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Niedersachsen: Gewässer sollen nach multiresistenten Keimen untersucht werden

[Das Problem antibiotikaresistenter Keime, die aus Kläranlagen in die Umwelt gelangen, ist seit mehr als einem halben Jahrhundert in der Fachliteratur dokumentiert.]

Hannover (aho) – Um die Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien in der Umwelt zu untersuchen, hat Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies eine Beprobung von Gewässern in Niedersachsen angekündigt. Die Ergebnisse sollen bis zum Sommer vorliegen. Hierzu sollen an die 200 Proben an verschiedenen Stellen genommen werden, darunter Standorte an Kläranlagen, in Regionen mit einer hohen Viehdichte, sowie an Stellen, an denen bereits die Gewässergüte beprobt wird. Untersucht werden sollen ebenfalls Stellen im Küstenbereich sowie vermeintlich unbelastete Standorte, so das Umweltministerium in einer Presseinformation.

Umweltminister Olaf Lies: „Wir wissen zur Zeit noch zu wenig über die Wirksamkeit und Übertragungswege von Resistenzen über den Pfad der Umwelt. Ebenso gibt es momentan weder national noch international Kriterien oder Grenzwerte zur Bewertung von multiresistenten Keimen. Nur Badegewässer werden in der Badesaison auf Keime untersucht. Andere Gewässer werden zwar auf Schadstoffe, nicht aber auf multiresistente Keime untersucht. Der Gesetzgeber hat dafür bisher keine Veranlassung z.B. in der Wasserrahmenrichtlinie gesehen. Wir haben also Wissenslücken.“

Minister Lies fordert den Bund auf, sich aktiv in den Prozess der Datenerhebung und der Schaffung von Bewertungsmethoden einzubringen. „Wir brauchen bundesweite Standards“, sagte Lies. Dies habe er auch bereits in einem Brief an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks deutlich gemacht. „Es ist notwendig die Kenntnisse über die Menge, die Risiken und die Bekämpfung multiresistenter Keime in Gewässern zu verbessern. Um verlässliche Daten zu erhalten, sollten Bund und Länder in diesem Punkt stärker zusammenarbeiten“, sagte Lies.

Das Land selbst beschäftigt sich bereits seit 2016 intensiv mit diesem Thema. Damals hat der Interministerielle Arbeitskreis der Niedersächsischen Landesregierung eine Strategie gegen Antibiotikaresistenz beschlossen und 2017 den Abschlussbericht für eine Antibiotikastrategie vorgelegt. Die Strategie verfolgt den sogenannten „One-Health-Ansatz“, nach dem die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt in Beziehung stehen und somit auch gemeinsam betrachtet werden müssen.
Die wirkungsvollste Eindämmung von Multiresistenzen liegt demnach in einem verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika in der Human- und in der Tiermedizin. In Letzterer konnte auch schon ein beachtlicher Erfolg verbucht werden: mit dem von Niedersachsen entwickelten bundesweiten Antibiotikaminimierungskonzept konnte erreicht werden, dass sich der Einsatz von Antibiotika im Bereich der Nutztierhaltung seit dem Jahr 2011 insgesamt um mehr als 50 Prozent reduziert hat.

Anm. d. Red.: Das Problem antibiotikaresistenter Keime, die aus Kläranlagen in die Umwelt gelangen, ist seit mehr als einem halben Jahrhundert in der Fachliteratur dokumentiert.

Ropapharm

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