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Wissenschaftler belegen erneut: ESBL-Keime vom Geflügel für Verbraucher irrelevant

gefluegel_01Hamburg (aho) – Erst kürzlich sorgte eine „Studie“, die ESBL-Keime in Wurstwaren von Geflügel und Schwein nachwies, in der Laienpresse für großes Aufsehen. Die Grüne Bundestagsfraktion hatte laienhaft aufgrund der Ergebnisse gefolgert, dass Verbraucher durch diese antibiotikaresistenten Keime gefährdet seien und hatten so ein heftiges Mediengetöse angezettelt. ESBL steht für „extended-spectrum beta-lactamases“ und bezeichnet Enzyme, die ein breites Spektrum von Beta-Laktam-Antibiotika unwirksam machen.

Seriöse, wissenschaftlich valide Untersuchungen belegen erneut das Gegenteil. Wie Humanmediziner des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in der Fachzeitschrift „International Journal of Medical Microbiology“ berichten, unterscheiden sich ESBL-Keime (E. coli) von Geflügelfleisch aus der Region Hamburg deutlich von solchen ESBL-Keimen, die die Autoren aus Stuhlproben von Patienten des Klinikums isolieren konnten.

Die Keime zeigten deutliche Unterschiede sowohl beim genetischen Fingerabdruck als auch bei den Resistenzmustern. Zudem waren die Humankeime deutlich häufiger gegen Reserveantibiotika (Fluorchinolone), Aminoglykoside und Trimethoprim-Sulfamethoxazol resistent als Keime von Geflügelfleisch.

Die Wissenschaftler folgern, dass ESBL-Keime von Geflügelfleisch für die Besiedlung von Menschen keine Rolle spielen (1).

Die Studie bestätigt die Ergebnisse anderer Wissenschaftler aus den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland(2). Auch diese verglichen die Ähnlichkeiten von ESBL- Keimen von Mensch und Tier. Dabei fanden beim Vergleich des Erbgutes große Unterschiede. Nur 1,2% der verglichenen Coli-Bakterien von Mensch und Tier zeigten eine Ähnlichkeit von nur 70%. Kein resistenter Tierkeim war mit einem resistenten Keim vom Menschen tatsächlich identisch.
Die Wissenschaftler empfehlen, die Übertragung von ESBL-Keimen von Mensch zu Mensch zu reduzieren. Hierfür müssten Krankenhausabfälle und –abwässer sterilisiert werden.

Vor vergleichbaren Ergebnisse berichteten Humanmediziner des „Universitair Medisch Centrum“ (UMC) in Utrecht anlässlich eines Kongresses in Berlin (23nd European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (23nd ECCMID)) (3). Für ihre Untersuchungen hatten sie das Erbgut von ESBL-Keime beim Menschen mit denen beim Geflügel verglichen. Auch hier waren die ESBL-Keime nicht identisch.

Während Tierärzte mit einer bescheidenen Palette von zumeist seit Jahrzehnten genutzten Antibiotika Tiere in der Landwirtschaft erfolgreich behandeln, hat sich die Situation in deutschen Krankenhäusern deutlich verschlechtert. Dort haben sich auch durch Urlaubsreisende und Patienten aus der sogenannten „Dritten Welt“ und den Schwellenländern antibiotikaresistente Problemkeime angesiedelt, die durch Hygienemängel rasche Verbreitung finden.

(1) Belmar Campos C, Fenner I, Wiese N, Lensing C, Christner M, Rohde H, Aepfelbacher M, Fenner T, Hentschke M.
Prevalence and genotypes of extended spectrum beta-lactamases in Enterobacteriaceae isolated from human stool and chicken meat in Hamburg, Germany.
Int J Med Microbiol. 2014 May 6. pii: S1438-4221(14)00048-4. doi: 10.1016/j.ijmm.2014.04.012. [Epub ahead of print]

(2) Wu, G., Day, M.J.,Mafura, M.T., Nunez-Garcia, J., Fenner, J.J., Sharma, M., van Essen-Zandbergen, A., Rodriguez, I., Dierikx, C., Kadlec, K., Schink, A-K., Wain, J., Helmuth, R., Guerra, B., Schwarz, S., Threlfall, J., Woodward, M.J., Woodford, N., Coldham, N. & Mevius, D. (2013) Comparative analysis of ESBL-positive Escherichia coli isolates from animals and humans from the UK, the Netherlands and Germany. PLoS One 8(9): e75392. Doi:10.1371/journal.pone0075392

(3) M. de Been, J. Scharringa, Y. Du, J. Hu, Z. Liu, Y. Lei, Z. Cen, J.W.T. Cohen Stuart, A. Fluit, M.A. Leverstein-van Hall, M.J.M. Bonten, R. Willems, W. van Schaik
Whole genome sequence-based epidemiological analysis of ESBL-producing Escherichia coli.
23nd European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (23nd ECCMID)
27 – 30 April 2013, Berlin, Germany.

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