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Unrentabel, Aussteiger, mangelnder Tierschutz: Ökobranche übt Selbstkritik

[Federpicken und Kannibalismus)
Berlin/Bad Dürkheim (aho/lme) – Anlass für die Selbstkritik, die in der Zeitschrift ÖKOLOGIE & LANDBAU (H. 159, 3/2011) in ungewohnter Offenheit formuliert wird, ist die Tatsache, dass zahlreiche Biolandwirte wieder auf konventionell umstellen. Rund ein Dutzend Studien haben die Gründe hierfür ermittelt: Wenn die Förderung wegfällt, rechnet sich das Ganze nicht mehr. Dann baut man lieber eine Biogasanlage, da hier mehr Subventionen fließen (Beitrag: Behrens G et al: Der unbekannte Aussteiger. S. 43-46.)

Einen zweiter Grund nennt in ihrem Beitrag „Tierschutzlabel: Alles spricht dafür“ (S. 34-36) Frau Professor Ute Knierim von der Uni Kassel, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften. Sie kritisiert, dass Bio-Betriebe ihren Kühen den Weidegang verehrten und sogar die Anbindehaltung ganz legal nach den Ökorichtlinien praktiziert würden. Knierim zitiert weitere Beispiele: Mastschweine ohne Auslauf, die Mast schnellwachsender Puten, die Ferkelkastration oder das Ausbrennen der Hornanlagen bei Kälbern ohne Betäubung. In der ökologischen Geflügelhaltung ortet die Expertin weitere Missstände: Federpicken, Kannibalismus, gebrochene Brustbeine und Sterblichkeitsraten, die über denen in konventioneller Haltung liegen.

Dr. Rainer Oppermann vom Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut für Ökologischen Landbau fordert in seinem Beitrag „Mut zur politischen Debatte“ (S.50-52) die Biobranche deshalb auf, sich nicht vor der „Bewältigung der Defizite zu drücken“, sie müssten endlich „Verantwortung übernehmen“. Es ginge einfach nicht, wenn Missstände „bewusst verschwiegen“ würden. Die Lösung soll nun ein neues Tierschutzlabel bringen, damit die Ökokunden Bio-Produkte aus tierfreundlichen Haltung erkennen können.

Lesen und hören Sie hierzu einen Beitrag des Lebensmittelchemikers und Autoren Udo Pollmer in seiner sonntäglichen Kolumne „Mahlzeit“ bei Deutschlandradio Kultur.

10 Comments, Comment or Ping

  1. Gut, daß die bestehenden Defizite endlich angesprochen werden! Allerdings sollte man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. So sind unter den Gescheiterten auch etliche Glücksritter und Spekulanten, die den Profit sahen und nicht innerlich hinter dem Ökogedanken standen. Klar, daß deren Rechnungen nur unter Berücksichtigung staatlicher Zuschüsse aufgingen.
    Unbestritten ist, daß Weidegang-Möglichkeiten der Gesundheit der Rinder und Schweine guttun … so denn die Rahmenbedingungen, d.h. die Bodenbeschaffenheit und die Auslaufpflege stimmen. Auch sind Schweine auf schnell matschigem Marschboden oder in Senken, in denen sich Niederschläge nach starken Regenfällen sammeln, ein Unding!
    Schuld sind auch einige EU-Ökobestimmungen, die der Glaubwürdigkeit der Bio-Tierhaltungen schaden wie z.B. die 200-Tage-Auslaufregelung für Legehennen. Wieso diese Sonderregelung, die die Freilandhaltung (Eier-Code 1) – zum Glück – nicht hat?
    Zu nennen wäre nicht nur die Anbindung der Rinder, sondern ebenso die oftmals zu kurzen Liegeflächen.
    Das Tierwohl-Label sollte unbedingt kommen und auch der TÜV für Haltungssysteme … allerdings nur gekoppelt mit häufigen, unangemeldeten Überprüfungen und empfindlichen Bußgeldern, die neuen Verstößen vorbeugen.
    Übrigens sollte dem Hau-Drauf-Populisten Udo Pollmer weniger Beachtung geschenkt werden.

  2. Pater Brown

    Wem es egal ist, ob er seine Subventionen über eine Öko-Bewirtschaftung oder über ein „Bio“-Gas-Anlage einstreicht, der hat in der ökologischen Landwirtschaft sowieso nichts verloren. Wer auf „Bio“ nur aus Rentabilitätsgründen umgestiegen ist, geht besser heute als morgen zurück in den konventionellen Miststall. Der Öko-Bewegung wird es nur nützen, wenn die Trittbrettfahrer wieder draußen sind. Zum echten „Bio“ aus Überzeugung gibt es keine Alternative.

  3. Wohl wahr, „Pater Brown“. Wer Öko will, der sollte sich vor Pseudo-Ökos hüten, aber auch bereit sein, anständige Preise zu bezahlen, denn echte Öko-Produkte gibt es nicht zu Ramschpreisen. Übrigens hat u. E. „Neuland“ die besten Haltungsbedingungen für die Nutztiere, auch wenn Neuland-Bauern keinem Ökoverband angehören müssen. Immerhin stehen der Tierschutzbund dahinter (für den Tierschutzaspekt), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (für die Standespolitik gegen Agrarindustrialisierung) und der BUND (für den Umweltschutz). Einfach mal reinschauen bei:
    http://www.neuland-fleisch.de
    und nach Bezugsquellen suchen.

  4. Elisabeth Petras

    Der Satz, Biolandbau rechne sich nicht mehr, wenn die Förderung wegfällt, suggeriert, Biolandwirte würden mehr Förderung erhalten als Intensivtierhaltungen. Dies wäre durchaus gerechtfertigt, denn „Bio“ bringt ja nicht nru dem Verbraucher einen Nutzen über weniger Pestizid- und Antibiotikabelastung und geringerer Gefahr resistenter keime, sondern auch der gesamten Gesellschaft, deren Staatsziel (GG20a) des Tierschutzes auch der Förderung bedarf, wie ja z. B. auch die Kultur gefördert wird. Dies ist aber leider noch nicht in dem Maße der Fall, wie z. B. in unserem Nachbarland Österreich.

    Sinnvoll ist vor allem eine Förderung der Umstellung auf biologische Landwirtschaft. Diese wäre nötig, um mehr Bauern zum Umstieg zu bewegen – denn der Markt ist (wachsend!) da und die Nachfrage übersteigt oft das Angebot.

    Biologische Landwirtschaft zu verteufeln, wäre Unsinn, denn die Anforderungen liegen über denen der konventionellen Landwirtschaft und es gibt viele gut wirtschaftende Höfe, die z. B. Mobilställe einsetzen, wie der Bauck-Hof.

    Es gibt aber leider auch die schwarzen Schafe, gegen die die Verbände im eignen Interesse gegenangehen sollten, um den Ruf des Biolabels nicht zu gefährden! Auch sollten Herdengrößen (nicht Bestandsgrößen!) bei Geflügel generell auf 1..000 Tiere beschränkt werden, da das Management bei größeren Herden wegen der Sozialstruktur der Tiere in der Regel nicht funktioniert, da die Tiere wegenzu vieler untergruppen nicht mehr ins Freie gelangen. Auch wird eine gute Flächen- und Auslaufnutzung so erschwert.

    Da die Aufzucht im eigenen System wichtig ist, um Verhaltensstörungen zu minimieren, sollte hier mehr investiert werden – mit Beratung z. B. der BAT Beratung alternativer Tierhaltung, dem Institut für Tierschutz und Tierhaltung in Celle, dem Institut für Nutztierethologie in Kassel-Witzenhausen und/oder den Experten der IGN (ign-nutztierhaltung.ch).

    Wenn Frau Aigner der Tierschutz wirklich wichtig ist, sollte sie auch besonders kreative und funktionals Ideen wie das Hühnermobil (www.huehnermobil.de), die neben Tierschutz auch Umweltschutz bieten, fördern!

  5. manfred.stein

    Guten Tag Herr Eckard Wendt, AGfaN e.V.

    sie schrieben: „Übrigens sollte dem Hau-Drauf-Populisten Udo Pollmer weniger Beachtung geschenkt werden.“

    Warum? Haben Sie Belege für fachliche Fehler in den Aussagen von Herrn Pollmer? Bitte geben Sie doch einmal einige konkrete Beispiele.

    Mit interessierten Grüßen

    Manfred Stein

  6. Guten Tag, Herr Dr. Stein!
    Fast alle öffentliche Auftritte und Aussagen von Herrn Pollmer sind aufreißerisch und auf Effekthascherei ausgerichtet. Man nehme nur die Titel seiner Veröffentlichungen und die im Zusammenhang mit Interviews von den Redaktionen gewählten Überschriften. In Talkshows gefällt er sich in der Rolle des Enfant Terribles.
    Lesen Sie mal: Udo Pollmer: Ernährungsberatung? – Alles Quatsch! unter:
    http://www.wohl-bekomms.info/index.php?/archives/307-udo-pollmer-ernaehrungsberatung-alles-quatsch!.html

  7. manfred.stein

    Sehr geehrter Herr Eckard Wendt, AGfaN e.V.

    Herr Pollmer vertritt seine eigene Meinung und kann diese auch in den Medien kompetent vertreten. Ich kann Ihnen versichern, dass Herr Pollmer alle seine Aussagen mit Fachliteratur belegen kann. Pollmer hat eine Bibliothek, von der so manches Universitätsinstitit träumt.

    Auch seinen Beitrag bei Deutschlandradio Kultur zu dem Missständen im Ökolandbau hat er mit Literatur belegt: Oekologie & Landbau, die Ökoprawda der Biobranche. Ich kann mir natürlich vorstellen, dass das schmerzt.

    mfg

    Manfred Stein

  8. Gast

    „Wer auf “Bio” nur aus Rentabilitätsgründen umgestiegen ist, geht besser heute als morgen zurück in den konventionellen Miststall. Der Öko-Bewegung wird es nur nützen, wenn die Trittbrettfahrer wieder draußen sind. Zum echten “Bio” aus Überzeugung gibt es keine Alternative.“

    „Wer Öko will, der sollte sich vor Pseudo-Ökos hüten“

    Genau. Am besten etabliert man einen Gesinnungstest für Biolandwirte, und wer die Bachblütentherapie nicht in seinen Tagesablauf integriert hat, nicht nach den Mondphasen wirtschaftet oder gar mit seiner Arbeit GELD VERDIENEN will, der wird auf ewig verstoßen.
    Was sind sie denn für Träumer?

    Zum Thema Tierschutz:
    Jeder, der sich wirklich in der Branche auskennt, weiß, dass tierhaltende Biobetriebe häufig viel größere Abgangsraten als konventionelle Betriebe haben. Oder fragen sie doch einmal Mitarbeiter von Schlachthöfen, an den Biotiere geschlachtet werden, wie hoch dort die Verwurfraten sind oder wieviele Tiere mit tierschutzrelevanten Erkrankungen (z.B. schwere Parasitosen) dort auftauchen.

  9. manfred.stein

  10. Gast

    Vielen Dank für den Hinweis.

    Mich regt mittlerweile auf, dass immer häufiger so getan wird, als sei die biologische/ökologische Landwirtschaft die Lösung aller Probleme.
    Dabei gibt es in diesem Bereich viele Dinge, die nicht richtig laufen:

    • Wartezeitregelung nach AM-Einsatz (2 statt 0 Tage), die dazu führt, dass kranke Tiere nicht entwurmt werden – tierschutzrelevant
    • Verbot von Mehrfachbehandlung mit chemotherapeutischen Mitteln (Haltungsdauer unter einem Jahr), das dazu führt, das kranke Tiere nicht behandelt werden – tierschutzrelevant
    • Verbot von synthetischen Aminosäuren im Futter führt zu Kümmerwachstum – tierschutzrelevant
    • Massenhafter Einsatz von Kupfersulfat statt moderner Fungizide im Ackerbau -hochgradig toxisch für aquatische Lebewesen
    • Hoher Mykotoxingehalt im Futter und in Lebensmitteln aufgrund des Verbotes von Fungiziden und von toxinbindenden Substanzen – Gefährdung von Tier und Mensch
    • Höherer Stickstoffgehalt der Gülle aufgrund schlechterer Futterqualität – Umweltbelastung
    • Flächenverbrauch der Freilandhaltungen – Biologische Landwirtschaft kann eine Versorgung der Bevölkerung mit tierischen Lebensmitteln in einem dicht besiedelten Land nicht sicherstellen

    Weitere Problemfelder wären die Nichtverfügbarkeit geeigneter Tierlinien/rassen für die ökologische Haltung, mangelnde Verfügbarkeit von ökologischem Futter, Preis und Qualität von Bioprodukten.
    Und das sind nur Punkte, die mir spontan einfallen.

    Die Bioverbände und die Politik müssen sich diesen Problemen stellen. Außerdem erwarte ich seitens der Biobranche und auch der Politik mehr Ehrlichkeit gegenüber den Verbrauchern statt irrationaler Wunschträume.

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