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Happach-Kasan: Rätselhafte Rindererkrankungen intensiv erforschen

Berlin (FDP) – Auf Antrag der Koalitionsfraktionen berichtete die Bundesregierung kürzlich über den aktuellen Kenntnisstand über die rätselhaften, multifaktoriellen Erkrankungen beim Milchvieh. Dazu erklärt die Sprecherin für Ernährung und Landwirtschaft der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel HAPPACH-KASAN:

Die schwerwiegenden Erkrankungen von Rindern, besonders in den Milchviehregionen im Norden Deutschlands, geben Anlass zur Sorge. Es gilt, die Ursachen der rätselhaften und mit unterschiedlichsten Symptomen auftretenden Krankheit schnellstmöglich zu finden. Die Bezeichnung als „chronischer Botulismus“ suggeriert, dass die Ursache der Erkrankungen bekannt sei. Dies ist nicht der Fall. Keine der vielen kursierenden Hypothesen wurde bisher wissenschaftlich bestätigt. Weder eine intensive Rinderhaltung konnte bisher als Krankheitsursache nachgewiesen, noch ein Zusammenhang mit der Verbringung von Gärabfällen von Biogasanlagen hergestellt werden. Es gibt Hinweise, dass insbesondere Betriebe in Nordwestdeutschland betroffen sind, während die großen Betriebe in den neuen Bundesländern mit mehr als 500 Tieren und Regionen mit einer hohen Tierdichte wie beispielsweise Südbayern unauffällig sind. Warum dies so ist, ist nicht bekannt. Besonders auffällig ist, dass aus unseren Nachbarstaaten keine Krankheitsfälle gemeldet werden.

Die von Interessengruppen geförderte Verunsicherung ist hier völlig fehl am Platz. Es gibt keine Alternative zu einer gründlichen wissenschaftlichen Untersuchung, die von der Futtermittelqualität über Hygienemanagement in den Betrieben bis zu Krankheitserregern alle denkbaren Ursachen systematisch berücksichtigt. Es ist auch nicht erwiesen, welchen Anteil das Bakterium Clostridium botulinum am multi-faktoriellen Krankheitsgeschehen hat. Dieses Bakterium kommt überall in der Natur vor und kann als Sporenbildner widrige Umweltbedingungen überdauern. Der in der letzten Legislaturperiode im Rahmen des Förderschwerpunktes „Zoonosen“ mit einem Volumen von 2,4 Millionen Euro geförderte Forschungsverbund zu Botulismus von sieben Einrichtungen hat während der dreijährigen Laufzeit des Projekts keine greifbaren Ergebnisse erbracht, eine Zwischenevaluation eines internationalen Gutachter-Teams hat es nicht zur Fortführung empfohlen. Es wird zu überprüfen sein, wie es dazu gekommen ist, dass ein so hoher Betrag für einen derart kleinen Erkenntnisgewinn aufgewendet wurde. Es ist nicht akzeptabel, dass beteiligte Wissenschaftler zwar in den Medien Darstellungen veröffentlichen, aber nicht in der Fachpresse. Es ist Aufgabe der Ressortforschung, und ihre einzige Existenzberechtigung, die Bundesregierung wissenschaftlich zu beraten. Es ist überfällig, dass sie sich mit diesem für landwirtschaftliche Betriebe existentiellen Problem beschäftigt und Lösungen erarbeitet. Die FDP unterstützt die vom BMELV geplante Vergleichsstudie, als einen ersten Schritt zur Ermittlung der Krankheitsursache. Die Bedeutung des Bakteriums Clostridium botulinum beim chronischen Krankheitsgeschehen muss geklärt werden. Dafür ist es erforderlich, dass ein reproduzierbarer Nachweis für Clostridien-Gifte entwickelt wird, der ohne Versuchstiere auskommt. Ein Ringversuch des Friedrich-Löffler-Institutes hat die Unzuverlässigkeit derzeitiger Tests deutlich gemacht.

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