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Kripo Itzehoe informiert über die ehemalige „Arche 2000 Welt-Tierhilfe“

Itzehoe (aho) – Am Donnerstag den 6.12.2007 berichtete das ARD-Magazin „Panorama“ über Unregelmäßigkeiten auf dem Gebiet des Spendenwesens. In diesem Zusammenhang gibt die Bezirkskriminalinspektion Itzehoe Hintergrundinformationen zu dem Altverfahren „Arche 2000 Welt-Tierhilfe“ und Tipps zur „Prävention“.

Hintergrundinformationen: Vor knapp zwei Jahren kam bei der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe mit der Aburteilung der Haupttäter zu mehrjährigen Gefängnisstrafen (6 Jahre, 9 Monate) ein umfangreiches Ermittlungsverfahren zu einem vorläufigen Abschluss: „Arche 2000 Welt-Tierhilfe“. Daran gearbeitet haben über zwei Jahre vier Kriminalbeamte, drei Steuerfahnder und ein Mitarbeiter der BfA.

Dazu Kriminalhauptkommissar Dirk Kawald: „Die Tätergruppe hatte Anfang der 1990er Jahre einen Tierschutzverein mit dem Namen ‚Arche 2000 Welt-Tierhilfe‘ mit Sitz in Seeth-Ekholt im Kreis Pinneberg gegründet. Mit aggressiven Werbemethoden, zunächst waren es so genannter Drücker, später ein Call-Center, bekam der Verein schnell einen großen Mitgliederstamm von um die 50.000 Personen zusammen.“ Parallel dazu habe der Haupttäter ein Firmenimperium, bestehend aus Autovermietung, Bauausführungen sowie Call- und Marketingcenter, und einen weiteren Verein mit 40.000 Mitgliedern entwickelt – beides von ihm beziehungsweise von ihm nahe stehenden Personen dominiert. Allerdings: Geschäfte mit Dritten wurden kaum wahrgenommen. „Dadurch schmorte der Braten fast ausschließlich im eigenen Saft.“

Die Konten der Mitglieder beider Vereine wurden mehrmals im Jahr mit Mitgliedsbeiträgen per Lastschriftverfahren mit einem speziell hierfür entwickelten Computerprogramm belastet. Kawald: „Nur in wenigen Fällen wurde dies von den Betroffenen bemerkt. Für den Fall, dass Mitglieder sich hierüber beschwerten, wurde unter Hinweis auf einen Computerfehler der überzahlte Mitgliedsbeitrag zurück überwiesen.“ Allein innerhalb von zirka 18 Monaten in den Jahren 2003 und 2004 wurden auf diese Weise mehr als 10 Millionen Euro Mitgliedsbeiträge ertrogen.

Kawald weiter: „Dieses Geld wurde sodann mittels überhöhter beziehungsweise fingierter Rechnungen der mit dem Verein verbundenen Firmen aus den Vereinsvermögen heraus gezogen.“ Fahrzeuge der Luxusklasse, Urlaubsfahrten in Traumhotels und Finanzierungen fast sämtlicher privater Aufwendungen wurden daraus finanziert. Auch ein Motocross-Team, mit dem Profis an internationalen Veranstaltungen teilnahmen. „Nur ein Bruchteil der Mitgliedsbeiträge, zirka fünf Prozent, ging tatsächlich in den Tierschutz über.“

Im Rahmen der kriminalpolizeilichen Ermittlungen stellte sich heraus, dass innerhalb des Bundesgebietes diverse Vereine mit ähnlicher Arbeitsweise tätig sind. „‚Arche‘ ist nach meinen Kenntnissen kein Einzelfall. Teilweise sind diese Vereine auch miteinander verbunden, Verantwortliche kennen sich untereinander, bestimmte Werbegruppen und Call-Center arbeiten einander zu.“ Die Bezirkskriminalinspektion Itzehoe hat, um das Arche-Verfahren in der Hauptsache zum Abschluss bringen zu können, verschiedene Verfahren mit ähnlicher und teilweise noch größerer Schadenshöhe abgetrennt und den in anderen Bundesländern zuständigen Ermittlungsbehörden zugeleitet.

Der Kriminalpolizist hebt hervor: „Um eines deutlich festzustellen: Es gibt in Deutschland eine große Zahl seriös und jeweils im Sinne ihrer Zielsetzung erfolgreich arbeitender Vereine.“ Die sollten auch weiterhin unterstützt werden, „denn sie entlasten den Staat erheblich von seinen sozialen Aufgaben.“

Dirk Kawald unterstreicht: „Die Ermittlungen haben mir deutlich gemacht, wie leicht es ist, das in der Bevölkerung breit vorhandene Unterstützungsbewusstsein auszunutzen und karikativ zugedachte Gelder in dunkle Kanäle abfließen zu lassen.“

Tipps zur Prävention: Wie kann man sich vor betrügerischen Absichten auf dem Sektor des Spendenwesens schützen? Polizeihauptkommissar Joachim Böttger, bei der Polizeidirektion Itzehoe zuständig für alle Fragen der Prävention im Behördenbereich, rät der Bevölkerung: „Ob Werber vor Ihrer Haustür stehen, Sie auf der Straße ansprechen oder ob Ihnen eine gedruckte Spendenwerbung ins Haus kommt: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, denn Spenden und Fördermitgliedschaften sind freiwillige Leistungen.“ Niemand dürfe sich überreden, nötigen oder gar zwingen lassen, eine Spende zu vergeben. Und: „Stark Mitleid erweckende oder gefühlsbetonte Werbung ist das Kennzeichen für Unseriosität.“ Sollten Werber „ausweichend, ablehnend oder ungehalten“ auf die Bitte nach schriftlichen oder weiteren mündlichen Informationen reagieren, dann sei das ein „sicheres Zeichen“ dafür, dass in unlauterer Absicht geworben wird.

„Auf keinen Fall“, so Joachim Böttger, „sollten Sie auf der Straße oder an der Haustür eine Unterschrift leisten.“ Besser sei es, sich in aller Ruhe über die Organisation zu informieren, für die geworben wird. „Erst wenn Sie ganz sicher sind, dass diese Organisation Ihr Vertrauen verdient, sollten Sie spenden oder eine Mitgliedschaft eingehen.“ Im Zweifel solle man sich mit dem „Deutschen Institut für soziale Fragen“ (DIZ, Bernadottestraße 94, 14195 Berlin, Telefon 030/839001-0, www.dzi.de, Mail: sozialinfo@dzi.de in Verbindung setzen.

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