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Schieflage: Risiko ist nicht gleich Risiko

Berlin/Hamm (lme) – Wahrend sich die Bundesbürger vor BSE, Dioxinen, Pestiziden und Acrylamid gruseln, sind sie bei selbst zu verantwortenden Risiken in der eigenen Lebensführung weniger ängstlich. So ist der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von 145,5 Litern alkoholischer Getränke nach Meinung des Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Rolf Hüllinghorst, „besorgniserregend“. Der Verband stellte am Mittwoch das neue „Jahrbuches Sucht 2006“ in Berlin vor. Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 10,1 Litern reinen Alkohol hält Deutschland damit weiterhin einen Platz in der Welt-Spitzengruppe jener sechs Länder, in denen mehr als 10 Liter reinen Alkohol getrunken werden. In der Reihenfolge (Zahlen von 2003): Luxemburg (12,6), Ungarn (11,4), Tschechien (11,0), Irland (10,8) und Spanien (10,0).

Umgerechnet trinkt jeder Deutsche – Säuglinge, Kinder und Greise eingeschlossen – täglich mehr als 20 Gramm Alkohol. Bezogen auf die Bundesbürger zwischen 18 und 69 Jahren bedeutet dies knapp 40 Gramm oder 4 Gläser alkoholischer Getränke täglich. Damit ist die Risikogrenze gesundheitlich unbedenklichen Konsums sowohl für Frauen als auch für Männer überschritten, heißt es in dem Jahrbuch.

Jeder zweite deutsche Mann im mittleren Alter hat laut DHS alkoholbezogene Probleme. Daraus können sich soziale Probleme entwickeln und es kann zu gesundheitlichen Risiken kommen. Missbrauchsverhalten führt zu Gewöhnung, Gefährdung und Abhängigkeit. Dieser Trend ist nicht allein durch persönliche Einsicht zu stoppen, sondern es bedarf einer Reihe von Restriktionen, um das Angebot einzuschränken und damit den Gesamtkonsum zu reduzieren. „Weniger Werbung, höhere Preise und weniger Verkaufsstellen – es ist doch ganz einfach“, so Dr. Christian Meyer, Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Greifswald.

Das Jahrbuch SUCHT 2006 enthüllt erschreckende Daten:

Mehr als 73.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich vorzeitig durch riskanten Alkoholkonsum alleine oder durch kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak. Direkt dem Tabakkonsum und -missbrauch werden – je nach Studie – 110.000 bis 143.000 vorzeitige Todesfälle zugeordnet. Damit stehen 22 % aller vorzeitigen Todesfälle bei Männern und 5 % bei Frauen in Verbindung mit Tabak. Auch in diesem Jahr kann – bei leicht veränderten Konsummengen – nicht von einer Trendwende im Bereich der Sucht und Abhängigkeit gesprochen werden. Neben den Todesfällen, die in einen Zusammenhang mit dem Konsum von legalen und illegalen Suchtmitteln zu bringen sind, sind es insbesondere die körperlichen und sozialen Folgen von Abhängigkeit, die überall in der Gesellschaft sichtbar werden. Die wichtigsten Zahlen aus dem Jahrbuch SUCHT 2006 zum problematischen Konsumverhalten bzw. im Umgang mit Suchtmitteln verdeutlichen es:

Alkohol:

Von den Alkoholkonsumenten im Alter von 18 bis 69 Jahren konsumieren 10,4 Mio. Menschen mit riskantem Konsum (mehr als 30 g Reinalkohol pro Tag bei Männern und 20 g Reinalkohol pro Tag bei Frauen), 1,7 Mio. mit schädlichem Konsum (Missbrauch nach DSM-IV), 1,7 Mio. mit Abhängigkeit (Abhängigkeit nach DSM-IV) Jährlich sind ca. 163.000 Personen in ambulanter bzw. stationärer Behandlung. Quelle: Repräsentativerhebung zum Gebrauch und Missbrauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland. Epidemiologischer Suchtsurvey 2003, IFT-Institut für Therapieforschung München

Zum Trinkverhalten ist festzuhalten: Rund 8 % der Bevölkerung trinken 38 % des gesamten Alkohols. Quelle: Eigene Berechnungen des DHS

Tabak:

Verschiedenen Untersuchungen zufolge wird in Deutschland mit ca. 17 Mio. Rauchern (10 Mio. Männer und 7 Mio. Frauen) gerechnet. Von den Rauchern und Raucherinnen rauchen 13,1 Mio. Menschen riskant (6 oder mehr Zigaretten pro Tag und 4,3 Mio. Menschen abhängig (Abhängigkeit nach DSM-IV). 35,6 % der Raucher und Raucherinnen (41,6 % Männer, 28,6 % Frauen) rauchen täglich 20 und mehr Zigaretten.

Quelle: Repräsentativerhebung zum Gebrauch und Missbrauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland. Epidemiologischer Suchtsurvey 2003, IFT-Institut für Therapieforschung München

Anteil der Passivraucher: 55 % der Nichtraucher geben an, dass sie unfreiwillig Tabakrauch einatmen müssen. 21 % berichten über eine Passivrauchbelastung am Arbeitsplatz, 13 % zu Hause und 43 % an anderen Orten. 64 % der passiv rauchenden Nichtraucher fühlen sich durch den Tabakrauch gestört. Quelle: Bundesgesundheitssurvey 1998

Psychotrope Medikamente:

Die Gesamtzahl der Medikamentenabhängigen wird auf 1,3-1,4 Mio. geschätzt, davon 1,1 Mio. Abhängige von Benzodiazepinen und 300.000 Abhängige von anderen Arzneimitteln. Quelle: Schätzung der DHS

In Behandlung sind jährlich ca. 2.000 Personen Quelle: Epidemiologischer Suchtsurvey 2000, IFT München

Illegale Drogen 2004:

283.708 Rauschgiftdelikte (+ 11 %) 21.100 Erstauffällige Konsumenten harter Drogen 1.385 Rauschgifttote

Epidemiologische Zahlen zu illegalen Substanzen ohne Cannabis: Riskanter Konsum: 275.000 Personen Abhängigkeit: 175.000 Personen (nur Opiate)

Epidemiologische Zahlen zu Cannabis: Missbrauch: 140.000 Personen Abhängigkeit: 240.000 Personen Quelle: IFT, München

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