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Kupierverbot: „…das wird zu mehr Tierleid führen …Herr Minister, bedenken Sie noch einmal Ihr Vorgehen“

Schwanzkannibalismus_03Hannover (aho) – Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) belegt, dass nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand um den Schwanzkannibalismus ein schneller Verzicht auf das Schwänzekürzen bei Saugferkeln den Tieren mehr schadet als nutzt. Für die Studie im Auftrag des Agrarministeriums in Hannover zur Vorbereitung der sogenannten „Ringelschwanzprämie“ hatten neuen niedersächsische Schweinehalter auf das Kupieren der Ferkelschwänze verzichtet. Offensichtlich war das Ergebnis verheerend: Schwanzkannibalismus ohne Ende. Studienleiter Prof. Blaha im NDR-Interview: „…das wird zu mehr Tierleid führen ….. Herr Minister, bedenken Sie noch einmal Ihr Vorgehen“. Die Studie habe gezeigt, dass das Verbot nicht wie geplant umzusetzen sei, so Projektleiter Thomas Blaha von der TiHo. Grundsätzlich befürwortet der Wissenschaftler den Verzicht auf das Kupieren der Schweineschwänze. Allerdings müsse diese Umstellung auf den Betrieben schrittweise vorbereitet werden. Blaha rät deshalb von einem Kupierverbot und von einer Ringelschwanzprämie ab, da dass nach Einschätzung des Experten zu einem starken Anstieg von Schmerzen und Leiden bei diesen Tieren führen. Stattdessen müsse weiter nach Wegen gesucht werden, um das Schwanzbeißen der Tiere zu verhindern und an einem klugen Beratungskonzept gearbeitet werden.

Obwohl das Ergebnis schon seit Wochen vorliegt, wurde es bisher nicht veröffentlicht. Der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Dammann-Tamke, fordert Landwirtschaftsminister Meyer auf, dem Ministerium vorliegende wissenschaftliche Studien zum Schwänzekupieren bei Schweinen unverzüglich zu veröffentlichen. „Wenn wir im Landtag zielorientiert über diese Frage diskutieren wollen, müssen alle Beteiligten den gleichen Kenntnisstand haben“, so Dammann-Tamke in einer Presseinformation. In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hatte das Ministerium vergangene Woche mitgeteilt, dass zwar Forschungsergebnisse vorlägen, die Bewertung jedoch noch nicht abgeschlossen sei.

Agrarminister Meyer kommentierte das Ergebnis der Studie in einem TV-Interview: „Man muss die Haltung grundlegend ändern“. Wie die Haltung zu ändern ist, erläuterte der Minister nicht. Meyer hatte Mitte des endenden Jahres verkündet, man wolle in den Tierställen Bedingungen schaffen, damit sich Schweine wohlfühlen. Mit Stroh, Beschäftigungsmaterialien und genügend Platz für das einzelne Tier, hieß es in einer Presseinformation.

Wissenschaft bisher ratlos

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Wissenschaft in einer Vielzahl von Studien und Publikationen mit dem Schwanzkannibalismus, ohne hierfür eine Erklärung und eine Strategie zur Prävention präsentieren zu können. Man kann annehmen, dass es sich beim reinen Bekauen des Schwanzes um ein „übliches“ Verhalten bei Schweinen handelt, welches durch Einflüsse „aus der Ruder laufen“ kann. Für den Schwanzkannibalismus – in Fachkreisen auch Kaudophagie genannt – werden in der Fachliteratur eine Vielzahl von Umwelt- und Fütterungsfaktoren diskutiert (2). Auffällig ist, dass die Ergebnisse oft nicht reproduzierbar sind. Sie scheinen nicht die Auslöser zu sein. Sie beeinflussen eher den Schweregrad. Das Phänomen kann zwar auch bei kupierten Schwänzen auftreten ist jedoch bei langen Schwänzen um ein Vielfaches häufiger (5).

Grundsätzlich tritt das Phänomen des Schwanzkannibalismus auch bei Wildschweinen und Schweinen in Freiland- und Ökohaltung auf (1, 2). Bei einer Befragung unter 500 niederländischen Betrieben gaben 50–64% der konventionellen und 45-47% der ökologisch wirtschaftenden Betriebe Probleme mit dem Schwanzkannibalismus an (3). Eine Auswertung an schwedischen Bio-Schweinen zum Zeitpunkt der Schlachtung ergab, dass Bio-Schweine häufiger von Schwanzkannibalismus betroffen sein können (4).

Lesen Sie hierzu auch ein aktuelles Interview mit Professor Blaha.

(1) Walker PK, Bilkei G.
Tail-biting in outdoor pig production.
Vet J. 2006 Mar;171(2):367-9.

(2) Freitag M.
Kaudophagie beim Schwein – ein multifaktorielles Problem.
11. Haupttagung der Agrar- und Veterinärakademie (AVA), 16.-18.3.2012, Göttingen

(3) De Lauwere, C. et al.
Stoppen met couperen? Varkenshouders over staartbijten en staartcouperen. LEI rapport 2009 – 97, LEI, the Hague, The Netherlands

(4) Lennart Larsson, Maria Alarik und Stina Stabo
Slakktkropprnas kvaliteit i ekologis uppfödning 2010
En sammanställning av slaktresultat för ekologiskt uppfödda ungnöt, kalvar, lamm och svin slaktade 2010
Hrsg.: Hushållnings sällskapet, Uppsala im Frühjahr 2012

(5) Thodberg, K. et al.
The risk of tail biting in relation to level of taildocking.
Proc. 44th Congr. International Society for Applied Ethology, Uppsala, Sweden, August 2010, p.91.

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