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NRW: Kläranlagen versagen bei Humanarzneimitteln; Keine genauen Zahlen zum Verbrauch

Klaeranlage_01[Kläranlagen unzureichend] Dülmen (aho) – Die konventionellen Kläranlagen in Nordrhein-Westfalen können viele Arzneimittelrückstände nicht auffangen. Die Konzentrationen der Wirkstoffe sind oft kaum geringer als vor der Reinigung. Das hat eine Stichprobe des Lippeverbandes in Dülmen ergeben, bei denen ein „bunter“ Arzneimittelcocktail von 19 Wirkstoffen im Ablauf der Kläranlage gefunden wurde. Gemessen wurden und werden Konzentrationen zum Beispiel von Diclofenac und Ibuprofen, von Antibiotika, Antiepileptika, Wirkstoffen gegen Bluthochdruck und Röntgenkontrastmitteln und vergleicht die Werte im Zeitverlauf. Zusätzlich will der Lippeverband im kommenden Jahr auf seiner Dülmener Kläranlage eine Aktivkohle-Stufe installieren und auf ihre reinigende Wirkung testen.

Mittlerweile können die Rückstände in Oberflächengewässern, im Grundwasser und sogar im Trinkwasser nachgewiesen werden. Wie das „DSADS“ (Den Spurenstoffen auf der Spur), ein Projekt des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Dülmen und des Lippeverbands mitteilt wurden bisher Rückstände von über 150 Arzneiwirkstoffen in deutschen Gewässern nachgewiesen, 23 davon auch im Trinkwasser. 20 Prozent der Pharma-Rückstände im Wasser stammen nach Schätzungen aus Krankenhäusern, 70 Prozent aus Privathaushalten. Unklar ist, wie sich diese Spurenstoffe langfristig auf Pflanzen und Tiere, aber insbesondere auch auf die menschliche Gesundheit auswirken.

Konventionelle Kläranlagen entlassen nicht nur umweltrelevante Wirkstoffmengen in die Umwelt. Sie sind auch „Brutstätten“ für antibiotikaresistente Keime. Das belegen eine Vielzahl von Untersuchungen. So auch Wissenschaftler der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) in der Fachzeitschrift „Frontiers in Microbiology“. Für ihre Untersuchung hatten sie Sedimente des Genfersees vor Lausanne untersucht. Dabei trat Erstaunliches zu Tage: So entfernt eine Kläranlage zwar insgesamt über 75% aller Bakterien. Doch ist im gereinigten Abwasser der Anteil an besonders resistenten Stämmen erhöht. Mikrobiologe Helmut Bürgmann vermutet, dass die Kläranlage sozusagen ein Nährboden ist für den Austausch von Gensequenzen für Antibiotikaresistenz. Denn hier treffen Bakterien, die sonst im menschlichen Körper leben, auf solche, die schon an die freie Umwelt angepasst sind, und mobile Gensequenzen können aufgrund der hohen Zelldichten leicht ausgetauscht werden.

Zu korrespondierenden Ergebnissen kommt Professor Stephan von der Universität Zürich. Er fand bei der Untersuchung von gesunden Schweizerinnen und Schweizer im Alter von 20 bis 65 Jahren bei 5,8 Prozent der Probanden Keime im Darm, die neben anderen auch Resistenzfaktoren gegen eine Vielzahl von Betalactam-Antibiotika trugen. Professor Stephan untersuchte auch den seit Jahren vermuteten Zusammenhang zwischen resistenten Keimen und dem Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Tatsächlich fanden sich im Darm von Nutztieren resistente Keime. Vor allem Hühner stachen heraus: In 64 Prozent der untersuchten Vögel ließen sich multiresistente Bakterien im Darm nachweisen. Das Team von Professor Stephan konnten aber belegen, dass viele resistente Bakterien, die im menschlichen Darm gefunden wurden, beim Huhn gar nicht vorkommen. Es muss also andere Quellen wie z.B. Krankenhäuser geben, über die der Mensch mit multiresistenten Bakterien kolonisiert wird.

Harte Daten Fehlanzeige

Während insbesondere beim Antibiotikaverbrauch in der Veterinärmedizin exakte Verbrauchszahlen vorliegen, ist man bei Humanarzneimitteln Hochrechnungen angewiesen. Nach solchen Hochrechnungen aus dem Jahr 2011 wurden über Apotheken und Krankenhäuser insgesamt 38.000 Tonnen Arzneimittel abgegeben, verteilt auf 2.671 verschiedene Wirkstoffe. Davon werden etwa 111 Wirkstoffe aufgrund der Verkaufsmengen und anderer Kriterien als umweltrelevant eingestuft. Zu den verkaufsstärksten Wirkstoffgruppen gehörten Schmerzmittel (2.500 Tonnen), gefolgt von Antibiotika, deren Menge zwischen 800 und 1.600* Tonnen geschätzt wird.

* NN: Antibiotika und Antibiotikaresistenzen
Helmholtz Zentrum München, Kommunikation – FLUGS-Fachinformationsdienst,
Stand: 24. Januar 2007

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