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Erneut wissenschaftlich belegt: Resistente Humankeime stammen nicht aus der Landwirtschaft

Petri(aho) – Fast täglich wird Tierärzten und Landwirten von Politikern und der Laienpresse vorgeworfen, durch den Einsatz von Antibiotika, resistente Keime zu selektieren und so die Behandlung von erkrankten Menschen zu erschweren. Namhafte Wissenschaftler aus den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland widerlegen dies zumindest für sogenannte ESBL-Colibakterien.
ESBL steht für „extended-spectrum beta-lactamases“ und bezeichnet Enzyme, die ein breites Spektrum von Beta-Laktam-Antibiotika unwirksam machen. Bakterien, die diese Enzyme produzieren, werden dadurch unempfindlich (resistent) gegenüber wichtigen Wirkstoffen wie Cephalosporine der dritten und vierten Generation.

Die Wissenschaftler verglichen die Ähnlichkeiten von ESBL- Keimen von Mensch und Tier. Dabei fanden beim Vergleich des Erbgutes große Unterschiede. Nur 1,2% der verglichenen Coli-Bakterien von Mensch und Tier zeigten eine Ähnlichkeit von nur 70%. Kein resistenter Tierkeim war mit einem resistenten Keim vom Menschen tatsächlich identisch.
Die Wissenschaftler empfehlen, die Übertragung von ESBL-Keimen von Mensch zu Mensch zu reduzieren. Hierfür müssten Krankenhausabfälle und –abwässer sterilisiert werden.

Die Studie bestätigt Ergebnisse, die Humanmediziner des „Universitair Medisch Centrum“ (UMC) in Utrecht anlässlich eines Kongresses in Berlin (23nd European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (23nd ECCMID)) (2) vorgestellt hatten. Für ihre Untersuchungen hatten sie das Erbgut von ESBL-Keime beim Menschen mit denen beim Geflügel verglichen. Auch hier waren die ESBL-Keime nicht identisch.

Ähnliche Ergebnisse präsentierten Wissenschaftler vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge. Die Experten hatten das Erbgut von Salmonellen des Typs Salmonella typhimurium DT104 analysiert, die in den letzten 22 Jahren in Schottland isoliert worden waren. Hierzu gehörten 142 Isolate von Patienten und 120 Isolate von Tieren, zumeist Rindern. Zusätzlich wurden 111 Isolate von Mensch und Tieren aus anderen Ländern in die Erbgutanalyse einbezogen. Ergebnis: Die Salmonellen von Menschen und Tieren hatten keinen einheitlichen Stammbaum. Die bei den Tieren isolierten Bakterien unterschieden sich deutlich von denen, die beim Menschen Krankheiten ausgelöst hatten. Ein gemeinsamer Ursprung der multiresistenten Bakterien war nicht erkennbar. (3)

Während Tierärzte mit einer bescheidenen Palette von zumeist seit Jahrzehnten genutzten Antibiotika Tiere in der Landwirtschaft erfolgreich behandeln, hat sich die Situation in deutschen Krankenhäusern deutlich verschlechtert. Dort haben sich auch durch Urlaubsreisende und Patienten aus der sogenannten „Dritten Welt“ und den Schwellenländern antibiotikaresistente Problemkeime angesiedelt, die durch Hygienemängel rasche Verbreitung finden..

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(1) Wu, G., Day, M.J.,Mafura, M.T., Nunez-Garcia, J., Fenner, J.J., Sharma, M., van Essen-Zandbergen, A., Rodriguez, I., Dierikx, C., Kadlec, K., Schink, A-K., Wain, J., Helmuth, R., Guerra, B., Schwarz, S., Threlfall, J., Woodward, M.J., Woodford, N., Coldham, N. & Mevius, D. (2013) Comparative analysis of ESBL-positive Escherichia coli isolates from animals and humans from the UK, the Netherlands and Germany. PLoS One 8(9): e75392. Doi:10.1371/journal.pone0075392

(2) M. de Been, J. Scharringa, Y. Du, J. Hu, Z. Liu, Y. Lei, Z. Cen, J.W.T. Cohen Stuart, A. Fluit, M.A. Leverstein-van Hall, M.J.M. Bonten, R. Willems, W. van Schaik
Whole genome sequence-based epidemiological analysis of ESBL-producing Escherichia coli.
23nd European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (23nd ECCMID)
27 – 30 April 2013, Berlin, Germany.

(3) Mather, A. E. and Reid, S. W. J. and Maskell, D. J. and Parkhill, J. and Fookes, M. C. and Harris, S. R. and Brown, D. J. and Coia, J. E. and Mulvey, M. R. and Gilmour, M. W. and Petrovska, L. and de Pinna, E. and Kuroda, M. and Akiba, M. and Izumiya, H. and Connor, T. R. and Suchard, M. A. and Lemey, P. and Mellor, D. J. and Haydon, D. T. and Thomson, N. R.,
Distinguishable Epidemics of Multidrug-Resistant Salmonella Typhimurium DT104 in Different Hosts
Science Express 2013 DOI: 10.1126/science.1240578

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3 Comments, Comment or Ping

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Stein,
    ich habe mir erlaubt, diese Meldung auf der Internetseite des NieKE zu plazieren. Sollten Ihrerseits diesbezüglich Einwendungen bestehen, so bitte ich um kurze Rückmeldung.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Helmut Bäurle

    Link: http://www.ernaehrungswirtschaft.de/index.php?con_cat=49&con_art=1875&con_lang=1&sid=uq30joqt4i7s28rb1pe94hq5c4

  2. Buschmolch

    Dies mag ja evtl. alles richtig sein, im Bezug auf den gleichen Urstamm. Doch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass in der Massentierhaltung mit Antibiotika nur so um sich geschossen wird.
    Ebenso unter den Menschen.
    Was mir aber mehr aufstösst, ist die Tatsache, dass nix von der Informationsweitergabe der Bakterien ,,Resistenzgen“ erwähnt wird. Das heißt, die Weitergabe der Information (Resistenz) ist genauso möglich. Dabei spielt es doch keine Rolle ob es erblich ist oder nicht.
    http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_esbl__und_ampc_bildenden_antibiotikaresistenten_keimen-106471.html#topic_132416

    Also wenn ich absolut falsch liegen sollte, berichtigen sie mich.
    MfG Buschi

  3. Klaus Hamper

    Und was ist mit MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus?:

    http://www.wochenblatt.com/landleben/nachrichten/mrsa-landwirte-als-risikogruppe-2213.html

    Zitat: „In den meisten Krankenhäusern werden bestimmte Risikogruppen bei der Einlieferung auf eine MRSA-Besiedlung hin untersucht. Seit 2008 gehören laut Empfehlung zu den Risikogruppen auch „Patienten, die (beruflich) direkten Kontakt zu Tieren in der landwirtschaftlichen Tiermast (Schweinen) haben“. Dr. Robin Köck ergänzte: „Das gilt ebenso bei Kontakt zu Rindern oder Geflügel und auch nicht nur für die Mast“.

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