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Deutschlandweite Studie: Erschreckende Fakten zum animal hoarding

AurichHannover (aho) – Eine kürzlich publizierte Dissertation deckt erschreckende Details zum Phänomen des „animal hoarding“ auf. Einem Tierschutzproblem, mit dem sich das öffentliche Veterinärwesen auch in Deutschland zunehmend befassen muss. In der Wissenschaft wird ein Animal Hoarder als eine Person definiert, die eine Vielzahl von Tieren hält, ohne einen Mindeststandard an Nahrung, Hygiene und/oder tierärztlicher Versorgung gewährleisten zu können. Die an der Tierärztlichen Hochschule Hannover erstellte Arbeit, wertet unter anderem 724 Fragebögen aus, die von Veterinärämtern beantwortet wurden. 219 Veterinärämter berichteten über 625 Fälle, deutschlandweit ist somit jedes zweite Veterinäramt betroffen. Am häufigsten wurden Katzen (50,8 %), Hunde (45,2 %), Kaninchen (19,5 %) und Ziervögel (14,8 %) gesammelt, insgesamt waren über 50.000 Tiere betroffen.
In annähernd zwei Drittel der Fälle waren Tiere erkrankt, vorrangig an Infektionserkrankungen. In einem Drittel der Fälle waren Verletzungen, insbesondere durch Haltungsfehler oder in Form von Kampf- oder Beißspuren von Hautverletzungen bis hin zu Verstümmelungen und fehlenden Gliedmaßen aufgetreten. Zusätzlich fiel bei der Hälfte aller Tierbestände Parasitenbefall durch Endo- und/oder Ektoparasiten auf.
Verhaltensauffälligkeiten der Tiere wurden bei einem Drittel der Fälle festgestellt, vor allem in Form von Deprivationsschäden, Stereotypien, fehlenden oder fehlgeleiteten Verhaltensweisen sowie Kannibalismus/Infantizid. Nahrungs- und/oder Trinkmöglichkeiten waren bei einem Drittel der Fälle nicht vorhanden oder beeinträchtigt. Die hygienischen Zustände wurden in drei Vierteln der Fälle bemängelt, so die Untersucherin.

Mehr als zwei Drittel der Horder waren Frauen im Altersdurchschnitt von 50 Jahren. Knapp die Hälfte der Halter/innen lebte in Singlehaushalten, ansonsten wurden fast ausschließlich Familienmitglieder beteiligt. Alle Berufsschichten waren betroffen, erwartungsgemäß ließ sich ein hoher Anteil sozialer Berufe feststellen oder Tätigkeitsfelder, die mit Tieren zu tun haben. Nicht berufstätig (arbeitslos, in Rennte, arbeits-/erwerbsunfähig) waren drei Viertel der Tierhalter.

Diese und eine Fülle weitere Fakten sowie ein 10-Punkte-Konzept für Amtsveterinäre und Amtsveterinärinnen sowie andere betroffene Institutionen oder Personenkreise können Sie hier in der Dissertation finden (PDF).

Sperlin, Tina Susanne
Animal Hoarding: Das krankhafte Sammeln von Tieren.
Aktuelle Situation in Deutschland und Bedeutung für die Veterinärmedizin
Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2012

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