Krämer.

Dieser Umgang mit Gefahr und Risiko sei nicht nur irrational, sondern volkswirtschaftlich äußerst schädlich. „Absteigende Gesellschaften – und dazu müssen wir uns in Deutschland heute leider zählen – unterscheiden sich in vielen Dingen. Aber eines haben sie gemein. Sie sehen das Neue nicht als Chance, sie sehen das Neue als Gefahr. In dynamischen Gesellschaften haben die Gegner des Neuen zu beweisen, dass das Neue schadet. In Deutschland haben Neuerer zu beweisen, dass das Neue nicht schadet und diese Geisteshaltung führt schnurstracks in die wirtschaftliche Katastrophe“, mahnte Krämer.

Innovationen, so das Fazit des Buchautors Edgar Gärtner, benötigen gesellschaftliche und wirtschaftliche Verhältnisse, die Tüftlern, Spinnern und Ketzern Freiräume gewähren und jene belohnen, deren Erfindungen bekannte Probleme kostengünstiger und menschenwürdiger lösen als herkömmliche Techniken und Systeme. Zu einem solchen Innovationsklima gehöre auch die Risikomündigkeit des Bürgers, die der Staat nur schlecht ersetzen könne. „Beim Fischessen hilft mir staatlicher Dirigismus ja auch nicht weiter“, bemerkte Gärtner.

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