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Deutliche Unterschiede: MRSA vom Schwein ohne Einfluss auf Resistenzlage in Krankenhäusern

ferkel_03.jpgGießen (aho) – Immer wieder entwickeln Politiker und spendenfinanzierte Organisationen apokalyptische Bedrohungsszenarien durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Keime (MRSA), die aus Ställen direkt oder indirekt über tierische Lebensmittel menschliches Leben gefährden.

Wie immer lohnt sich ein Blick in die Fachliteratur: Tatsächlich sind MRSA unempfindlich gegen eine Reihe der gebräuchlichen Antibiotika. Die MRSA sind seit den 60iger Jahren für viele Krankenhausinfektionen verantwortlich und konnten 2005 auch erstmals bei Tieren nachgewiesen werden. Inzwischen bestehen MRSA-Varianten, die in der normalen Umgebung auftreten und nicht mit medizinischen Einrichtungen in Verbindung stehen. Diese werden als „community acquired MRSA“ (CA-MRSA) bezeichnet. Der in medizinischen Einrichtungen (Kliniken, Pflegeeinrichtungen) vorkommende MRSA wird mit HA-MRSA (für „healthcare associated“) bezeichnet. MRSA-Stämme, die in der Tierhaltung ein Rolle spielen, heißen „Livestock-assoziierte MRSA“ (LA-MRSA). Bei Schweinen dominieren MRSA der klonalen Linie ST398.

Das Ziel einer Studie am Fachbereich Veterinärmedizin der Universität Gießen bestand darin, die Antibiotikaresistenzen von HA-MRSA und LA-MRSA miteinander zu vergleichen. Es galt zu eruieren, inwiefern sich die beiden Gruppen in ihrer Antibiotikaresistenz unterscheiden und eine Gefährdung der Wirksamkeit der in der Humanmedizin genutzten Reserveantibiotika angenommen werden muss. Auf Basis der Genotypisierung sollte ferner aufgezeigt werden, ob eine Ausbreitung von LA-MRSA ausgehend vom Schwein und den mit diesen arbeitenden Personen in das Krankenhaus hinein stattgefunden hat und wenn ja, in welchem Umfang.

Es wurden zu diesem Zweck Nasentupferproben von Schweinen, Personen mit Schweinekontakt und Umgebungsproben auf 27 landwirtschaftlichen Betrieben in vier Bundesländern gesammelt. Um einen Vergleich der unterschiedlichen Reservoire zu ermöglichen, wurden MRSA-Isolate von Krankenhauspatienten des Heidelberger Universitätsklinikums mit in die Studie miteinbezogen.

Die wesentlichen Ergebnisse der Studie stellen sich wie folgt dar:

  • Es konnte in 85 % der untersuchten Betriebe das Auftreten von MRSA nachgewiesen werden. Insgesamt waren 50 % der Tierproben, 57 % der Umgebungsproben und 60 % der beprobten Personen mit Schweinekontakt MRSA-positiv. Am stärksten von MRSA besiedelt waren Mastschweine. Die niedrigste MRSA-Prävalenz wiesen Sauen auf.
  • Die Genotypisierung der ausgewählten Isolate aus dem Schweinesektor ergab stets den LA-MRSA CC 398. Es fand somit kein Eintrag von CA-MRSA oder HA-MRSA in die Stallungen statt.
  • Dem entgegengesetzt wurde in vier Fällen LA-MRSA CC 398 aus Proben von Krankenhauspatienten isoliert. Dies belegt, dass im Einzelfall LA-MRSA mit unterschiedlicher Resistenzgenausstattung in Krankenhäusern eingetragen werden können.
  • In der Gruppe der Krankenhauspatienten dominierten die HA-MRSA gegenüber den CA-MRSA.
  • Im Hinblick auf die Antibiotikaresistenzen und auch die für diese codierenden Resistenzgene wurden z.T. sehr deutliche Unterschiede zwischen den MRSA-Isolaten von Schweinen und Menschen festgestellt. Die Isolate von Schweinen waren durch 100 % Tetrazyklinresistenz, 50 % Trimethoprimresistenz und 20 % Aminoglycosidresistenz gekennzeichnet. Es ließen sich keine Resistenzen bei den MRSA von Schweinen gegen die nur in der Humanmedizin zugelassenen und genutzten Antibiotika Mupirocin, Tigecyclin, Rifampicin, Teicoplanin und Vancomycin nachweisen.
  • Doch auch für die HA-MRSA ist die Resistenzlage gemessen an den hier untersuchten MRSA-Isolaten als günstig einzustufen, obwohl die Antibiotikaresistenzen relativ breit verteilt sind und ein Mupirocin-resistenter MRSA-Stamm isoliert werden konnte.
  • Die humanen Patienten-Isolate hingegen wiesen mit 81 % eine stark ausgeprägte Fluorchinolonresistenz (Gyrasehemmer) auf. Beide Gruppierungen zeigten mit über 70 % Verbreitung deutliche Makrolid/Lincosamidresistenzen. Allerdings wiesen die humanen Isolate eine insgesamt breitere Wirkstoffresistenz auf. In beiden MRSA-Reservoiren konnten bis auf eine einzelne Mupirocinresistenz bei einem Krankenhauspatienten keine Resistenzen hinsichtlich der als Reserveantibiotika klassifizierten Wirkstoffe nachgewiesen werden.

Die Studie belegt, dass sich MRSA von Menschen und Schweinen deutlich voneinander unterscheiden. Dies trifft sowohl auf die vorliegenden Antibiotikaresistenzen und den mit diesen in Verbindung stehenden Resistenzgenausstattung zu, als auch auf die jeweilsnachgewiesenen stark unterschiedlichen klonalen Linien. Obwohl auch ein Eintrag von LA-MRSA
aus dem Schweinereservoir in das Krankenhaus nachgewiesen werden konnte, zeigt die Resistenzlage der HA-MRSA, dass die LA-MRSA hierauf keinen Einfluss haben.

Quelle:
Christian Paul Bieber
Vergleichende molekularepidemiologische Studie porciner und humaner MRSA in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Antibiotikaresistenzen
Dissertation, Fachbereich Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen, 2014

Anm. d. Red.: Im Kampf gegen MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) gilt es einen Teilerfolg zu verkünden. Wie Ines Noll vom Robert-Koch-Institut (RKI) Berlin kürzlich auf einem vom Institut für Krankenhaushygiene und Klinische Mikrobiologie veranstalteten Symposium im Klinikum Dortmund berichtete, kann ein europaweiter Rückgang von MRSA beobachtet werden. Sie belegte dies mit den Daten der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS). Die in der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) erfassten Resistenzdaten basieren nicht auf klinischen Daten, sondern auf Meldungen aus Labors. Somit kann dort nicht unterschieden werden zwischen Erregern, die nur eine Besiedlung hervorrufen und solchen, die eine Infektion verursachen (1).

Trotzdem besteht in deutschen Krankenhäusern weiterhin Nachholbedarf. Während in Deutschland bei jedem sechsten Staphylokokken-Erreger in der Klinik Multiresistenzen entdeckt werden, liegt man in Holland bei solchen MRSA-Keimen bei der bemerkenswerten Quote von einem von 100 Patienten. Ein Grund: In den Niederlanden hatte man schon vor 20 Jahren begonnen, jeden Risiko-Patienten bei Klinikaufnahme konsequent auf MRSA zu untersuchen und im Bedarfsfall zu behandeln und zu isolieren.

Laut einer Hochrechnung der 2012 veröffentlichten Alerts-Studie des Sepsiszentrums der Universität Jena erkranken in Deutschland 4,3  Prozent aller Krankenhauspatienten während ihres Aufenthaltes an einer Infektion. Dies entspricht jährlich zwischen 400.000 und 600.000 Fällen.
Das Nationale Referenzzentrum (NRZ) an der Berliner Charité geht von maximal 6.000 Menschen aus, die jährlich in Deutschland an Infektionen durch multiresistente Erreger sterben. Das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (ECDC) und die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) haben basierend auf Zahlen, die im Jahr 2007 erhoben wurden, geschätzt, dass in Europa 25.000 Todesfälle im Jahr auf Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern zurückzuführen sind. Für die USA hat das US-amerikanische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) mindestens 23.000 Todesfälle durch antibiotikaresistente Keime geschätzt.

Experten betonen aber einstimmig: Entgegen vieler Medienberichte wird der überwiegende Anteil der Krankenhausinfektionen durch Erreger ausgelöst, die keine Multiresistenz gegen Antibiotika aufweisen. „Das ist ein Hype um die multiresistenten Erreger“, sagte Petra Gastmeier vom NRZ. Man kann genauso an einem sensiblen Staphylococcus aureus sterben wie an einem MRSA, seiner resistenten Variante.“ Die medial dargestellte Überschätzung beträgt nach Expertenmeinung Zehnerpotenzen.

(1) Gastmeier, Petra; Fätkenheuer, Gerd
Infektiologie: Dilemma mit Begriffen und Zahlen
Dtsch Arztebl 2015; 112 (15), S. A-674 / B-576 / C-559

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