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Finanzmanipulationen: Berliner Tierschützer unter Verdacht

Berlin (aho) – Der Berliner Tierschutzverein und das zu ihm gehörende Tierheim Berlin sind jetzt auch ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Juristen und Steuerberater sind nach Angaben von Vereinspräsident Wolfgang Apel auf Unterlagen gestoßen, „aus denen Finanzmanipulationen erkennbar sind“. Wegen des Verdachts des Betrugs und der persönlichen Bereicherung hat Apel deshalb am Mittwochabend Strafanzeige gegen vier ehemalige Führungskräfte gestellt, die am vergangenen Sonnabend auf einer Vorstandssitzung überraschend zurückgetreten sind, entlassen wurden oder mit sofortiger Wirkung kündigten. Dies berichten verschiedenen Zeitungen wie die Berliner Zeitung und die Berliner Morgenpost.

Der Betrugsverdacht richtet sich laut Zeitungen gegen den bisherigen 1. Vorsitzenden Volker Wenk, die 2. Vorsitzende Simone Mierheim und die Geschäftsführer Carola Ruff und Rainer Polle.

Den ersten Erkenntnissen zufolge soll Spendengeld nicht immer für Zwecke des Tierschutzes eingesetzt worden sein. Es fehlt in der Kasse. Über die genaue Schadenshöhe lägen noch keine aussagekräftigen Daten vor, wird Apel in der Berliner Morgenpost zitiert. Bislang gibt es aber nur diesen Anfangsverdacht eines Betrugs. Alle vier früheren Führungskräfte haben inzwischen Hausverbot. Nur Rainer Polle, der geschasste Geschäftsführer, äußert sich. Er sagt: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Er sei vier Monate im Amt gewesen. „Von finanziellen Ungereimtheiten kann keine Rede sein“, sagt er. „Jede Buchung musste von mindestens zwei Vorstandsmitgliedern unterschrieben werden.

Apel zeigte sich im Namen des Vorstandes von den Vorgängen „geschockt“. Es werde ohne Ansehen der Person alles unternommen, dass die „Verursacher dieses nicht nur materiellen Schadens jeden Cent zurückbezahlen müssen“. Seitdem die Personalturbulenzen im Verein bekannt sind, hatte Apel bisher allerdings nur von „unüberbrückbaren Differenzen zur Philosophie des Tierschutzgedankens“ gesprochen.

Wenk war 15 Jahre Geschäftsführer des Tierschutzvereins und im Dezember 2003 in den Ruhestand getreten. Seitdem fungierte er ehrenamtlich als 1. Vorsitzender. Seine Frau Carola Ruff – lange stellvertretende Geschäftsführerin und Tierheim-Sprecherin – folgte ihm im Amt. Beide sind nach wie vor nicht erreichbar. Ruff soll mittlerweile eine Kur angetreten haben.

Ihr bisheriger Geschäftsführerkollege Rainer Polle – einst CDU-Wirtschaftsstadtrat in Lichtenberg – sagte gestern Abend: „Ich sehe der ganzen Angelegenheit gelassen entgegen.“ Er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Polle war erst seit 1. Juli im Amt, aber seitdem im Verein für die Finanzen zuständig.

Indes ist Apel laut Zeitung um Schadensbegrenzung bemüht. Der geplante Eintritt ins Tierheim, ein Euro pro Person, ist vom Tisch. Die bisherige Gebührenliste sah für die Aufnahme der Tiere einen Preis von bis zu 150 Euro für Hunde und 65 Euro für Katzen vor. Tierheimleiter Michael Begall und Wolfgang Apel, die vorerst die Geschäfte des Vereins führen, stimmen überein, dass die Belastungen im 3-Millionen-Euro-Jahresetat für Betriebskosten auf andere Art kompensiert werden müssen, so durch mehr Spender, Mitglieder und schnellere Vermittlung von Tieren. Begall gegenüber der Presse: „Auch die Broschüre, die ein Abgabeverbot von jungen Hunden an Rentner beinhaltete, ist eingestampft.“

Auch werde bei mittellosen Personen auf eine Abgabegebühr für Tiere verzichtet. Apel kündigte auch eine Imagekampagne für das Tierheim Berlin – das größte Europas – an. So sollen die Öffnungszeiten verlängert werden. 2005 sei zudem eine „Gala für die Tiere“ mit Stars von Film, Bühne und Show-Business geplant.

Tierschutzvereine werden Deutschland immer wieder von Finanzskandalen erschüttert. So traf es den Verein „Arche 2000 Welt-Tierhilfe“ und das „Deutsche Tierhilfswerk“.

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