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Lebensmittelabfälle: Artgerechte Vollwertkost für Schweine

Hannover (aho) – Mit Lebensmittelabfällen läßt es sich trefflich mästen. Das ist das Fazit einer Studie des Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die Vor- oder Nachteilen des Einsatzes von Speiseresten und Kartoffelschälabfällen als Futterkomponenten in der Mastschweinefütterung untersuchte.

Die Untersuchung fand auf einem Schweinemastbetrieb unter identische Umweltbedingungen mit 5000 Tieren gleicher Herkunft statt, welcher wöchentlich 150 t Speisereste und Kartoffelschälabfälle verfüttert. Ausgewertet wurden drei Mastdurchgänge mit insgesamt 1200 Tieren. Als Kontrollgruppe dienten Schweine, die mit Getreide und Sojaextraktionsschrot gemästet wurden. Erfaßt wurden die Futterinhaltsstoffe, die Rationsgestaltung, die Mastleistung, der Gesundheitszustand, das Stallklima, die Schlachtkörperqualität und die Ökonomie.

Die Ergebnisse:

Die Analysen der Nebenproduktkomponenten Speisereste und Kartoffelschälabfälle zeigten, dass es sich um Futterkomponenten mit einer hohen Schwankungsbreite hinsichtlich der Nährstoffgehalte handelt.

Alle Futterproben der verschiedenen Mastfutter wiesen ein Nährstoffspektrum auf, mit dem eine tierart- und bedarfsgerechte Versorgung der Mastschweine in den einzelnen Mastabschnitten gewährleistet werden konnte.

Die in der Nebenproduktgruppe erreichte durchschnittliche Tageszunahme von 740 g bei einem Futteraufwand von 2,93 war nicht wesentlich geringer als in der Getreidegruppe mit 755 g bzw. 2,89.

Die Kotkonsistenz war in der Nebenproduktgruppe dünnbreiiger als in der Getreidegruppe. Dementsprechend waren die Tiere und Stalleinrichtungen in der Nebenproduktgruppe stärker verschmutzt. Die Luftammoniakgehalte waren in der Nebenproduktgruppe geringer als in der Kontrollgruppe. Dieses ist vermutlich durch eine geringe renale N-Ausscheidung zu erklären. Bei der Gülleuntersuchung wurden deutlich höhere Stickstoffwerte in der Nebenproduktgruppe festgestellt.

Bei der Schlachtkörperuntersuchung zeigten die Tiere beider Versuchsgruppen einen vergleichbaren Ausschlachtungsgrad (ca. 80,3 %) und Magerfleischanteil (ca. 56,5 %). Das Fettsäurenmuster ergab im Rückenspeck keine Unterschiede, allerdings zeigten sich geringfügig höhere Anteile ungesättigter Fettsäuren im Flomenspeck der Nebenproduktgruppe.

In der Nebenproduktgruppe errechnete sich auf Grund der niedrigeren Futterkosten ein um 8,51 € höherer Deckungsbeitrag pro Mastschwein.

Bemerkenswert waren die Unterschiede beim Gesundheitsstatus der Tiere. In beiden Gruppen zeigten sich im ersten Mastdurchgang Atemwegserkrankungen.

In der Kontrollgruppe trat bei den rein vegetarisch ernährten (Soja und Getreide) Schweinen in allen Mastdurchgängen Schwanzkannibalismus (Schwanzbeißen) auf. In der Versuchsgruppe, die mit den Lebensmittelabfällen auch tierisches Eiweiß in Form von Fleisch, Wurst und Milchprodukte erhielten, trat diese Verhaltensanomalie nicht auf. Im Betrieb wurde bereits zuvor die Beobachtung gemacht, dass mit Beginn der Nebenproduktfütterung das Problem des Kannibalismus, insbesondere des Schwanzbeißens, nicht mehr auftrat. (1)

Ähnliche Beobachtungen wurden auch schon von Wissenschaftlern des Roslin Institutes in Edinburgh, Scotland, gemacht. Nach ihren Feststellungen tritt dann lebensbedrohliches Federpicken bei Hennen mit Auslauf besonders häufig auf, wenn sie gänzlich vegetarisch ernährt werden. In ihren Versuchen differierten die gefütterten Rationen nicht im Bezug auf Rohprotein, essentiellen Aminosäuren, Vitaminen und Mineralien. Allein die Auswahl des Eiweissträgers war entscheidend. Bei den vegetarischen Hennen war es Soja, bei den konventionellen Hennen Fischmehl. (2)

Die Studie des Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover belegt, dass eine Fütterung von Mastschweinen auf einer Basis von Speiseresten und Kartoffelschälabfällen ein hohes Leistungsniveau ermöglicht. Weder die Tiergesundheit noch die Schlachtkörperqualität waren in der Nebenproduktgruppe nachteilig beeinflusst. Daher scheint der Einsatz von Nebenprodukten in der Fütterung von Schweinen unter diesen tierärztlich relevanten Aspekten durchaus gerechtfertigt. Zusätzlich zu den ökonomischen Vorteilen sollte auch die Rezyklierung vorhandener Ressourcen in der Diskussion um die Verwendung entsprechender Produkte berücksichtigt werden.

Ob die im Soja enthaltenden Phytoöstrogene für die Verhaltensanomalien bei den Schweinen und Legehennen verantwortlich sind, ist bisher nicht abschließend geklärt. Denkbar ist auch, daß Allesfresser wie Schweine und Hühner auf bestimmte bisher nicht analysierte Komponenten in Futtermitteln tierischer Herkunft angewiesen sind. Es sollte deshalb geprüft werden, ob es artgerecht ist, Allesfresser zu „Zwangsvegetarier“ zu machen. Zudem verbietet § 3 des Futtermittelgesetzes, “ Futtermittel in Verkehr zu bringen, die bei Verfütterung …….. geeignet sind, die Gesundheit von Tieren zu schädigen“. Ebenso verbietet es das Tierschutzgesetz ebenfalls im § 3 „einem Tier Futter darzureichen, das dem Tier erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden bereitet“.

(1) Reinhard Schlüter
Auswirkungen des Einsatzes von einem Flüssigfutter aus thermisch vorbehandelten Speiseresten und Kartoffeln auf die Mastleistungen, Gesundheitsstatus, Schlachtkörperqualität und Ökonomie in der Schweinemast
Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover Dissertation, 2002

(2) McKeegan, D.E.F. u. Savory, C.J.
Feather pecking and dietary protein
Poultry International, Dec, 1999, S. 48 – 50

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