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Eperythrozoonose: Das Krankheitsbild wird häufig mit PRRS verwechselt

(aho) – Immer häufiger wird der Blutparasit Mycoplasma haemosuis (früher „Eperythrozoon suis“) nachgewiesen. Dr. M. Stein, Tierarzt aus Gyhum, berichtet.

Auf Betrieben, die mit PRRS – Erscheinungen zu kämpfen haben, wird häufig der Blutparasit „Mycoplasma haemosuis“ nachgewiesen. Dort trägt er durch seine Schadwirkung zum Krankheitskomplex bei. Der Erreger vermehrt sich auf den roten Blutkörperchen ( Erythrozyten ) und zerstört sie. Im akuten Krankheitsfall treten als Folge von Durchblutungsstörungen mit Gefäßverstopfung durch verklumpte rote Blutkörperchen in kühleren Körperteilen ( Ohr, Schwanz ) blaurote Gefäßzeichnungen, Blauverfärbungen und bisweilen abgestorbene Schwänze und Ohren auf. Hinzu können noch eine Vielzahl anderer Symptome, die in diesem Bericht beschrieben werden.

Wie infiziert sich das Schwein?

Die Infektion erfolgt über das Blut oder Blutbestandteile, die den Erreger enthalten. Sie kann schon im Mutterleib erfolgen. Ebenso kommen blutsaugende Läuse und verschmutzte Instrumente ( Kastrationsmesser, Kanülen ) als Übertragungsquelle in Betracht. Die Gefahr der Erregerverbreitung durch den Tierverkehr ist ständig gegeben, ebenso die durch latent infizierte Zuchtsauen. Schweine können unerkannt infiziert sein.

Erst eine massenhafte Erregervermehrung führt zum akuten Krankheitsausbruch. Sie treten vor allem bei jüngeren Schweinen während der Sommermonate auf. Stressoren wie Stallwechsel, Absetzen, Geburt, plötzlich veränderte Haltungs – und Fütterungsbedingungen, Verletzungen, Kastrationen, Parasitenbefall oder andere Infektionskrankheiten – so z.B. das PRR-Syndrom – erhöhen die Anfälligkeit für die Eperythrozoonose. Bei älteren Schweinen ist das Krankheitsbild häufig relativ uncharakteristisch. Oftmals mitbeteiligt am Krankheitsgeschehen sind Ekto – und Endoparasiten oder Magen – Darm – Erkrankungen.

Verzögertes Wachstum, verlängerte Aufzucht- und Mastzeiten, Fruchtbarkeitsstörungen sowie herabgesetzte Widerstandskraft gegenüber andere Stressfaktoren sind für den befallenen Bestand von größerer wirtschaftlicher Bedeutung als die eher seltenen Todesfällen. Zumeist verläuft die Erkrankung unterschwellig. Die auffälligsten Symptome sind Fieber, Blässe und Gelbsucht. Unspezifische Symptome, ein schleichender Verlauf oder die eher zufällige Anwendung von Tetracyclin-Präparaten können die Infektion verschleiern. Je nach Alter und Gewichtsklassen werden vielfältige Krankheitserscheinungen zu erwarten:

Ferkel

Ferkel infizierter Sauen weisen vergleichsweise zu gesunden Würfen geringere Geburts- und 3-Wochen – Gewicht auf, Saug- und Freßunlust sowie einen höheren Grad von Blutarmut, die sich auch nicht durch die Eisenspritze beheben läßt. Die Ferkel sind bereits in der ersten Lebenswoche blaß bzw. gelblich und vermehrt anfällig gegenüber weitere Erkrankungen, die folgenschwer zu erhöhten Verlusten führen. Betroffene Würfe wachsen stark auseinander, Einzeltiere werden langhaariger, haben einen unzureichende Ernährungszustand und kümmern.

Läufer und Mastschweine

Vorwiegend bei diesen Gruppen treten die augenfälligen Krankheitserscheinungen wie Blässe, Gelbsucht und Fieber bis 42° C im akuten Krankheitsfall auf. Die Tiere werden schnell hinfällig und kurzatmig. Dies wird häufig zusammen mit dem Fieber als Symptome einer Lungenentzündung gedeutet und es wird eine Behandlung eingeleitet.

Die betroffenen Schweine ermüden sehr leicht, trauern und liegen viel in Bauchlage. Die Haut wird blaß, erste Anzeichen von Gelbsucht zeigen sich an den Bindehäuten der Augen und setzen sich vom Halsbereich ausgehend über den gesamten Körper fort. Bläulich verfärbte Adern, Blutungen unterschiedlicher Größe, pockenähnliche Hautausschläge, Ohrrandverfärbungen oder Ohrspitzennekrose können auftreten. Das Krankheitsbild erinnert manchmal beim ersten Hinsehen an Schweinepest. Im fortgeschrittenen Stadium sinkt die Körpertemperatur auf normale, im Todeskampf auf unternormale Werte ab.

Kurzfristig auftretende allergische Reaktionen oder eine gelbgrüne, gallefarbene Kotverfärbung wurden beobachtet. Es erkranken nur maximal fünf Prozent, hiervon sterben aber der größte Teil, wenn nicht die wahre Ursache erkannt und richtig behandelt wird. Wachstumstörungen, Hautveränderungen, bakterielle Infektionen, Parasitenbefall und Rückschläge stellen sich häufig bei überlebenden Tieren ein.

Im Sauenstall

Bei akut erkrankten Sauen können ein bis drei Tage lang Appetitlosigkeit, Fieber bis 42° C, Schwellung von Gesäuge und Schamlippen und gelbliche Bindehäute, häufig wenige Tage nach Belastungen wie Umstallen oder Absetzen, auftreten. Manchmal findet man zum Erschrecken von Tierarzt und Landwirt auch hier fleckige Blutungen unter der Haut (Morbus maculosus). Sie erinnern im ersten Moment an Schweinepest. Chronische Infektionen führen zu Kümmern, Blässe, Gewichtsverlust und vermögen das Bild des sog. „thin sow syndrom“ ( magere Sauen ) auszulösen.

Folgeerscheinungen sind weiterhin: Embryonaltod, Abort, abgestorbene oder lebensschwache Ferkel, verringerte Geburtsgewichte, zunehmende Fruchtbarkeitsstörungen. Krankheitsbegünstigend bzw. komplizierend wirken das MMA – Syndrom, bakterielle Infektionen, Belastungen durch Haltungs- und Fütterrungsfehler sowie Räude. Das Wiederaufflackern der Erkrankung ist jederzeit möglich, da vermutlich nur eine kurzzeitige Immunisierung eintritt. Häufig werden an Hand dieser Symptome das PRR – Syndrom diagnostiziert, was dann aber durch Blutproben auf PRRS oft nicht bestätigt wird.

Exakte Diagnose stellen

In Verdachtsfällen können die Krankheitserscheinungen im Bestand, Veränderungen des Blutbildes und der Erregernachweis zur Sicherung der Diagnose herangezogen werden. Die drei Symptome “ Blässe – Gelbsucht – Fieber“ und eine rasche Besserung des Krankheitsbildes durch die Anwendung von Oxytetracyclin – Injektionspräparaten und Tetracyclinarzneimittelvormischungen lassen die Verdachtsdiagnose „Eperythrozoonose“ zu. Weitere Anhaltspunkte bilden die sonstigen Krankheitserscheinungen. Deutliche Hinweise ergeben sich bei der Blutuntersuchung erkrankter und klinisch unverdächtiger Tiere. Das Blut erkrankter Tiere ist wäßrig und gerinnt nach Abkühlung im Blutprobenröhrchen grießartig. Der Eisen – Gehalt im Blut geht kurzfristig stark zurück.

Der alleinige Nachweis von „Eperythrozoon suis“ im Blut ist nicht für die Erklärung von Gesundheitsproblemen ausreichend. Erst wenn mehrere der geschilderten Symptome zutreffen, gilt die Diagnose als gesichert. Die Eperythrozoonose muß von anderen Krankheitsbildern unterschieden werden. So z.B. von Magengeschwüren, fütterungsbedingtem Eisenmangel, Würmern oder der fehlenden Eisenspritze bzw. der unzureichenden Dosierung von Eisenpräparaten bei Saugferkeln.

Therapie

Als Mittel der Wahl hat sich Tetracyclin bzw. Chlortetracyclin oder Oxytetracyclin bewährt. Es führt rasch zur klinischen Heilung und Reduzierung der Parasiten im Blut. Eine totale Eliminierung des Erregers wird jedoch nicht erreicht, so daß man diesen Blutparasiten „im Auge behalten“ muß. Zur Behandlung bzw. Vorbeuge eignen sich Tetracyclin – Dosierungen von etwa 1000 g / t Mischfutter. Ebenso eignet sich eine einmalige Injektion von Langzeitoxytetracyclin, sowie einfache Oxytetracyclin – Injektionspräparate 2 mal im Abstand von 24 Stunden. Mit Medizinalfutter lassen sich Krankheitsausbrüche während der Behandlungszeit vermeiden. Zusätzlich erhalten betroffene Tiere Eiseninjektion.

Zur Vorbeuge werden alle Maßnahmen ergriffen, die den Hygienestatus verbessern. So auch die konsequente Endo – und Ektoparasitenbekämpfung und eine sorgfältige Desinfektion von Instrumenten. Besonders bei blutigen Eingriffen ( Kastrationen ) ist Sorgfalt geboten.

Fazit:

Die Eperythrozoonose dürfte insbesondere im Sauenstall häufig mit dem PRR – Syndrom verwechselt werden. Es wird wieder einmal deutlich, wie wichtig eine exakte Diagnose ist.

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