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Das aktuelle aho-Interview: Und plötzlich stand das Veterinäramt auf dem Hof

Schweineschlachtband_01[Schweine werden am Schlachthof streng kontrolliert!] (aho) – Die deutsche Schweineproduktion und Fleischwirtschaft steuern unausweichlich auf einen Ausstieg aus der chirurgischen Ferkelkastration im Jahr 2019 zu. Schon jetzt stehen in vielen Mastställen unkastrierte Eber. Dabei können Ebermäster unberechtigt ins Visier der Veterinärämter geraten, wie Tierarzt Thomas Nienhaus aus Hamminkeln im Interview mit aho berichtet.

aho: Im Juni diesen Jahres wurde ein von Ihnen betreuter Schweinemastbetrieb vom Veterinäramt „auf den Kopf gestellt“. Was war passiert?

Nienhaus: Der Anruf erreichte mich am frühen Nachmittag. Mein Kunde berichtete mir aufgeregt, dass er gerade eine Kontrolle durch das Veterinäramt hatte. Er stände aufgrund eines positiven Schlachttierbefundes unter Verdacht, illegal bei seinen Schweinen Hormone eingesetzt zu haben.

aho: Hormone? Was war denn da passiert?

Nienhaus: Am Schlachthof war bei einem unkastrierten Eber eine Urinprobe gezogen worden. Darin wurde dann das Hormon Nandrolon nachgewiesen. Nandrolon ist ein „Dopingmittel“ und ist auch beim Schwein verboten. Man kann sich vorstellen, dass bei solch einer Hiobsbotschaft jeder Landwirt erst einmal weiche Knie bekommt.

aho: Wie kommt Nandrolon ins Schwein?

Nienhaus: Seit mehreren Jahrzehnten ist bekannt, dass intakte Eber in sehr großen Mengen – und ich betone in sehr großen Mengen – völlig physiologisch das Hormon Nandrolon produzieren. Menschen, die solches Eberfleisch oder Wurstwaren konsumieren, sind – und das ist in der Fachliteratur belegt – im Dopingtest Nandrolon-positiv.

aho: Wie gestaltete sich der Einsatz des Veterinäramtes?

Nienhaus: Die beamteten Kollegen haben den Betrieb über mehr als drei Stunden eingehend durchleuchtet: Abgabebelege, Bestandsbuch, Rechnungen, Lieferscheine, Stallungen, und es wurden auch weitere Proben von Schweinen im Bestand genommen. Für meinen Kunden war das schon verstörend. Es stand in Verdacht, illegal Hormone angewendet zu haben. Das ist ein Kriminaldelikt!

aho: Und wie war das Endergebnis?

Nienhaus: Alles ok! Dem Landwirt war kein Vorwurf zu machen. Wie ich erwartet hatte, wurde erkannt, dass es sich um die völlig natürliche Nandrolon-Produktion eines unkastrierten Ebers gehandelt hatte.

aho: Zu guter Letzt wie immer die Frage: Welche Konsequenzen sind zu ziehen?

NienhausNienhaus: Allen Beteiligten in der Produktions- und Vermarktungskette Ebermast – Tierärzte, Ämter, Landwirte, Berater, Fleischindustrie und Lebensmitteleinzelhandel – müssen sich bewusst sein, das unkastrierte Eber das Hormon Nandrolon in großen Mengen produzieren. Das muss ehrlich kommuniziert werden. Es kann nicht sein, dass dieses Hormon Ebermäster latent einem schlimmen Verdacht aussetzt. Auch dann nicht, wenn das Veterinäramt nach einer mehrstündigen Aktion dem Landwirt die Absolution erteilt. In diesem Fall trifft es gerade die Mäster, die genau das machen, was Politik und Verbraucher wünschen, nämlich unkastrierte männliche Schweine mästen.

Das Problem Nandrolon ist eine Steilvorlage für selbsternannte Konsumentenschützer und radikale Tierrechtler. Ein Medienbericht über „Hormone im Schweinefleisch“ wäre katastrophal. Ich kenne übrigens keine Untersuchung, die dem dauerhaften Verzehr von Schweinefleisch und Wurstwaren mit Nandrolon ein Unbedenklichkeitssiegel ausstellt. Ich würde mich da gern belehren lassen!

Mit der Eberimpfung wäre die Gefahr gebannt. Ich rate dringend, das Problem vorurteilslos und unter Abwägung aller Fakten zu diskutieren.

aho: Wir danken für das Gespräch!

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