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Indische Resistenzgene zum Schnäppchenpreis: Mangelhafte Krankenhaushygiene begünstigt Risikokeime

Ignaz_Semmelweis[Ignaz Semmelweis (1815-1865) erkannte frühzeitig die Wichtigkeit sauberer Hände in Krankenhäusern] Berlin (aho) – Während Tierärzte mit einer bescheidenen Palette von zumeist seit Jahrzehnten genutzten Antibiotika Tiere in der Landwirtschaft erfolgreich behandeln, hat sich die Situation in deutschen Krankenhäusern deutlich verschlechtert. Wie aus einer Antwort der Bundesgesundheitsministerium auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion zu entnehmen ist, sind resistente Erreger in Krankenhäusern auf dem Vormarsch.

Je nach Erregerart stieg der Anteil an Keimen, die gegen alle modernen Antibiotika wenig oder unempfindlich sind, in den letzten fünf Jahren um 50 bis 200 Prozent. In deutschen Kliniken haben sich auch durch Urlaubsreisende und Patienten aus der sogenannten „Dritten Welt“ und den Schwellenländern antibiotikaresistente Problemkeime angesiedelt.

Wissenschaftler warnen schon länger vor Bakterien, die gegen fast alle Antibiotika resistent sind. Die zuerst in Indien und Pakistan verbreiteten NDM-1-Keime gelangten nach Europa über Menschen, die sich in Indien einer Schönheitsoperation zum Schnäppchenpreis unterzogen hatten. Die sogenannte „New Delhi metallo-beta-Lactamase 1“ (NDM-1) macht Echerichia-coli-Bakterien und Klebsiella pneumoniae resistent auch gegen Reserveantibiotika (8).

Das Robert Koch-Institut mahnte im Oktober 2011 (2) deutsche Kliniken bei der Behandlung von kriegsverletzten Patienten aus Libyen äußerste Vorsicht walten zu lassen (Einzelzimmer Kontaktisolierung). Bei den bei dieser Patientengruppe nachgewiesenen Erregern handelt es sich u. a. um Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE), Extended-spectrum Beta-Laktamase (ESBL)-produzierende Enterobacteriaceae, Carbapenemase-produzierende Enterobacteriaceae (CPE), Carbapenem-resistente Acinetobacter baumannii und Carba penem-resistente Pseudomonas aeruginosa.

„Iraqibacter“

Aktuell warnt das RKI (3) deutsche Kliniken vor dem Erreger Acinetobacter baumannii, der Harn-, Wund- und Atemwegsinfektionen bis hin zur schwersten Lungenentzündungen und Sepsis verursachen kann. Da der Erreger häufiger Verursacher von Wundinfektionen (> 30 %) bei US-Soldaten ist, die bei Einsätzen im Irak und in Afghanistan verwundet wurden, hat sich umgangssprachlich die Bezeichnung „Iraqibacter“ eingebürgert. Der „Iraqibacter“ scheint ein Schmelztiegel für verschiedenste Resistenzen zu sein, die von dort an andere Keime weitergegeben werden.

Aus dem Gulli!

Clogmia albipunctata[Foto: Luis Miguel Bugallo Sánchez] Bei der Verbreitung innerhalb deutscher Kliniken spielt offensichtlich die aus dem Mittelmeerraum stammende Schmetterlingsmücke (Clogmia albipunctata) eine „übertragende Rolle“. Das Insekt mit Migrationshintergrund ist in den Sanitärbereichen deutscher Kliniken heimisch geworden. Dort kommen die Larven in den Abflüssen in intensiven Kontakt zum „Iraqibacter“ und tragen ihn dann zu Patienten und in Behandlungsräume weiter.

Unterschiedliche Entwicklung im europäischen Vergleich

mrsa-ratenEin Vergleich der MRSA-Raten (MRSA = Methicilin-resistenter Staphylococcus aureus) zwischen Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden zeigt neben den Niveauunterschieden auch die deutlich unterschiedlichen Entwicklungsdynamiken im Zeitraum von 1999 bis 2010. Der nahezu unverändert niedrigen MRSA-Rate in den Niederlanden steht eine von 1999 bis 2001 steil ansteigende und seitdem stetig sinkende MRSA-Rate in Großbritannien sowie eine zu Beginn kräftig zunehmende, dann auf hohem Niveau stagnierende Rate in Deutschland gegenüber (1). In den Niederlanden hat man bereits in den 80er Jahren mit der Bekämpfung von MRSA durch eine spezielle MRSA-Strategie begonnen. Diese Strategie besteht, neben dem isolierten versorgen von Patienten mit MRSA, aus dem aktiven aufspüren (search) und behandeln von Patienten mit MRSA (destroy). Die niederländische Strategie wird darum auch search-and-destroy Strategie genannt. In Deutschland wurden MRSA erst später als Ursache von Krankenhausinfektionen erkannt. Dadurch hat sich MRSA in deutschen Gesundheitseinrichtungen viel stärker ausgebreitet, weil dort eine Bekämpfungsstrategie erst später etabliert wurde (7).

Niederlande: Viel Vieh; wenig MRSA

Das Beispiel Niederlande mit seiner intensiven Viehwirtschaft zeigt auch, dass es möglich ist, Krankenhäuser und Patienten vor MRSA zu schützen und kein direkter Zusammenhand zwischen dem Antibiotikaeinsatz bei Tieren besteht.

Erst kürzlich hatten Wissenschaftler vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge das Erbgut von Salmonellen des Typs Salmonella typhimurium DT104 analysiert, die in den letzten 22 Jahren in Schottland isoliert worden waren. Hierzu gehörten 142 Isolate von Patienten und 120 Isolate von Tieren, zumeist Rindern. Zusätzlich wurden 111 Isolate von Mensch und Tieren aus anderen Ländern in die Erbgutanalyse einbezogen. Das Ergebnis der Untersuchungen überraschte die Wissenschaftler. Die Salmonellen von Menschen und Tieren hatten keinen einheitlichen Stammbaum. Die bei den Tieren isolierten Bakterien unterschieden sich deutlich von denen, die beim Menschen Krankheiten ausgelöst hatten. Ein gemeinsamer Ursprung der multiresistenten Bakterien sei nicht erkennbar (4).

Vergleichbare Ergebnisse legten Humanmediziner des „Universitair Medisch Centrum“ (UMC) in Utrecht unlängst anlässlich eines Kongresses in Berlin (23nd European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (23nd ECCMID)) (5) vor. Sie hatten sich mit der Frage beschäftigt, ob die ESBL-Coli-Keime beim Menschen mit denen beim Geflügel identisch sind. Wie die Wissenschaftler mittels einer sogenannten Sequenzanalyse des Erbgutes feststellen konnten, waren die antibiotikaresistenten Keime nicht identisch (5).

Brennpunkt Krankenhaushygiene

An vielen deutschen Krankenhäusern besteht offensichtlich noch erheblicher Nachholbedarf bei der Händehygiene. Im April diesen Jahres bejubelte die vom Nationales Referenzzentrum für die Surveillance nosokomialer Infektionen, dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. und der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung e.V. getragenen „AKTION Saubere Hände“ in einer Pressemitteilung eine „Steigende Zahlen bei Händedesinfektion in Krankenhäusern“. „Das ist eine große Leistung, denn die richtige Händehygiene bedeutet
einen veränderten Arbeitsablauf und eine Umstellung von Gewohnheiten“, sagte Dr.
Christiane Reichardt, Koordinatorin der „AKTION Saubere Hände“. Gerade im hektischen Arbeitsalltag eines Krankenhauses, sei es nicht immer einfach, solche Veränderungen durchzuhalten. Die „AKTION Saubere Hände“ setzt sich seit vielen Jahren für die verbesserte Händehygiene in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen ein. Jährlich gibt es in Deutschland etwa 500.000 Fälle von Krankenhausinfektionen (nosokomiale Infektionen), europaweit rund drei Millionen. Sie führen zu zusätzlichem Leid für Patienten, längeren Liegezeiten und immensen zusätzlichen Kosten für das Gesundheitswesen. In Europa sterben laut Expertenschätzungen rund 37.000 Menschen jährlich an den nosokomialen Infektionen, heißt es in der Pressemitteilung weiter (6).

Der Bundesverband der Deutschen Chirurgen e.V. informiert mit lustigen Filmchen Ärzte über die häufigsten Hygienefehler im Krankenhaus.

(1) Dr. Bernard Braun (BIAG)
Multiresistente Erreger im Krankenhaus: Eine Analyse mit hkk-Routinedaten
hkk Gesundheitsreport 2013

(2) Robert Koch Institut
Zum Auftreten multiresistenter Erreger bei in EU-Ländern behandelten libyschen Patienten
Epidemiologisches Bulletin, 17. Oktober 2011 / Nr. 41, S. 379

(3) Robert Koch Institut
Acinetobacter baumannii – ein Krankenhauskeim mit beunruhigendem Entwicklungspotenzial
Epidemiologisches Bulletin 12. August 2013 / Nr. 32, S. 295 – 299

(4) Mather, A. E. and Reid, S. W. J. and Maskell, D. J. and Parkhill, J. and Fookes, M. C. and Harris, S. R. and Brown, D. J. and Coia, J. E. and Mulvey, M. R. and Gilmour, M. W. and Petrovska, L. and de Pinna, E. and Kuroda, M. and Akiba, M. and Izumiya, H. and Connor, T. R. and Suchard, M. A. and Lemey, P. and Mellor, D. J. and Haydon, D. T. and Thomson, N. R.,
Distinguishable Epidemics of Multidrug-Resistant Salmonella Typhimurium DT104 in Different Hosts
Science Express 2013 DOI: 10.1126/science.1240578

(5) M. de Been, J. Scharringa, Y. Du, J. Hu, Z. Liu, Y. Lei, Z. Cen, J.W.T. Cohen Stuart, A. Fluit, M.A. Leverstein-van Hall, M.J.M. Bonten, R. Willems, W. van Schaik
Whole genome sequence-based epidemiological analysis of ESBL-producing Escherichia coli.
23nd European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (23nd ECCMID)
27 – 30 April 2013, Berlin, Germany.

(6) Pressemitteilung: Steigende Zahlen bei Händedesinfektion in Krankenhäusern, April 2013
„AKTION Saubere Hände“
Träger der Aktion:
Nationales Referenzzentrum für die Surveillance nosokomialer Infektionen
Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.
Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung e.V.

(7) Harbarth S, Pittet D.
Methicillin-resistant Staphylococcus Aureus.
Lancet Infect Dis 2005;5, S. 653-63.

(8) Kumarasamy KK, Toleman MA, Walsh TR, Bagaria J, Butt F, Balakrishnan R, Chaudhary U, Doumith M, Giske CG, Irfan S, Krishnan P, Kumar AV, Maharjan S, Mushtaq S, Noorie T, Paterson DL, Pearson A, Perry C, Pike R, Rao B, Ray U, Sarma JB, Sharma M, Sheridan E, Thirunarayan MA, Turton J, Upadhyay S, Warner M, Welfare W, Livermore DM, Woodford N.
Emergence of a new antibiotic resistance mechanism in India, Pakistan, and the UK: a molecular, biological, and epidemiological study.
Lancet Infect Dis. 2010 Sep;10(9) S. 597-602. doi: 10.1016/S1473-3099(10)70143-2. Epub 2010 Aug 10.

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